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Tierisches


"Denn da hatte sich das Tier gezeigt"

Kleines Bestiarium für Tier- und Lesefreundinnen, 
mit aufgefrischten Fabeln, Gedichten und Geschichten
von Katzen, Kraken, Flöhen, Glühwürmchen und anderen Kreaturen, 
mit Tier- und Menschenphilosophie angereichert 
und ein wenig Wissenschaft zum Schluss 




Inhalt: 

 Begünstigte Tiere. Anstelle einer Einleitung

 

I. Aufgefrischte Fabeln

Nemo beim Zahnarzt - Das Model und der Frosch - Kingkong und der Popstar - Garfield im Restaurant - Das Moorhuhn und der Bürojäger - Das letzte Einhorn auf dem Ponyhof - Dumbo beim Schönheitschirurgen - Esel beim Psychotherapeuten - Kung Fu Panda und der Geheimagent - haekelschwein im Weltall - Furby und die Feministin - Paul der Krake beim Orakel - Homo Sapiens im Menschenzoo

II. Das Tier im Gedicht

Sym-Biose - Koala - Ameisenbär - Glühwürmchen

III. Tiere im Leben und in der Literatur

Singzikaden, oder: Mein day of the locust - Flöhe, Tragik und ein wenig Kafka. Variationen über eine Parabel - Tod eines Kükens - Annäherung an den Kranich (in drei Schritten)

IV. Tier- als Menschenphilosophie

Katzen-Philosophie - Bonding - Interkulturelle Tiervergleiche - Der Philosoph und sein Hund. Ein österliches Geistergespräch

V. Ein wenig Literaturgeschichte

„Denn da hatte sich das Tier gezeigt“ – Rilkes Tiergedichte

Übergangswesen: Der Yeti. Anstelle eines Schlussworts

  Tier-Register


Leseprobe


Singzikaden, oder: Mein day of the locust

1. Von Singzikaden. Auftakt mit Kortisonbegleitung

Es war am Chemotag, und ich las am Nachmittag diesen Artikel in der NZZ. Doppelseitig war er und vom Thema her etwas abseitig (ich liebe an dieser Zeitung, neben ihren unsterblichen Helvetismen und ihrem Mut zum Unkorrekten, dass sie abseitigen Themen gern Doppelseiten widmet!): Es ging nämlich um die amerikanische Singzikade, Magicicada septemdecim, und relativ gleich zu Beginn stolperte ich über den Satz, dass diese erstaunlichen Tiere kein Hirn hätten. Nun war ich gerade im schönsten Kortison-High, und die Vorstellung, kein Hirn zu haben, schien mir etwas überproportional belustigend, auf jeden Fall jedoch attraktiv genug, den länglichen Artikel zum abseitigen Thema entschieden in Angriff zu nehmen. Und beim Weiterlesen reihte sich Perle an Perle! Dieses wunderbare Tier nämlich, das es nur in den US of A gibt (kein Hirn, soso, nur in USA, schmunzelte es in mir etwas boshaft), hat einen ziemlich einzigartigen Lebenszyklus: Es vegetiert entweder 13 oder 17 Jahre tief unter der Erde dahin und ernährt sich spartanisch von Wurzelsäften, bevor es schließlich – aber nein, überstürzen wir nichts, sondern verweilen ein wenig bei den einzelnen Perlen, bevor sie wie so oft vor die ziemlich quer- und allesfressenden Säue geraten.

Denn das Erstaunliche sind natürlich, vor allem für Mathematiker, die 13 oder 17 Jahre: Primzahlen, die stärkste Symbolsprache der reinen Mathematik. Die Singzikade braucht dafür kein Hirn und auch keinen Supercomputer auf Primzahlensuche, sondern nur einen Instinkt, aber der sagt ihr: Sei bloß nicht so blöd, immer in Jahren aufzutauchen, die durch 2 teilbar sind oder durch eine der anderen niedlich kleinen Zahlen, die die Menschen und komplexere Organismen so lieben für ihre einfachen Uhren und komplizierten Gehirne! Nein, wenn man sich den Primzahlen anvertraut, gerät man erwünschterweise ziemlich ins Abseits; Primzahlen nämlich sind, sozusagen, die Einzelgänger unter den Zahlen. Nicht teilbar, außer durch 1 und durch sich selbst (und ist das nicht ein wahrhaft schönes Identitätsideal?); teilerfremd mit dem großen Rest der Welt, der es heimlich mit den geraden Zahlen hält (immer mindestens noch durch 2 teilbar, na gut, das mag ein Beziehungsideal sein, aber Zikaden haben, wir kommen später dazu, ganz eigene Ansichten über Beziehungen). Zum Beispiel begegnet man ziemlich selten der Nachbarpopulation, die gerade ein Jahr versetzt in ihrem 13er oder 17er-Rhythmus ist, und der ganze Wald gehört einem allein! Das gleiche gilt für die allermeisten Fressfeinde. Nein, 13 oder 17, niemand außer dir hat einen Rhythmus von 13 oder 17 Jahren, lieblichen Primzahlen, aber ein wenig spröde. Das sichert dein Überleben. Das willst du. Du willst nur das!

Und so schlüpfen nur alle 13 oder 17 Jahre (je nach Region) einige Millionen sehr unscheinbare Larven aus der Erde und krabbeln, so schnell sie können, den nächsten Baum empor; zur Not tut es auch ein Verkehrsschild, so betonte der Artikel, Hauptsache: vertikal! Mein kortisonumsäuseltes Gehirn sah Zikadenstraßen, Heere von rotäugig glotzenden Larven Baumstämme und Verkehrsschilder überziehen, derweil sie ihre letzte Haut abwarfen; dann fällt sie nach unten ab, was sie nicht tun würde, wenn man lieber – wie es Menschen so gern tun – die so bequeme Horizontale sucht: Horizontal werden wir im Wesentlichen geboren, und horizontal sterben wir, und der aufrechte Gang dazwischen ist nur eine ziemlich kurze Phase im Angesicht des um sich selbst kreisenden Universums, und wenn wir uns mit immer neuer Kleidung verpuppen, bilden unsere abgestreiften Larven hässliche Müllberge und müssen verbrannt werden. Währenddessen sind die Zikaden in der Baumkrone angekommen; und dann beginnen sie mit ihrem Gesang. Die Männchen natürlich nur; wie immer dient der Gesang, auch wenn der Mythos anderes sagt (dazu später), ausschließlich einem einzigen Zweck, und das ist das Anlocken von Weibchen, mit dem geradlinigen Ziel, möglichst schnell und möglichst viel Sex innerhalb kurzer Zeit zu haben, und dann – nein, schön langsam! Was ist die nächste Perle?

Gesang, man ist sich ja nicht ganz sicher, ob das das richtige Wort ist. Was passiert, ist folgendes: Millionen Zikaden beginnen mittels eines Trommelorgans, einer gewölbten Schallmembran über einem Hohlkörper, der durch Muskelkontraktionen in Schwingungen versetzt wird, ihren himmlischen (für den Mythos und die Dichterfreunde), für die benachbarten Dörfer und Städte in Zikadenregionen jedoch wohl eher höllischen Chor: Nicht entfliehen kann man ihm, Tag und Nacht wird getrommelt, was das Zeug hält, und alle Fressfeinde der Welt schaffen es nicht, dagegen anzukillen. Zu ihnen zählen vor allem Vögel, Eichhörnchen und – Menschen; das Zikadenbarbecue erfreut sich einiger Beliebtheit, ist aber nichts für Zartbesaitete und empfindlich Hörende und wohl eher ein Rache- als ein Genussakt. Aber auch Menschen, die erfolgreichsten Allesfresser des Planeten und gerade in den US of A wohltrainiert in der sportlichen Disziplin des all you can eat, können gegen Zikaden nicht anfressen: predator satiation, das ist ihr fieser Trick; Überfluss, reine Masse, das ist ihr Erfolgsgeheimnis. Gehirn, ach was. Alles, was Gehirn habt, wird früher oder später vom Menschen ausgerottet. Nicht so Singzikaden! 

In meinem Hinterkopf spukte derweil das nächtlich-mechanische Grillenzirpen, das mir in letzter Zeit schon so manche halbschlaflose Nacht instrumentalisiert hatte; aber das ist eine völlig hirnlose Verwechslung. Zikaden sind nämlich weder Grillen noch Heuschrecken; sie fressen die Landstriche, die sie beschallen, keinesfalls ratz-fatz-leer, sondern bleiben auch nach dem Schlüpfen genügsame Veganer und sind Vollzeit mit Singen und Sex beschäftigt. Hübsch anzuschauen sind sie dabei aber nicht direkt: Insekten halt, mit großen gespenstisch roten Facettenaugen und einem seltsamen W-Muster auf den durchsichtigen Flügeln, das schon zu den lustigsten Verschwörungstheorien beflügelt hat (die Menschen, mit Gehirn, nicht die hirnlosen Zikaden), aber trotz Kortison-High verweigert mein Gehirn eine gefällige Assoziation diesmal. Außerdem riechen sie ziemlich übel, die Zikaden, vor allem wenn sie in Scharen tot von den Bäumen fallen. Das ist nämlich das Ende vom Spiel: Nachdem das Geschrei genug Weibchen angelockt und man in einer Dauerorgie so viel Nachkommen gezeugt hat wie eben möglich (es sollen um die fünfhundert Eier pro Weibchen sein), und sobald die lieben Kleinen geschlüpft sind und schon wacker mit den Trommelorganen flattern (nein, das sind natürlich die Falken, die ich in der Falkenkamera beobachtet habe, bis das Küken starb jedenfalls) – direkt nach Erledigung des Reproduktionsgeschäftes also fallen die Eltern tot vom Baum. Lebenszweck erfüllt, und Ruhe ist (endlich, stöhnen die erschöpften Anwohner, ihnen ist noch ganz übel vom Zikaden-Barbecue letztes Wochenende)! Die Kleinen sollen gefälligst für sich selbst sorgen. Was sie auch tun, hirnlos geboren, wie sie sind: Sie gehorchen brav ihren Instinkten, vergraben sich eiligst unter die Erde und bleiben schön dort, 13 oder 17 Jahre lang, den Primzahlen getreu! Erziehung kann so einfach sein!

Nun, das waren bisher die üblichen Bizarrerien der Evolution, wundersam geformte kleine Perlen, auch gut für den einen oder anderen metaphorischen Nebensinn. Aber es kommt noch eine Nebengeschichte und Prachtperle, die wie eine Satire der Evolution auf sich selbst klingt. Es gibt also, so lerne ich gegen Ende des Artikels, einen speziellen Parasiten, der Zikaden gern befällt, Massospora cicadia wird er passenderweise genannt; und er trifft die Zikaden zielsicher an ihrem heikelsten Punkt überhaupt, nämlich: den Genitalien der Männchen. Sie werden dadurch unfruchtbar, aber nicht etwa weniger geil, oh nein: Der Sexualtrieb wird sogar gesteigert! Geradezu hysterisch versuchen die befallenen Männchen nun sogar die Weibchen und ihr typisches Flügelschlagen zu imitieren, um damit noch mehr Männchen anzulocken, mit denen sie sich dann hurtig – pseudo-paaren und die fehlgeleiteten Sexualpartner dabei anstecken! (nein, die sich aufdrängende moralistische Deutung lassen wir aus, das ist alles Natur und sonst nichts). Die beflügelnde Wirkung wird übrigens erzeugt durch einen Stoff, der psychedelischen Pilzen ähnelt, sowie einem Amphetamin-Cocktail; das Stöfflein drosselt den sowieso schmalen Appetit und verstärkt die Konzentration auf das Einzige, was den Zikaden bleibt, nämlich: Sex und noch viel mehr Sex! Es ist Viagra on speed, sozusagen. Natürlich sind gehirnbegabte Menschen deshalb schon lange auf die Idee gekommen, die berauschten Zikaden zu verschlingen, um in einen ähnlich euphorischen Zustand zu gelangen. Klappt aber nicht, predator satiation: Man müsste mehr essen, als man kotzen kann! Ende des Artikels, das Kortison kichert noch ein wenig vor sich hin, und im Garten zirpt eine Grille, wenig melodisch und ganz allein. 

[...]

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 Das Bella-Buch.

Katzengeschichten und Katzenweisheiten

 

 


Inhalt

  • Das Bella-Buch. Geschichte einer Eingewöhnung
  • Katzen-Philosophie
  • Katzen-Aphorismen
  • kater-rap


Leseprobe

Bella. Am Anfang hat man sie gar nicht gesehen. Sie hatte sich verkrochen, ganz tief in ihren Korb, so als wollte sie nie mehr wieder herauskommen. Das war nichts Besonderes, das machten die meisten ihrer – nein, man möchte nicht sagen: Leidens-Genossen, denn es war ja zu ihrem Besten, dass sie hier im Tierheim gelandet waren, viele tierliebende Menschen opferten hier ihre Freizeit und ihr Herzblut für diese verstoßenen Kreaturen. Aber leider litten sie dabei, offensichtlich, unvermeidlich, also: Sie litt, wie ihre Leidensgenossen, all die Katzen und Kater, die sich irgendwo versteckten in ihren vergitterten Käfigen, manche sogar im Katzenklo, andere hatten offensichtlich die Fähigkeit sich ganz und gar unsichtbar zu machen. Draußen kläfften die großen Hunde, die es auch schwer hatten, und im Büro trieb der gutherzige Dilettantismus Blüten und das Telefon klingelte unaufhörlich und gelegentlich im Takt zum Bellen der Hunde. Nur ganz hinten im Katzenhaus tollten einige ziemlich minderjährige Katzenkleinkinder mutwillig übereinander und untereinander, die natürlich jeder sofort mitgenommen hätte. Aber wir standen vor ihrem Käfig, irgendwie hatte es sich so ergeben; "Bella" stand auf dem Namensschild, wer hatte sie wohl so genannt, und was hatte er oder sie sich dabei gedacht? Konnte man nicht, wenn man ganz genau hinschaute, ganz hinten ein paar sehr große kugelrunde Augen sehen? Und war es nicht so, wenn man sich den Käfig aufsperren ließ und sich sehr vorsichtig näherte, dass einen die großen kugelrunden Augen fixierten und nicht mehr losließen, gar nicht wehleidig, eher aus Angst entschlossen, aus Schrecken gebannt, pupillenschwarz gewordene Panik? Bella starrte. Man konnte, stellte sich heraus, sehr vorsichtig eine Hand in den Korb stecken; man konnte, sehr vorsichtig, sie berühren, durch das dicke Fell tasten, das man jetzt erst bemerkte, und irgendwann, war es der Stress oder doch ein erstes Erkennen, begann der versteckte Körper hinter und unter den großen Augen sogar vorsichtig zu schnurren. Und dann streckte sie die Pfote ein klein wenig vor, es war die rechte. Mehr konnte man nicht erwarten. Aber es brach einem ein wenig das Herz, wieder zu gehen und die großen Augen zurückzulassen, die nun wieder ins Leere starren würden, auf das Gitter, ins eigene Innere, wer weiß das schon. Draußen kläfften die Hunde immer noch, und wir versprachen ihr, Bella, dass wir wiederkommen. Vielleicht hatten wir gewisse Zweifel, dass wir eine Katze wollten, die irgendjemand Bella genannt hatte, o.k., zugegeben; aber ihr Blick hatte sich irgendwohin gebohrt, zwischen Herz und Verstand, und blickte von innen aus weiter.

[...] 

Vollbild einer Katze. Nach gut einem Jahr ist Bella endlich die geworden, die sie wirklich ist, in einer zweitbesten aller möglichen Welten wenigstens. Sie ist, zum Beispiel, eine großrahmige Maine-Coon-Katze, die schlechtes Wetter mag. Erst wenn es richtig regnet und fröstelt, dängt es Bella vom Billardtisch in den Garten; man bekommt dann nämlich nasse Pfoten und alles Mögliche setzt sich im Fell fest, aber so ist das halt mit Natur, von der nur Leute meinen, sie sei eine Gratis-Schönwetter-Einrichtung zum Grillen und Baden. Wir hoffen sehr, dass es dieses Jahr Schnee gibt, richtig dicken tiefen Schnee, wir wollen sehen, wie sie bis zur Halskrause versinkt und sich weiß und wollig wieder emporkämpft und dicke Fellschuhstapfen auf einer weißen Wiese hinterlässt. Bella ist zudem auch, wir ahnten es ja schon länger, aber inzwischen hat sie es auch selbst bemerkt, ein furchterregender Jäger. Zwar bringt sie bisher nur diverse Kleinmäuse, und sie denkt nicht daran, sie zu fressen. Aber wenn man ihr dabei zusieht, wie sie den kleinen, schon lange leblosen Fellkörper mit einem Tatzenwisch über das glatte Wohnzimmer-Laminat fegt, husch, kaum hast du es gesehen, stoppt er haarscharf vor der Glasvitrine, und die Katze macht einen Luftsprung, als würde ihr ein Elektroschock durchs lange, bekanntlich elektrisch leitfähige Fell schießen, stürzt sich erneut auf das tote Tier, versetzt ihm einen neuen Tatzenhieb, diesmal nimmt der erstaunlich beschleunigungsfähige Körper Fahrt auf in Richtung Couchtisch mit den Weingläsern darauf, und die Katze hinterher, Mord und Spieltrieb in gleichmäßiger Mischung in den Augen – dann schwankt man zwischen Ehrfurcht, Furcht und menschlich-moralischer Empörung. Unser Sohn hat das Spiel Katzen-Crocket getauft, aber auch das ist Natur, nichts als Natur, und in der Wildnis in Maine stehen halt keine Glasvitrinen und Couchtische mit Weingläsern herum.

Als ich allerdings am Morgen nach der Erfindung des Katzen-Crocket noch etwas schlaftrunken in die Küche wankte und nur unscharf einen sehr großen dunklen Schatten auf dem Wohnzimmerteppich wahrnahm, wo noch gestern eine kleine Maus einen sehr unruhigen ewigen Schlaf geschlafen hatte, war ich doch etwas beunruhigt – was hatte der Bella-Jäger denn nun erbeutet, eine Beutelratte? Beim Nähertreten sah ich, dass es ein Vogel war. Es war ein mittelgroßer, recht schöner Vogel, sein Fell war am Bauch glänzend schwarz-weiß mattiert und seine Augen standen offen. Eigentlich lag er da, als sei er völlig unerwartet vom Himmel gefallen und sehr sanft auf unserem Wohnzimmerteppich gelandet (das tun aber nur Lemminge, bei Starkregen), kein Vergleich zur zerzausten Mini-Maus nach dem Crocket. Auch bei näherer Begutachtung fand ich keinerlei Verletzungsspuren. Wie hatte ihn bloß die Katze unverletzt und unzerzaust durch die gar nicht so große Katzenklappe bekommen, die Kellertreppe hoch und bis auf unseren Wohnzimmerteppich, auf dem er nun einen hübschen, aber leider leblosen Kontrast zu den bunten Farbstreifen bildete? War sie doch tief innen ein sanftmütiger Kuscheltiger mit nur gelegentlichen mörderischen Ausfällen, und sie hatte ihm nur einen schönen Platz zum Schlafen suchen wollen? Ach, ich versuchte mich ja doch nur zu tapsig-menschlich zu trösten. Denn tief innen wusste ich, dass das noch im Tode schöne Wesen unsere Amsel war. Sie war die Amsel Furchtlos gewesen, die im Sommer, wenn es sehr heiß war, gern unter den Gartenschlauch sprang beim Gartenwässern; sie war die Amsel Furchtlos gewesen, die unserer vorigen Katze Minka standgehalten hatte, Auge in Auge, und Minka (es muss gesagt werden, Minka war auch ein Jäger, aber sie war daneben auch eine sehr philosophische Katze, was man von Bella beim besten Willen nicht sagen kann) hatte einen Nichtangriffs-Pakt mit ihr geschlossen. Bella nicht. Bella schließt keine Pakte, es liegt nicht in ihrem Ganz-oder-Gar-Nicht-Naturwesen. Bella ist auch nicht mehr ein traumatisiertes Nervenbündel mit einem nur oberflächlich sehr dichten Fell, sondern das Vollbild einer Katze.                                                                                         

 Aphorismen

Die Katzenhaftigkeit des Aphorismus: Er schleicht sich aus dem Nichts an und hinterlässt ein Grinsen, wenn er verschwindet. 
Oder eine neue Narbe.

Man krault sich nicht gegenseitig den Bauch, weil man sich mag; man mag sich, weil man sich gegenseitig den Bauch krault.
Beweis aus der Katzenphilosophie.

Jede Katzenklappe hat zwei Seiten. 

 

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