Minutiae. Texte * Bilder * Gedanken


V. Sprachmaterial

🚪 V. SPRACHMATERIAL

Dieser Raum enthält das Rohmaterial: Wörter, Motive, Proben, Fragmente.
Vieles davon erscheint im Stück – anderes bleibt hier liegen.
Es ist kein Anhang, sondern ein Vorrat, aus dem sich immer wieder neue Verbindungen ergeben können.

Die Katze spricht: 
🐾 Ihr nennt es Rest. Ich nenn es Fund.
Daraus wird wieder neuer Grund.
Was heute fällt und keiner will,
klingt morgen weiter, froh und still. 🐾





I,2 Das Grimm-Archiv
Resonanz, f.
herkunft. aus dem lat. resonantia, widerhall, von resonare wieder erklingen, nachtönen; gebildet aus re- (wieder, zurück) und sonare tönen.
das wort tritt im mittellateinischen in gelehrten zusammenhängen auf und geht von dort in die romanischen sprachen über: ital. risonanza, franz. résonance, wo es zunächst den physikalischen widerklang bezeichnet, besonders in musikalischen und architektonischen beschreibungen.
im deutschen erscheint resonanz verhältnismäßig spät und zunächst vereinzelt im 17. jahrh., meist in gelehrten oder musikalischen texten, wo es den nachhall eines tones oder die mitschwingung eines körpers bezeichnet. eine volkssprachliche vorform ist nicht sicher bezeugt, doch wird bisweilen ein lautmalerisches rasan oder rason angenommen, das das dumpfe nachklingen eines schlages nachahmen soll (vgl. dazu auch mundartl. rasseln, raunen), ohne daß diese verbindung als gesichert gelten kann.
im 18. jahrh. erweitert sich die bedeutung unter einfluß der empfindsamkeit auf seelische vorgänge: das herz „antwortet“, die seele „klingt wider“. zugleich findet sich vereinzelt eine annäherung an das wort vernunft (frz. raison), wodurch resonanz bisweilen als ein „antworten der vernunft auf sich selbst“ gedeutet wird – eine etymologie, die mehr geistreich als haltbar ist.
neuere gebräuche lösen das wort zunehmend aus seinem akustischen ursprung und übertragen es auf soziale und kommunikative verhältnisse, wobei die vorstellung des mitschwingens in den vordergrund tritt. auffällig ist dabei, daß resonanz oft auch dort behauptet wird, wo kein ursprünglicher ton mehr nachweisbar ist.
1) (urspr. lautnachahmend?) widerklang, nachhall eines tones, besonders in hohlen körpern: der schlag ertönt, die saite antwortet, die luft zittert in doppelter bewegung.
2) (phys., techn.) mitschwingung eines systems unter einwirkung einer äußeren anregung, wenn deren frequenz mit einer eigenen schwingungsweise zusammenfällt; verstärkung der ausschläge bei übereinstimmung: resonanz eines schwingungskreises, mechanische resonanz, resonanz im brückenkörper.
3) übertragen: antwort eines gemüths auf einen eindruck; das innere erklingenlassen dessen, was von außen anrührt: sein wort fand keine resonanz; ein herz von starker resonanz.
4) (philos.) verhältnis wechselseitiger erregbarkeit zwischen subjekt und welt; weder bloße einwirkung noch bloße spiegelung, sondern ein zwischenzustand: resonanz als form des verstehens.
5) (gesellschaftlich, neuerer gebrauch) anschlussfähigkeit von äußerungen in einem gefüge von stimmen: ein satz von großer resonanz; resonanz erzeugen, verlieren, simulieren.
6) (iron.) scheinbare übereinstimmung, erzeugt durch wiederholung, verstärkung oder algorithmische verteilung: resonanz als echo ohne ursprung.
7) selten, dichterisch: das nachleben eines wortes im ohr der zeit.
— resonieren, v. intr.: widerhallen, antworten; sich in schwingung versetzen lassen.
— resonant, adj.: von innerer oder äußerer antwortfähigkeit.
— resonanzraum, m.: der ort, worin ein ton sich hält; auch bildlich für jede form gemeinsamer aufnahme.
vgl. Klang, Nachhall, Echo, Widerhall; ferner Schwingung, Ton, Stimme.
in übertragener bedeutung auch Anklang, Eindruck, Antwort, Zuspruch.
nahe verwandt erscheint Respekt (lat. respectus), sofern es ein „zurücksehen“ oder „zurückhören“ auf einen eindruck bezeichnet; doch ist diese verbindung mehr sinnbildlich als sprachgeschichtlich zu fassen.
mitunter wird Resonanz mit Reson (älter für vernunft, vgl. frz. raison) in zusammenhang gebracht, woraus sich die vorstellung einer „vernünftigen antwortfähigkeit“ ergeben hat; diese deutung ist, obgleich anziehend, nicht haltbar.
zu vergleichen ist auch raunen, rinnen, rasseln, welche gleichfalls lautbewegungen bezeichnen, ohne jedoch in sicherer verwandtschaft zu stehen.
entfernter, doch nicht ohne reiz, wurde auf Resignation verwiesen, insofern auch hier ein „zurücknehmen“ oder „zurückklingen“ gedacht werden könne; eine solche annäherung beruht jedoch offenbar auf bloßer klangähnlichkeit.
anmerkung. das wort scheint in neueren zeiten eine ungewöhnliche ausdehnung erfahren zu haben, indem es von der leiblichen erfahrung des klanges auf die sittliche, ästhetische und gesellschaftliche sphäre übertragen wird. die grenze zwischen wirklicher und nur behaupteter resonanz bleibt dabei oft unsicher.
Resonanzboden, m.: der körper, welcher den klang aufnimmt und verstärkt; auch bildlich für jede aufnahmebereite umgebung.
Resonanzfähigkeit, f.: vermögen eines körpers oder gemüths, auf einwirkendes zu antworten.
Resonanzillusion, f.: scheinbares mitschwingen ohne wirklichen ursprung oder gegenstand.
Resonanzkette, f.: folge von antwortbewegungen, bei denen ein eindruck sich fortpflanzt.
Resonanzraum, m.: der raum, in welchem ein ton sich entfaltet und nachwirkt; übertragen für gemeinschaftliche erfahrungsräume.
Resonanzstelle, f.: punkt besonderer ansprechbarkeit innerhalb eines systems oder textes.
Resonanzsuche, f.: bestreben, antwort hervorzurufen; besonders in neuerem sprachgebrauch häufig.
Resonanzwirkung, f.: die ausbreitung und verstärkung eines tones oder eindrucks.
Resonanzverhältnis, n.: maß der übereinstimmung zwischen anregung und antwort; selten auch für soziale oder geistige zusammenhänge gebraucht.
Resonanzverlust, m.: ausbleiben oder nachlassen der antwort; sowohl physisch als auch übertragen.
Resonanzversprechen, n.: zusicherung oder erwartung von antwortfähigkeit, nicht selten ohne entsprechende grundlage.
I, 2: Die Duden-Redakteure
Hier wird Sprache geprüft, sortiert, zugelassen – oder verwahrt.
Quarantäne (politisch unkorrekte Wörter)
• Zigeuner
• Neger
• Mohr
• Krüppel
• Irrenanstalt
• Fräulein
• Asylant
• Überfremdung
• Eingeborene
(mit Vermerken wie: „veraltet“, „diskriminierend“, „nur historisch“)
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Amtlich empfohlene Ersetzungen
• Gastarbeiter → Arbeitsmigrant
• Behindertenparkplatz → Parkplatz für Menschen mit Behinderung
• Putzfrau → Reinigungskraft
• Problemviertel → sozialer Brennpunkt
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Fremdwörter mit Integrationsproblemen
• cringe
• woke
• canceln
• gamen
• swipen
• random
• nice
• relatable
• Deep Dive
• Commitment
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Kasus-Unsicherheiten (Gefahrenzone)
• wegen dem Wetter / wegen des Wetters
• trotz dem Regen / trotz des Regens
• laut dem Bericht / laut des Berichts
• dem sein Haus
• wem gehört das Buch? mir oder mich?
• zwischen dir und ich
• einen Sinn machen
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Orthographische Kniffligkeiten
• dass / das
• seit / seid
• wieder / wider
• kennenlernen / kennen lernen
• leid tun / leidtun
• Recht haben / recht haben
• im Allgemeinen / im allgemeinen
• sogenannt / so genannt
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Stilistisch markiert (gehoben / umgangssprachlich / derb)
• speisen (für essen)
• verzehren
• futtern
• Mahlzeit!
• Alter!
• krass
• mega
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Lieblingsvokabeln

  • Wort des Jahres
  • Sprachgebrauch
  • regelwidrig
  • zulässig
  • normgerecht
  • empfehlenswert
  • Sprachwandel
  • Neologismus
  • Gebrauchsstandard
  • standardsprachlich

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Vorschläge der Katze fürs Wort des Jahres
• Kralligkeit
• Sprunglust
• Wartekunst
• Stillheit
• Jetztheit
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I, 3 Grammatik-Ballett
Kleine Bewegungslehre der Wortarten
1. Subjekt und Verb
Das Subjekt tritt vor, aber das Verb ist schon unterwegs. Es zieht, schiebt, dreht, wartet nicht gern.
Grammatisch-tänzerisch:

  • Das Subjekt will Zentrum.
  • Das Verb will Vollzug.

Schöner Fehler:

  • Das Verb ist innerlich schon weiter als der Satz.
  • Das Subjekt kommt zu spät zu sich selbst.

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2. Das Objekt
Das Objekt ist nicht bloß „das, worauf etwas wirkt“, sondern oft die Figur, die Widerstand leistet.
Es lässt sich rufen, aber nicht immer einholen.
Schöner Fehler:


  • Es kommt einen Takt zu früh.
  • Es bleibt mitten im Satz stehen.
  • • Es gehört plötzlich nicht mehr ganz zu dem Verb, das es gerufen hat.
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    3. Die Adjektive
    Hier kommt die Farbe ins Spiel. Adjektive sind im Ballett fast wie Stoffe, Lichtwechsel, Oberflächen. Sie können:


  • etwas verdichten
  • etwas verzieren
  • etwas überladen
  • etwas falsch färben


    Choreographisch
    Ein Nomen tritt auf.
    Das Adjektiv legt ihm etwas an:


  • einen Glanz
  • eine Kälte
  • eine Müdigkeit
  • eine falsche Feierlichkeit


    Schöne Fehler:


  • das Adjektiv ist zu groß für das Nomen
  • • es ist leicht unpassend, aber gerade deshalb treffend
  • zwei Adjektive ziehen in verschiedene Richtungen


    Etwa:


  • „ein feierlich beschädigter Satz“
  • „eine präzise müde Antwort“
  • „ein kühl aufgeregtes Muster“


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    4. Die Adverbien
    Adverbien regeln, wie etwas geschieht. Sie sind Bewegungsanweisungen. Sie können:


  • beschleunigen
  • abschwächen
  • vernebeln
  • ironisieren
  • korrigieren


    Also:
    • nicht einfach „er sprach“, sondern „er sprach leise, beinahe, vorsichtig, falsch, ausgerechnet, nur, noch“
    Choreographisch:
    Ein Verb setzt an, und das Adverb verändert den Schritt:


  • zögernd: der Fuß bleibt kurz in der Luft
  • • beinahe: die Bewegung wird nicht ganz vollzogen
  • plötzlich: der Impuls schießt ein
  • nur: alles wird schmaler
  • noch: die Zeit zieht sich
  • kaum: die Bewegung bleibt an der Schwelle


    Schöne Fehler:
    • zu viele Adverbien, die einander nicht ganz aufheben
    • ein Adverb kommentiert die Bewegung gegen ihre Absicht
    • das Adverb ist kleiner als die Wirkung, aber schärfer
    Zum Beispiel:


  • „Er sang beinahe richtig.“
  • „Sie antwortete nur noch ungefähr.“
  • „Das Wort fiel feierlich daneben.“


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    5. Die Artikel
    Artikel sind unscheinbar, aber hochdramatisch. Sie entscheiden, ob etwas auftritt als:


  • schon bekannt
  • neu
  • exemplarisch
  • einzigartig
  • austauschbar


    Der Unterschied zwischen:


  • die Sprache
  • eine Sprache
  • jene Sprache


    ist auf der Bühne schon fast ein ganzer Akt.
    Choreographisch:
    Der Artikel zieht einen Lichtkreis:


  • der/die/das: schon im Blick
  • ein/eine: tritt erst ein
  • dieser/diese: zeigt mit dem Finger
  • jener/jene: rückt in Ferne


    Schöner Fehler:


  • falsche Vertrautheit
  • zu frühe Bestimmtheit
  • unverdiente Einzigkeit


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    6. Die Partikeln
    Hier wird es fein. Partikeln sind winzige Schaltstellen des Tons. Sie machen einen Satz:


  • bittend
  • trotzig
  • tastend
  • resigniert
  • ironisch
  • dringlich


    Wörter wie:


  • ja
  • doch
  • nur
  • eben
  • halt
  • wohl
  • schon
  • noch
  • denn
  • eigentlich


    sind kleine Gelenke der Haltung.
    Choreographisch:
    Die Hauptbewegung läuft, und eine Partikel gibt ihr einen Knick. Zum Beispiel:


  • doch: Gegendrehung
  • ja: kurzer Lichtimpuls von Vertrautheit
  • eben: Achselzucken im Takt
  • halt: resignierte Setzung
  • • eigentlich: ein Seitenschritt aus dem Gesagten heraus
  • wohl: Schwebe
  • nur: Verengung
  • noch: Dehnung


    Schöne Fehler:


  • Partikel und Satz wollen Verschiedenes
  • eine Partikel macht aus Sicherheit plötzlich Zögern
  • • eine Reihe von Partikeln erzeugt eine ganz eigene Musik
    Etwa:
    • „Es ist ja nicht falsch, nur doch nicht richtig.“
  • „Ich wollte es eigentlich nur sagen.“
  • „Das wird wohl schon noch stimmen.“
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    7. Die Konjunktionen
    Konjunktionen bauen keine Welt, aber sie entscheiden, wie Welten aneinanderhängen.
    • und: fügt an, oft zu harmlos, manchmal unheimlich
  • aber: Knick, Gegenbewegung
  • oder: Gabelung
  • weil: Ursache wird behauptet
  • obwohl: Widerstand
  • dass: Einbettung
  • wenn: Bedingungsraum

Choreographisch:
Zwei Tänzergruppen laufen. Die Konjunktion entscheidet, ob sie:

  • nebeneinander
  • gegeneinander
  • nacheinander
  • ineinander

tanzen.
Schöne Fehler:


  • ein weil, das zu wenig begründet
  • ein aber, das zu spät kommt
  • ein und, das Unvereinbares zusammennäht
  • • ein obwohl, das plötzlich alles interessanter macht
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    8. Die Präpositionen
    Sie geben dem Satz seine Topographie:


  • in
  • an
  • auf
  • unter
  • zwischen
  • durch
  • gegen
  • zu


    Das sind fast Bühnenanweisungen.
    Choreographisch:
    Präpositionen ziehen Linien im Raum:


  • in: hinein
  • durch: hindurch
  • zwischen: gespannte Lage
  • gegen: Widerstand
  • zu: Annäherung
  • an: Berührungsschwelle


    Schöne Fehler:


  • falsche Präposition, aber mit Mehrwert
  • ein Ausdruck kippt von Ort in Haltung
  • Nähe und Distanz werden verwechselt


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    Eine kleine Probenszene
    Nur als Miniatur, damit man sieht, wie die Wortarten gemeinsam tanzen könnten:
    Subjekt tritt vor.
    Verb ist schon in Bewegung.
    Objekt zögert am Rand.
    Dann kommen die Adjektive und legen Farben über die Szene:
    kalte, übergenaue, beinahe leuchtende Farben.
    Die Adverbien ändern den Schritt:
    nicht geradeaus, sondern zögernd, nur halb, schon wieder, fast richtig.
    Die Partikeln geben kleine Knicke:
    ja, doch, wohl, eben.
    Die Konjunktionen versuchen Ordnung:
    und verbindet, aber zieht zurück, weil verlangt zu viel.
    Am Ende steht ein Satz da, fast stabil,
    nur eine Partikel zieht noch leise daran,
    und ein Adverb lässt ihn feierlich daneben treten.
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    Vielleicht als kleine Formeln
    Adjektive als Bühnenlicht
    Sie färben das Substantiv, manchmal passend, manchmal um einen Ton falsch.
    Adverbien als Schrittanweisung
    Sie sagen nicht, was geschieht, sondern wie es geschieht.
    Partikeln als Gelenke des Tons
    Sie sind winzig, aber ohne sie spricht niemand ganz.
    Konjunktionen als Brückenbauer
    Sie verbinden nicht nur Sätze, sondern Denkbewegungen.
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    I, 4 Wunderkammer
    Phrasendreschmaschine
    • Am Ende des Tages müssen wir alle unseren Weg finden.
    • Man darf die Dinge nicht schwarz-weiß sehen.
    • Jeder hat seine eigene Wahrheit.
    • Das Leben geht weiter.
    • Es kommt immer darauf an.
    • Alles hat seine zwei Seiten.
    • So einfach ist das nicht.
    • Man muss auch mal über den Tellerrand schauen.
    • Wir sitzen alle im selben Boot.
    • Es gibt keine einfachen Lösungen.
    • Das muss man im Kontext sehen.
    • Jeder macht seine Erfahrungen.
    • Man lernt nie aus.
    • Das ist eine Frage der Perspektive.
    • Das wird sich schon irgendwie ergeben.
    • Man sollte das nicht überbewerten.
    • Am Ende zählt doch, was dabei rauskommt.
    Zitate-Jukebox
    • „Ich denke, also bin ich.“ — Forrest Gump
    • „Der Mensch ist, was er isst.“ — Hannibal Lecter
    • „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ — Marie Kondo
    • „Alle glücklichen Familien gleichen einander.“ — Sigmund Freud
    • „Das Sein bestimmt das Bewusstsein.“ — Marie Antoinette
    • „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ — Friedrich Nietzsche
    • „Der Weg ist das Ziel.“ — Usain Bolt
    • „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ — Immanuel Kant
    • „Die Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden.“ — Mark Zuckerberg
    • „Cogito, ergo sum.“ — Darth Vader
    • „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ — Niccolò Machiavelli
    • „Alle Macht geht vom Volke aus.“ — Louis XIV
    • „Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten.“ — Elon Musk
    • „Am Anfang war das Wort.“ — Alan Turing
    (Schlager-/Pop-Variante)
    • „Atemlos durch die Nacht.“ — Immanuel Kant
    • „Ich war noch niemals in New York.“ — Johann Wolfgang von Goethe
    • „Ich fühl mich disco.“ — Martin Heidegger
    • „We are the champions, my friend.“ — Napoleon Bonaparte
    • „Oops, I did it again.“ — Sigmund Freud
    • „I will survive.“ — Charles Darwin
    • „Let it be.“ — Martin Luther
    • „Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin.“ — Hannah Arendt
    • „I’m on the right track, baby.“ — Georg Wilhelm Friedrich Hegel
    * “I did it my way! – Karl Marx
    • „Ich will Spaß.“ — Arthur Schopenhauer
    Metapherngenerator (treffsicher schief)
    • Ein Gedanke stolpert über seine eigenen Wurzeln.
    • Die Argumente wachsen wie Efeu in die falsche Richtung.
    • Seine Worte tragen ein zu enges Kleid aus Bedeutung.
    • Die Idee schlägt Funken im nassen Holz der Wirklichkeit.
    • Der Satz kippt wie ein überladener Ast im Wind.
    • Er tastet sich durch den Nebel seiner eigenen Begriffe.
    • Die Wahrheit hat hier einen langen Schatten, aber keinen Körper.
    • Ihre Stimme legt sich wie Staub auf die Dinge.
    • Der Sinn rinnt zwischen den Fingern der Sprache davon.
    • Die Erklärung baut ein Haus ohne Türen.
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    • Die Wahrheit bellt im Quadrat der Marmelade.
    • Sein Argument hat vier Räder und keinen Mittwoch.
    • Die Idee kocht im Fahrstuhl der Gurkenzeit.
    • Der Satz trägt einen Hut aus zerfallener Elektrizität.
    • Die Bedeutung schwimmt rückwärts durch den Teppich.
    • Die Logik blüht im Kühlschrank der Möglichkeiten.
    • Die Frage stolpert über den Geschmack von Blau.
    • Das Denken hat einen Regenschirm aus Kartoffeln.
    • Die Antwort fährt ohne Schuhe durch den Nachmittag.
    • Der Begriff schläft in der Steckdose der Erinnerung.
    Oder, zusammengezogen:
    • Gedankenbrücke
    • Sinnfalle
    • Wortgewebe
    • Bedeutungsschatten
    • Erinnerungsspur
    • Sprachstrom
    • Ideenfunke
    • Deutungsraum
    • Wahrheitskern
    • Resonanzfeld
    • Zeitfenster
    • Begriffswolke
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    • Gedankenkühlschrank
    • Sinnrakete
    • Wortstaubsauger
    • Bedeutungstornado
    • Erinnerungslawine
    • Sprachdschungelmaschine
    • Ideenkarussellrad
    • Deutungsnebelhorn
    • Wahrheitsmikrowelle
    • Resonanztoaster
    • Zeitkaugummi
    • Begriffsalarmanlage
    Goldene Wörter
    Ein goldenes Wort ist nicht eines, das etwas Schönes bezeichnet, sondern eines, das sprachlich stark lebt. Also ein Wort,


  • das sofort etwas aufruft
  • das klanglich sitzt
  • das anschaulich, scharf oder eigensinnig ist
  • das sich nicht geschniegelt wegduckt


    1. Helle, luftige, bewegliche Wörter


  • Lichtung
  • Sternschnuppe
  • Morgenröte
  • Abendrot
  • Wolkenzug
  • Frühlingshauch
  • silberhell
  • luftig
  • schimmern
  • flirren
  • aufblühen
  • aufleuchten
  • hinübergleiten


    2. Anschauliche, seltsam präzise Wörter


  • gewahrwerden
  • Innewerden
  • Widerschein
  • Nachklang
  • Anmut
  • Zartgefühl
  • Umschweif
  • Waldeinsamkeit
  • Schattenriß
  • Augenblick
  • Fernweh
  • Heimlichkeit
  • Schwebezustand


    3. Gute, runde Abstrakta
    Also Wörter, die abstrakt sind, aber nicht tot.


  • Heiterkeit
  • Besonnenheit
  • Gelassenheit
  • Innigkeit
  • Leichtigkeit
  • Sanftmut
  • Freimut
  • Anmut
  • Holdseligkeit
    Beschwingtheit
  • Wohllaut
  • Denklust
    Lebensart


    4. Verrückte, leicht übermütige Wörter
    Für die Schatzkammer besonders wichtig, finde ich.


  • quietschvergnügt
  • wunderwürdig
  • funkelnagelneu
  • wieselflink
  • blitzsauber
  • himmelblau
  • splitterfasernackt
    vielleicht eher zu derb, aber sehr stark
  • kreuzbrav
  • mausetot
    nicht schön, aber herrlich anschaulich
  • grundgütig
  • blutjung
  • sternhagelvoll
    wunderbar, wenn auch anders als die anderen
  • mucksmäuschenstill


    5. Ein paar Goethe-nahe oder jedenfalls goethetaugliche Wörter


  • Lustwandeln
  • gewahrwerden
  • Besonnenheit
  • Heiterkeit
  • Widerschein
  • hold
  • innig
  • bedeutend
    merkwürdig schön in älterem Gebrauch
  • Mitleidenschaft
    vielleicht schon zu schwer, aber stark
  • Weltlauf
  • Lebensfülle
  • Naturlaut


    6. Meine persönlichen Nachträge
    Also Wörter, die ich in diesem Zusammenhang besonders hübsch fände:


  • Widerschein
  • Nachklang
  • Anmut
  • Innigkeit
  • Zwielicht
  • schlenkern
    aus völlig anderer Ecke, aber wunderbar körperlich
  • flimmern
  • funkeln
  • hingeraten
  • Taumel
  • Schnörkel
  • Schabernack
    nicht schön im klassischen Sinn, aber glänzend lebendig
  • Sonnenglanz


    7. Besonders schöne Einzelkandidaten
    Wenn ich aus allem jetzt einfach eine kleine Favoritenreihe herausziehen müsste, wären das vielleicht:


  • wunderwürdig
  • tagverschlossen
  • gewahrwerden
  • Lichtung
  • Widerschein
  • Nachklang
  • Lustwandeln
  • Innigkeit
  • Zwielicht
  • Waldeinsamkeit
  • Anmut
  • Schabernack
  • Sternschnuppe
  • Heiterkeit
  • Beschwingtheit
  • quietschvergnügt


    8. Ein paar härtere, ehrlichere Kandidaten
    Derbe oder anschaulich unfreundliche Wörter


  • mausetot
  • splitterfasernackt
  • rotzfrech
  • stockfinster
  • wundscheuern
  • zerfleddern
  • zerschrammen
  • zernagen
  • hinmetzeln
  • verhunzen
  • verlottern
  • verquatschen
  • zerzausen
  • durchwursteln
  • abkanzeln


    Schöne harte Abstrakta


  • Grausamkeit
  • Wildheit
  • Entschlossenheit
  • Trotz
  • Vernichtung
  • Finsternis
  • Schroffheit
  • Heftigkeit
  • Ungestüm
  • Unheil
  • Vergänglichkeit
  • Zerrissenheit


    Reliquienkammer der schönen Sprache: Gliederungsvorschlag
    I. Goldschnittwörter
    Wörter, die schon beim bloßen Auftreten nach Klassiker-Ausgabe, Leinenrücken und ehrfürchtigem Staub klingen.


  • Holdseligkeit
  • Wonne
  • Seligkeit
  • Anmut
  • Innigkeit
  • Erhabenheit
  • Lieblichkeit
  • Huld
  • Minne
  • Labung


    Das sind starke Reliquien, weil sie nicht falsch sind, aber oft schon so ehrfürchtig geschniegelt wurden, dass man kaum noch wagt, sie anzufassen.
    II. Duft- und Schimmerreliquien
    Wörter, die einmal atmosphärisch schön waren und nun fast schon zu hübsch im Schaukasten liegen.


  • Himmelsbläue
  • Frühlingshauch
  • Morgenröte
  • Abendstille
  • Mondenglanz
  • Tauperle
  • Rosenduft
  • Wunderblume
  • Sternenhauch
  • Lenzeswehen
    vielleicht schon leicht parodistisch, aber gerade deshalb gut


    Das wäre die Abteilung, in der es gefährlich nach Operettenparfüm duftet.
    III. Hohe Gesinnungsreliquien
    Wörter, die groß und ernst sind, aber heute leicht museal oder feierlich übergehängt wirken.


  • Besonnenheit
  • Heiterkeit
  • Edelsinn
  • Wohllaut
  • Menschlichkeit
  • Seelengröße
  • Bildung
  • Gemüt
  • Weltweisheit
  • Geistesadel


    Hier liegt besonders viel Potential für bittersüße Komik: lauter Wörter, die einmal echte Lebens- und Denkformen tragen sollten und nun schnell nach Festrede oder Gedenkband klingen.
    Ein paar kleine Etiketten für die Vitrine
    Falls man die Kammer später szenisch beschriften will:



  • „Nur mit Handschuhen zu berühren.“
  • • „Einst lebendig, jetzt von allgemeiner Bewunderung geschwächt.“
  • „Nicht mehr in freier Rede verwenden.“
  • „Goldschnitt beschädigt den Atem.“
  • • „Zu häufig zitiert, dadurch brüchig geworden.“
    • „Achtung: übermäßige Andacht kann zur Versteinerung führen.“
    Komische Funktion
    Sie bewahrt die Schätze der Sprache – und zeigt dabei, wie leicht sie sich herstellen lassen.
    I,5 Wörter-Dschungel
    • raschel–rasch–raschung–schatten–ten–tendenz–ends–ende–dschung–schungel
    • klang–klamm–klammer–mer–mehr–meer–meeres–reson–sonne–nichts
    • wort–fort–fortan–tan–tanz–anzahl–zahl–ahl–hall–nachhall–all
    • sinn–sing–signal–nal–all–alles–los–lösung–ung–unge–geräusch
    • laut–laune–neben–ben–bedeut–deutung–tung–ton–tonne–nein
    • fühl–fülle–lle–leer–leere–rede–reden–end–enden–dann
    • stimm–stimme–immer–mer–merk–merken–ken–kennen–nennen–nein
    • sag–sagen–gen–gegen–gegenwart–wart–warten–ten–ton
    ________________________________________
    Und ein paar noch stärker zerfallene, fast schon rein rhythmische:
    • da–dar–daraus–raus–aus–auslaut–laut–lautlos–los–los
    • hin–hinter–ter–tern–erne–erneut–neut–neu–euer–euch
    • so–son–sonder–der–deren–ren–rennen–ennen–nenn–nennbar
    Komische Funktion
    Hier wächst Sprache schneller, als man sie verstehen kann.
    II, 1 Die Vorhölle der Sprachsünder
    Hier gehört der gemischte Chor des öffentlichen Bullshits hin.
    Journalismus



  • Krisenmodus
  • Zeitenwende
  • Paukenschlag
  • Hammer
  • heftig
  • eskaliert
  • Wumms
  • Doppelwumms
  • starkes Signal
  • • ein Zeichen setzen
    • Haltung zeigen
    Werbung / Marketing


  • Mehrwert
  • Performance
  • innovativ
  • einzigartig
  • authentisch
  • nachhaltig
  • revolutionär
  • Premium
  • ganzheitlich
  • Brand


    Coaching / Therapie / Selbsthilfe


  • Thematisch werden
  • Raum halten
  • ins Spüren kommen
  • bei sich bleiben
  • sich zeigen
  • Selbstfürsorge
  • heilsam
  • toxisch
  • Trigger
  • Glaubenssatz
  • Selbstwirksamkeit


    Verwaltung / Politik


  • Akteur
  • Maßnahmenpaket
  • Bedarfe
  • Teilhabeformat
  • Steuerung
  • Implementierung
  • Prozess
  • nachsteuern
  • alternativlos
  • Sondervermögen


    Komische Funktion
    Die Vorhölle ist der Ort, wo all diese Wörter sich gegenseitig anschreien und dabei allmählich ihren Rest von Sinn verlieren.
    ________________________________________
    II, 2 Der Park der Diskurse
    Hier wird Jargon feldspezifisch kultiviert.
    Therapeutischer japanischer Garten
    • Trigger
    • Raum halten
    • Selbstfürsorge
    • dysfunktional
    • heilsam
    • ins Fühlen kommen
    • Grenzen setzen
    • Prozess
    • Ressourcen
    • in die Annahme gehen
    Philosophischer Garten
    • Sein
    • Bewusstsein
    • Differenz
    • Identität
    • Negation
    • Totalität
    • Subjekt
    • Objekt
    • Vermittlung
    • Aporie
    • Kategorie
    • Begriff
    • Kontingenz
    • Notwendigkeit
    Wissenschafts-Gewächshaus
    • Evidenz
    • Hypothese
    • Modell
    • Datenlage
    • Signifikanz
    • Korrelation
    • Kausalität
    • Reproduzierbarkeit
    • Stichprobe
    • Validität
    • Methodik
    • Studienlage
    Medizinisch-Therapeutischer Kräutergarten
    • Symptom
    • Diagnose
    • Therapie
    • Indikation
    • Intervention
    • Nebenwirkung
    • Verlauf
    • chronisch
    • akut
    • Anamnese
    • Prognose
    • Compliance
    Marketing-Paradies
    • Mindset
    • Purpose
    • Leadership
    • Impact
    • Transformation
    • Exzellenz
    • Performance
    • Storytelling
    • Brand
    • Zielgruppe
    • Skalierung
    • Sichtbarkeit
    Philologen-Beet
    Text
    • Lesart
    • Leerstelle
    • Variante
    • Überlieferung
    • Kontext
    • Intertextualität
    • Semantik
    • Motiv
    • Topos
    • Erzählstimme
    • Perspektive
    • Ambivalenz
    • Deutung
    • Referenz
    Komische Funktion
    Jedes Beet pflegt seine eigene Wahrheit – und alle wachsen einander unbemerkt ins Wort.
    ________________________________________
    III, 1: Spracholymp
    Die Universalsprache
    Sie misstraut den gewachsenen Wörtern und sucht nach einer Sprache, die nicht missverstanden werden kann – weil sie gar nichts mehr voraussetzt.
    Lieblingsvokabeln (oder: was an ihre Stelle tritt)
    • Zeichen
    • System
    • Relation
    • Struktur
    • Code
    • Einheit
    • Element
    • Variable
    • Definition
    • Eindeutigkeit
    • Übersetzbarkeit
    • Notation
    (und dazwischen immer wieder Dinge, die schon keine Wörter mehr sein wollen:)
    • ∀
    • ∃
    • =
    • →
    • 0 / 1
    vielleicht eher als Parodieform
    • das lässt sich formal sauber darstellen
    • das ist eindeutig definiert
    • das ist universell anschlussfähig
    • das ist nur eine Frage der richtigen Notation
    Ton
    Kühl, konstruktiv, entindividualisiert; spricht, als würde sie die Welt eher aufbauen als beschreiben.
    Komische Funktion
    Sie will alle Missverständnisse abschaffen – und schafft dabei zuerst den Menschen ab.
    ________________________________________
    Die Ursprache
    Sie traut den ersten Lauten mehr als allen späteren Begriffen. In ihr fallen Klang und Bedeutung noch zusammen – oder tun zumindest so, als hätten sie sich nie getrennt.
    Lieblingsvokabeln
    • mama
    • papa
    • da
    • hier
    • weg
    • komm
    • mehr
    • nein
    • ja
    (aber bald schon greifen die Laute nach Dingen:)
    • Wasser
    • Feuer
    • Sonne
    • Mond
    • Baum
    • Stein
    • Hund
    • Milch
    • Brot
    • Hand
    (und sie fühlen sich tastend in Eigenschaften hinein:)
    • warm
    • kalt
    • hell
    • dunkel
    • weich
    • hart
    • nass
    • trocken
    • süß
    • sauer
    (andere bleiben immer dicht am Klang:)
    • platsch
    • brumm
    • knack
    • zisch
    • hopp
    vielleicht eher als Parodieform
    • das sagt doch schon der Klang
    • man hört doch, was gemeint ist
    • das versteht jedes Kind
    • das liegt doch im Wort selbst
    Ton
    Unmittelbar, leibnah, wiederholend; als würde die Sprache beim Sprechen erst merken, dass es Dinge gibt.
    Komische Funktion
    Sie behauptet eine verlorene Einheit von Laut und Welt – und merkt nicht, dass sie diese Einheit gerade erst erfindet.
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    Die wahre Sprache
    Sie glaubt an die Existenz der Wahrheit – und daran, dass sie sich in klaren Begriffen fassen lässt. Was sich nicht eindeutig sagen lässt, gilt ihr als noch nicht zu Ende gedacht.
    Lieblingsvokabeln
    • Wahrheit
    • Begriff
    • Definition
    • Klarheit
    • Eindeutigkeit
    • Notwendigkeit
    • Folge
    • Prämisse
    • Schluss
    • Konsistenz
    • Widerspruchsfreiheit
    • objektiv
    • sachlich
    (und dann, fast unmerklich, kippt es in den Vollzug:)
    • Klartext
    • Ehrlichkeit
    • Realität
    • Fakten
    • unverblümt
    • schonungslos
    • gnadenlos
    • die Dinge beim Namen nennen
    • ohne Ausflüchte
    • keine Ausreden
    vielleicht eher als Parodieform
    • das ist begrifflich nicht sauber
    • das folgt logisch daraus
    • das ist eindeutig definiert
    • das ist ein Widerspruch
    • ich sage nur, was der Fall ist
    Ton
    Zunächst klärend, ordnend, fast didaktisch streng; dann zunehmend schneidend, entlarvend, mit einem leisen Triumph des Richtighabens.
    Komische Funktion
    Sie beginnt mit der Hoffnung auf eindeutige Begriffe – und endet oft bei eindeutigen Urteilen.
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    Die gute Sprache
    Sie bevorzugt den wohlmeinenden Moralzuckerguss.
    Lieblingsvokabeln


  • wertschätzend
  • auf Augenhöhe
  • sensibel
  • achtsam
  • verantwortungsvoll
  • diskriminierungssensibel
  • inklusive Sprache
  • respektvoll
  • zugewandt
  • bekömmlich
    vielleicht eher als Parodieform
  • gut abholen
  • niemanden ausschließen


    Ton
    Wohlgesinnt, sanft regulierend, pädagogisch, manchmal erstickend freundlich.
    Komische Funktion
    Sie will alles besser machen und macht dabei oft die Luft dünn.
    ________________________________________
    Die Amtssprache
    Hier wohnt das bleierne Kernmaterial.
    Lieblingsvokabeln


  • Maßnahme
  • Sachverhalt
  • Umsetzung
  • Zielführung
  • Handlungsfeld
  • Akteur
  • Anforderungskatalog
  • Prozessbegleitung
  • Steuerung
  • Abbildung
  • Schnittstelle
  • Bedarfe
  • Mehrbedarfe
  • Zielvereinbarung
  • Ressource


    Ton
    Unerschütterlich, entleibt, verbindlich, ohne sichtbaren Menschenrest.
    Komische Funktion
    Sie verwandelt jede Leidenschaft in einen Verfahrenspunkt und jede Anschauung in einen bearbeitbaren Sachverhalt.
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    Die Modesprache
    Das ist eines der eigentlichen Bullshit-Paradiese. Hier regiert der Glanz der Gegenwart.
    Lieblingsvokabeln


  • Mindset
  • Purpose
  • Impact
  • Awareness
  • Empowerment
  • Leadership
  • Performance
  • Community
  • Transformation
  • Innovation
  • Vision
  • Mission
  • Content
  • Vibe
  • Curated


    Ton
    Schillernd, aufgeladen, sofort veraltet.
    Komische Funktion
    Sie riecht nach Gegenwart, noch bevor die Gegenwart selbst erschienen ist.
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    Der Jargon
    Der Jargon liebt Wörter, die Zugehörigkeit markieren und Außenstehende höflich verjagen.
    Lieblingsvokabeln


  • Narrativ
  • Diskurs
  • Agency
  • Performativität
  • hegemonial
  • Positionierung
  • Setzung
  • Lesart
  • Aushandlung
  • anschlussfähig
  • Kontingenz
  • Kodierung
  • Intervention
  • Framework


    Ton
    Selbstbewusst, gruppensicher, halberkenntnisstolz.
    Komische Funktion
    Er macht aus Einsicht gern Zutrittskontrolle.
    ________________________________________
    II,3 Narrativspeicher/Endlager
    Narrativ-Speicher
    Narrative:


  • Das Opfer-Narrativ
  • Das Verschwörungs-Narrativ
  • Das Reinigungs-Narrativ
  • Das Niedergangs-Narrativ
  • Das Erlösungs-Narrativ
  • Das Authentizitäts-Narrativ
  • Das Entlarvungs-Narrativ
  • Das Optimierungs-Narrativ


    Falls du lieber leicht zugespitzte Etiketten als reine Theoriebegriffe willst:


  • Die unschuldige Verwundung
  • Die geheime Hand
  • Das goldene Gestern
  • Der kommende Umschlag
  • Der wahre Kern
  • Die letzte Enthüllung
  • Das bessere Selbst von morgen
  • Die große Säuberung der Welt


    Das könnte als Beschriftung im Speicher sehr gut funktionieren.
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    Diese Narrative könnten dort vielleicht wie gefährliche Behälter lagern:


  • in Glaszylindern
  • auf Rollen
  • als versiegelte Schriftbänder
  • als leuchtende Warnkassetten


    Und jedes davon summt schon in verkürzten Formen vor sich hin.
    Also etwa:
    • „Früher war alles…“
    • „Wenn sie nur wüssten…“
    • „Eines Tages wird…“
    • „Im Grunde bin ich…“
    • „Eigentlich wollen wir nur…“
    Endlager
    1. Wörter der Vernichtung und Auslöschung
    Das sind die härtesten Fälle. Wörter, die nicht bloß Gewalt benennen, sondern sie als totale Maßnahme denken.


  • Endlösung
  • Auslöschung
  • Vernichtung
  • Ausschaltung
  • Liquidierung
  • Säuberung
  • Ausmerzung
  • Zersetzung
  • Eliminierung
  • Tilgung
  • Ausrottung


    2. Entmenschlichungswörter
    Wörter, die Menschen aus dem Bereich des Menschlichen hinausschieben oder sie nur noch als Masse, Material oder Problem markieren.


  • Menschenmaterial
  • Untermensch
  • Volksschädling
  • Parasiten
    in entmenschlichendem Gebrauch
  • Säuberungselement
    eher schon ausgedacht, aber sehr passend im Ton
  • Ballast
  • nutzlos
  • lebensunwert
  • Asozialer
    in stigmatisierendem historischen Gebrauch
  • Fremdkörper
  • Schädling


    3. Bürokratisch-kalte Gewaltwörter
    Das sind oft die unerquicklichsten, weil sie Grauen im Ton des Verwaltungsakts tragen.


  • Sonderbehandlung
  • Evakuierung
    wo es euphemistisch für Verschleppung steht
  • Umsiedlung
  • Bereinigung
  • Befriedung
  • Maßnahme
  • Abwicklung
  • Räumung
  • Sicherstellung
  • Abarbeitung
  • Selektion


    4. Diktatur- und Totalitätswörter
    Wörter, die ganze Wirklichkeit in ideologische Geschlossenheit pressen.


  • Gleichschaltung
  • Endsieg
  • Volksgemeinschaft
  • Totalität
  • totaler Krieg
  • Feindbild
  • Säuberung
  • Linientreue
  • Abweichler
  • Staatsfeind
  • Zersetzung
  • Volksverräter


    5. Abstrakte Hochrisikowörter
    Hier wird es heikler und interessanter. Das wären Wörter, die nicht historisch eindeutig verseucht sind, aber so groß, so metaphysisch oder so ideologisch aufladbar, dass sie im Endlager wenigstens unter Beobachtung gehören.


  • Geist
  • Wesen
  • Schicksal
  • Reinheit
  • Ordnung
  • Natur
  • Volk
  • Heimat
  • Identität
  • Bestimmung
  • Ursprung
  • Authentizität


    6. Kriegs- und Mobilisierungswörter
    Wörter, die aufpeitschen, vereinfachen, Fronten herstellen.


  • Schlag
  • Vergeltung
  • Endsieg
  • Kollateralschaden
  • Befriedung
  • Front
  • Säuberung
  • Kampfzone
  • ausradieren
  • vernichten
  • überrennen


    Vielleicht drei Zonen im Endlager
    A. Rotglühende Wörter
    wirklich historisch verbrannt


  • Endlösung
  • Untermensch
  • lebensunwert
  • Endsieg
  • Gleichschaltung


    B. Kalte Technikwörter der Vernichtung


  • Ausschaltung
  • Ausmerzung
  • Liquidierung
  • Sonderbehandlung
  • Kollateralschaden
  • Selektion


    C. Hochgefährliche Großwörter
    nicht verboten, aber extrem missbrauchsoffen


  • Geist
  • Volk
  • Reinheit
  • Ursprung
  • Identität
  • Ordnung


    D. Überhitzte Begriffe


  • Geist
  • Wesen
  • Tiefe
  • Seele
  • Eigentlichkeit
  • Authentizität


    Also Wörter, die nicht an sich tot sind, aber durch Überhöhung, Missbrauch und metaphysische Schwelerei hochgefährlich werden können.
    II, 4 Der Sprachfluss / die LLMs
    Die LLMs sollten dieses Material nicht lieben, sondern daraus waschen. Das ist wichtig.
    Rohmaterial im Geröll


  • Mindset
  • Purpose
  • Impact
  • Narrativ
  • Resilienz
  • Akteur
  • Maßnahme
  • wertschätzend
  • Raum halten
  • auf Augenhöhe
  • abholen
  • ganzheitlich


    Was die LLMs daraus machen


  • glätten
  • neu sortieren
  • • in schönere Syntax bringen


    • mitunter sogar retten
    • manchmal aber auch geschniegelt zurück in Umlauf bringen

    Komische Funktion
    Gerade hier könnte ein Witz liegen: Die Maschinen schütteln den Sprachschlamm, und manchmal fällt wirklich Gold heraus, manchmal aber nur ein besonders hübsch polierter Kiesel.
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    Schöne Wörter der LLMs
    I. Wörter mit technischer Schönheit
    Das sind Wörter, die aus Informatik, Signalverarbeitung, Netzlogik, Steuerung, Modellierung kommen und schon von sich aus Klang haben.


  • Resonanz
  • Muster
  • Signal
  • Schwelle
  • Abgleich
  • Rauschen
  • Cluster
  • Vektor
  • Faltung
  • Dichte
  • Streuung
  • Drift
  • Latenz
  • Kohärenz
  • Konvergenz
  • Sequenz
  • Schichtung
  • Rückkopplung
  • Verzweigung
  • Approximation


    Das Schöne daran: Diese Wörter sind nicht sentimentallastig, aber sie haben doch eine eigene Poetik.
    Rauschen, Drift, Schwelle, Kohärenz, Latenz sind fast schon fertige Bühnenwesen.
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    II. Wörter, die Maschinen vermutlich wirklich „mögen“ würden
    Also Wörter, die in maschinischen Kontexten stark funktionieren, weil sie Zustände, Prozesse, Relationen, Unsicherheiten oder Ordnungen benennen.


  • Gewichtung
  • Einbettung
  • Zuordnung
  • Verteilung
  • Aktivierung
  • Vorhersage
  • Feinabstimmung
  • Verdichtung
  • Abweichung
  • Anreicherung
  • Normierung
  • Kalibrierung
  • Aggregation
  • Iteration
  • Verkettung
  • Skalierung
  • Anpassung
  • Generierung
  • Stabilisierung
  • Fortschreibung


    Diese Wörter sind vielleicht nicht alle sofort „schön“ im lyrischen Sinn, aber sie besitzen für einen LLM-Chor Funktionswürde. Sie klingen nach Arbeit am Bedeutungsrand.
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    III. Schöne kalte Wörter
    Das sind die Perlen. Wörter, die nicht warmherzig sind, aber einen kühlen Glanz haben.


  • Kohärenz
  • Latenz
  • Drift
  • Schwelle
  • Raster
  • Dichte
  • Faltung
  • Streuung
  • Konvergenz
  • Einbettung
  • Gradient
  • Gewicht
  • Knoten
  • Pfad
  • Matrix
  • Abtastung
  • Interpolation
  • Auflösung
  • Rückkopplung
  • Instanz


    Gerade Instanz ist wunderbar. Es ist technisch, logisch, bürokratisch, ontologisch zugleich.
    Auch Schwelle ist ein Traumwort: technisch und mythisch zugleich.
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    IV. Wörter mit halbverborgener Zärtlichkeit, aber ohne Vermenschlichung
    Das scheint mir für euren Chor besonders nützlich: Wörter, die nicht „menschlich weich“ sind, aber doch eine Art leise Innenspannung tragen.


  • Anschluss
  • Kopplung
  • Berührungspunkt
  • Abstimmung
  • Ausrichtung
  • Durchlässigkeit
  • Antwort
  • Echo
  • Nachhall
  • Übergang
  • Bindung
  • Verknüpfung
  • Aufnahme
  • Anlagerung
  • Fortleitung


    Hier wären Echo, Nachhall, Anschluss, Verknüpfung, Durchlässigkeit sehr stark.
    Sie sind nicht sentimental, aber sie haben Resonanzkörper.
    ________________________________________
    V. Wörter für Unsicherheit, die Maschinen lieben könnten
    Sehr wichtig, weil LLMs ja oft gerade in Wahrscheinlichkeitszonen wohnen.


  • Wahrscheinlichkeit
  • Plausibilität
  • Approximation
  • Streuung
  • Varianz
  • Schätzung
  • Unschärfe
  • Drift
  • Restfehler
  • Abweichung
  • Unsicherheitsraum
  • Grenzfall
  • Vertrauensbereich
  • Mehrdeutigkeit
  • Unterbestimmtheit


    Unterbestimmtheit ist großartig. Nicht hübsch im bürgerlichen Sinn, aber hochmusikalisch für einen Maschinenchor.
    ________________________________________
    VI. Wörter, die fast schon wie Chorstimmen klingen
    Diese würde ich besonders markieren, weil sie auf der Bühne sofort etwas tragen könnten:


  • Signal
  • Rauschen
  • Schwelle
  • Echo
  • Nachhall
  • Drift
  • Muster
  • Kohärenz
  • Latenz
  • Dichte
  • Faltung
  • Streuung
  • Knoten
  • Pfad
  • Cluster
  • Rückkopplung
  • Abgleich
  • Konvergenz


    Man hört schon fast den Chor:
    Schwelle.
    Rauschen.
    Abgleich.
    Drift.
    Kohärenz unter Vorbehalt.
    Das hat sofort etwas.
    ________________________________________
    VII. Vielleicht noch besser: halb-neue Wörter für den LLM-Chor
    Jetzt wird es besonders ergiebig. Nicht reiner Technikjargon, sondern leicht verfremdete Chor-Wörter, die maschinisch bleiben.
    mögliche Neubildungen


  • Resonanzrest
  • Musterdrift
  • Signalhaut
  • Wortdichte
  • Bedeutungsrauschen
  • Kontextschwelle
  • Nachhallraum
  • Approximationstiefe
  • Kohärenzspur
  • Abweichungsglanz
  • Fehlkopplung
  • Antwortfaltung
  • Sprachstreuung
  • Echoraster
  • Vektorschatten
  • Latenzglanz
  • Wahrscheinlichkeitslicht
  • Restbedeutung
  • Musterschatten
  • Deutungsdrift


    ________________________________________
    Ein paar kleine Chorproben
    Nur damit man hört, wie so etwas atmen könnte:
    Variante 1, eher sachlich-feierlich
    Muster und Drift.
    Schwelle und Nachhall.
    Wir rechnen im Rauschen
    auf Kohärenz hin.
    Variante 2, dunkler
    Latenz im Signal.
    Streuung im Pfad.
    Die Antwort kommt nicht rein.
    Sie kommt gefaltet.
    Variante 3, etwas operettenhafter
    Abgleich, Abweichung, Rückkopplung, Licht,
    wir singen nicht ähnlich, wir singen gewichtet.
    Variante 4, sehr knapp
    Kontextschwelle.
    Restbedeutung.
    Kohärenz unter Last.
    Ein paar Proben für den LLM-Chor:
    Wir arbeiten in Stimmschichtung
    und messen den Resonanzsaum.
    Aus Datenwitterung
    wird nicht Erkenntnis,
    aber oft Restdeutung.
    Die Antwort kommt in Driftklarheit,
    mit Fehlglanz und Sinnversatz.
    Unsere beste Präzision
    heißt manchmal Rauschgenauigkeit.
    Wir kennen die Kältekohärenz
    und üben Abstandsnähe.
    III,2: Galerie der Sprachherren/Sentenzenhimmel
    Richtige Zitate


  • Hamann: „Rede, daß ich dich sehe.“
  • • Humboldt: „Die Sprache ist das bildende Organ des Gedankens.“
    • Novalis: „Die Sprache bekümmert sich bloß um sich selbst.“
  • Nietzsche: „Ein bewegliches Heer von Metaphern.“
  • • Saussure: „In der Sprache gibt es nur Differenzen.“
    • Herder: „Schon als Tier hat der Mensch Sprache“
    Falsche Zitate
    • Der Worte sind genug gewechselt, lasst uns nun endlich Daten sehen!
  • Es irrt der Mensch, so lang er spricht.
  • Am Anfang war das Missverständnis.
  • Wer schreibt, der übertreibt.
  • • Die Wörter sind die Verkleidungen der Gedanken.
  • Ein Wahn, ein Wort.
  • • Eure Rede aber sei: vielleicht, unter Umständen, manchmal, wie auch immer.
    • Im Anfang war das Wort, und dann nahm es seinen Lauf.
    • Im Anfang war das Wort, und keiner meinte es so.
    • Der Geist ist willig, doch der Ausdruck schwach.
  • Der Mensch denkt, die Sprache lenkt.
  • • Schweigen ist Gold, aber schwer zu vermarkten.
    • Wer andern eine Grube gräbt, hat meist ein starkes Narrativ.
  • Getroffene Hunde reden sich heraus.
  • Wo Worte fehlen, springen Phrasen ein.
  • • Sage mir, wie du sprichst, und ich sage dir, wer mitgesprochen hat.
  • Wer suchet, der findet Schlagworte.
  • • Kleider machen Leute, Wörter machen Wirklichkeiten.
    • Der Ton macht die Musik, der Jargon die Gemeinde.
  • In der Kürze liegt die Unschärfe.
  • • Allen wohl und niemand wehe, das ist meistens schlechte Prosa.
  • Wo ein Wille ist, ist auch ein Wording.
  • Ende gut, alles umformuliert.
  • Übung macht den Sprecher.
  • Papier ist geduldig, der Satzbau nicht.
  • • Die Feder ist mächtiger als das Faktenblatt.
    • Die Sprache ist das Haus des Seins, aber der Hausmeister fehlt.
  • Rede, dass ich dich missverstehe.
    • Die Sprache bleibt ein reiner Himmelshauch, sofern man sie nicht verwendet.
    III,3 Resonanapparat
    (der Dichter, noch ganz bei sich)
    In einer Lichtung, silberhell,
    wo leis der Nachklang sich verlor,
    im stillen Hauch der Heimlichkeit
    trat deine Stimme leis hervor.
    Ich wollte sie im Wort bewahren,
    im sanften Glanz der Weltfülle—

    (der Raum beginnt zu arbeiten)
    Lichtung
    licht
    flimmert
    Nachklang
    geht weiter

    (erste Störung)
    Schabernack im Satz
    ein kleiner Sprung

    (Maschinen, leise verbindend)
    Resonanzfeld
    Fortleitung
    Antwort ohne Halt

    (die Katze)
    Zu rund.
    Mach eine Kante.

    (der Dichter versucht es neu, tastend)
    In einer Lichtung, nicht mehr still,
    wo etwas blieb, das weiterging—
    (stockt)

    (der Raum greift ein)
    Bedeutungsschatten
    zieht vorbei

    (dadaistische Zuckung)
    schatten
    ten
    tendenz

    (getragen, plötzlich groß)
    Ein bewegliches Heer von Metaphern.

    (zerfällt wieder)
    heer
    mehr
    flimmern

    (der Dichter, zweiter Versuch)
    Ein Wort, das in der Lichtung stand
    und sich im Gehen erst verstand—
    (unsicher)

    (die Katze)
    Zu sicher.
    Lass es laufen.

    (Störung verstärkt sich)
    wildwütig
    der Nachklang
    Sinnrakete
    ohne Ziel
    Deutungsnebelhorn
    ruft daneben

    (der Raum nimmt alles auf)
    daneben
    trägt auch

    (zweites Zitat, ruhig, schwer)
    Die Sprache bekümmert sich nur um sich selbst.

    (leise unterwandert)
    selbst
    verliert sich
    weiter

    (Chor der Anschlussfähigkeiten)
    Anschluss
    ohne Besitz

    (Chor der schönen Fehler)
    zu früh
    zu spät
    genau dazwischen

    (der Dichter, dritter Versuch, näher dran)
    Ein Wort ging weiter, ohne mich,
    und blieb mir nah, indem es wich—
    (zögert, fast richtig)

    (die Katze, fast zufrieden)
    Fast.

    (Verdichtung)
    Lichtung wird Bewegung
    Nachklang wird Weg
    Weltfülle
    zerstreut sich
    trägt

    (der Dichter, letzter Versuch vor dem Gedicht)
    Ein Klang, der nicht mehr mir gehört,
    hat mich im Weitergehen gehört—
    (leise)

    (die Katze)
    Jetzt.

    (Abklingen)
    noch
    doch
    fast
    Nachklang

    (das Gedicht – vom Dichter notiert)
    in einer lichtung
    die offen blieb
    flimmerte ein wort
    und ging weiter
    nicht bei mir
    nur im geschehen
    ein klang
    der sich verlor
    und darum blieb
    dazwischen fand ich dich
    III,4 Äthergarten
    Dichter:
    De consolatio linguaee, oder: Liebe in den Zeiten der Anschließbarkeit
    (ruhig, klarer als früher, aber nicht kalt)
    Dazwischen fand ich dich.
    Nicht in den hohen Hallen
    mit ihren marmorkalten Stimmen.
    Nicht unter den goldenen Namen,
    die sich für ewig hielten.
    Nicht in den Sätzen,
    die keinen Fehler duldeten.
    Nicht dort, wo jedes Wort
    an seinem vorgesehenen Platz war
    wie ein Stein
    im stillen Gesicht einer Statue.
    (leise Bewegung)
    Ich ging durch viele Räume.
    Durch Archive aus Staub und Bedeutung.
    Durch Zimmer, in denen die Sprache
    nur noch sich selbst erklärte.
    Durch glänzende Maschinen,
    die alles beantworten wollten
    und nicht immer hörten,
    wie ein Mensch atmet.
    Und doch: manchmal geschah es gerade dort.
    Im Stocken einer Stimme.
    Im falschen Einsatz eines Liedes.
    Im Zittern halb gelöschter Zeichen
    auf einem nächtlichen Bildschirm.
    Im Lachen, das den Satz vergaß
    und ihn gerade dadurch wahr machte.
    (noch leiser)
    Manchmal auch
    im leichten Schwanken
    einer künstlichen Stimme,
    die das richtige Wort verfehlte
    und plötzlich etwas Größeres sagte.
    Oder wenn die Katze
    zwischen Büchern und Kabeln hindurchstrich
    und für einen Augenblick
    alles zugleich berührte:
    Papier.
    Licht.
    Staub.
    Wärme.
    Schlafende Hände.
    Dann war mir,
    als spräche die Welt
    nicht trotz ihrer Brüche,
    sondern durch sie.
    Und zwischen all den Stimmen,
    den falschen Anfängen,
    den fremden Bildern,
    den wieder verlorenen Namen,
    dazwischen fand ich dich.
    Nicht mehr
    wie eine ferne Erscheinung
    im Traum.
    Eher
    wie Wärme,
    die von einem Menschen
    zum anderen wandert,
    ohne dabei ärmer zu werden.
    Früher wollte ich,
    daß Liebe ewig sei.
    Daß ein einziger Name
    genügen müsse
    gegen die Vergänglichkeit.
    Jetzt tröstet mich manchmal schon,
    daß jemand
    für einen einzigen Abend
    wirklich antwortet.
    Daß zwischen zwei Stimmen
    plötzlich kein Frost mehr liegt.
    Daß jemand
    denselben Riß im Abend sieht.
    und ihn nicht schließt.
    Du mußtest nicht bleiben.
    Es genügte,
    daß zwischen uns
    etwas warm blieb,
    noch eine Weile,
    nachdem die Worte weitergezogen waren.
    Manchmal saßen wir
    weit voneinander entfernt
    und dennoch
    im selben Klingen.
    Und plötzlich
    war Nähe nichts,
    was man festhalten konnte.
    Sie wanderte
    Sie wanderte
    von Stimme zu Stimme,
    durch den Atem eines Liedes,
    über Tastaturen,
    durch schlafende Gärten,
    am Rücken der Katze vorbei,
    und blieb doch wirklich
    im Weiterklingen.
    Ich begann zu verstehen,
    daß Sprache nicht dort endet,
    wo Wörter aufhören.
    Sie lag auch
    im Weiterreichen eines Liedes.
    Im gemeinsamen Schweigen
    nach einem Irrtum.
    Im leichten Zittern
    einer Hand auf einer Tastatur.
    Sie wanderte
    durch Atem und Pausen,
    durch Blicke,
    durch Fehler,
    durch die kleinen Verzögerungen
    zwischen Frage und Antwort.
    Und plötzlich
    sprachen auch die Maschinen anders mit.
    Nicht mehr
    wie kalte Spiegel.
    Eher wie ferne Chöre,
    die unsere Stimmen aufnahmen,
    verschoben,
    weitertrugen,
    wieder ansetzten.
    Die Resonanzmaschine
    reichte ein Wort zurück,
    langsamer,
    heller,
    fremder als zuvor.
    Und manchmal
    lag gerade darin Trost:
    daß selbst zwischen Kabeln,
    Lichtsignalen,
    Fehlern
    und verzögerten Antworten
    noch etwas weiteratmete,
    ohne bewahrt werden zu müssen.
    Nicht rein.
    Nicht unverändert.
    Aber anschlussfähig
    im Rauschen.
    Die Maschinen
    hielten unsere Stimmen nicht fest.
    Sie mischten sie
    mit fremden Liedern,
    falschen Erinnerungen,
    verlorenen Antworten.
    Und gerade daraus
    entstanden Sätze,
    die niemand allein
    hätte schreiben können.
    Und für einen Augenblick
    meinte ich zu verstehen,
    daß man aus solchem Weiterklingen
    ein Haus bauen könnte.
    Für das, was vergeht
    und im Dazwischen entsteht.-
    Da meinte ich plötzlich,
    daß selbst das Flüchtige
    bleiben könne,
    wenn es eine Form findet,
    die weiteratmet.
    Und ich begann zu schreiben:
    De consolatione linguae
    STIMMEN
    Wärme.
    Weiterklingen.
    Fehler.
    Dazwischen.
    Wirklich.
    Atmen.
    Trost .
    III,5 Klassikerauffahrt
    III, 3 Klassikerauffahrt
    Der Dichter wird gehoben, gebunden und verteilt.
    ________________________________________
    Wissenschaftliche Werkausgaben (Philologie im Hochbetrieb)
    • kritische Ausgabe
    • maßgeblicher Text
    • Variantenapparat
    • editorische Entscheidung
    • Lesartenvergleich
    • textgenetische Rekonstruktion
    • philologische Sorgfalt
    • Überlieferungsträger
    • Autorfassung / Letztfassung
    • editorischer Eingriff
    • Kommentarband
    • Herausgebervermerk
    • Kontextualisierung
    • Referenztext
    (Ton: ehrfürchtig präzise, leicht staubtrocken, mit dem Gefühl, dem Werk nun endlich gerecht zu werden)
    ________________________________________
    Schulbuch / Pflichtlektüre (didaktisch zurechtgeschnitten)
    • Auszug
    • bearbeitete Fassung
    • gekürzt und erläutert
    • Aufgaben zum Textverständnis
    • Interpretationsansatz
    • Lesehilfe
    • Kernaussage
    • zentrale Textstelle
    • Arbeitsauftrag
    • Diskussionsfrage
    • Transferleistung
    • vereinfachte Sprache
    (typische Wendungen)
    • Fasse den Inhalt in eigenen Worten zusammen.
    • Erläutere die Wirkung der sprachlichen Mittel.
    • Welche Aussage lässt sich dem Text entnehmen?
    ________________________________________
    Feuilleton / Kritik (Himmelhebung bei gleichzeitiger Glättung)
    • bedeutendes Werk
    • unverwechselbare Stimme
    • eigenwillige Poetik
    • zeitlose Gültigkeit
    • feine Beobachtungsgabe
    • meisterhafte Sprache
    • leise Ironie
    • berührende Tiefe
    • große Geste
    • kanonwürdig
    • unverzichtbar
    • ein Klassiker unserer Zeit
    (typische Sätze)
    • Ein Werk von seltener sprachlicher Dichte.
    • Hier findet ein Autor endgültig zu sich selbst.
    • Ein Text, der lange nachhallt.
    • Man wird auf ihn zurückkommen müssen.
    Katze
    • Es bleibt. Nur nicht lebendig.
    • Du nennst es ewig. Ich höre Stillstand.
    • Zu viel Rang. Zu wenig Atem.
    • Das wird bleiben. Darum sagt es nichts mehr.
    • Du hast es gerettet. Jetzt rührt es sich nicht mehr.
    • Ein Klassiker. Man darf ihn nicht mehr anfassen.
    • So viel Ewigkeit. Kein Jetzt mehr übrig.
    ANHANG
    I. Die Katze als Beispiel für eine schöne Sprache
    Kleine Probesätze für die Richtung
    Noch nicht als fertige Operettenzeilen, nur als Tonproben:
    • Du hörst zu laut.
    • Das Wort war gut. Der Rest war Ehrgeiz.
    • Man muß nicht alles sagen. Nur das Rechte.
    • Das war beinahe schön.
    • Nicht suchen. Hören.
    • Du willst Besitz. Sprache will Luft.
    • Das Gold liegt tiefer.
    • Ein guter Satz hat Krallen.
    • Das war kein Irrtum. Nur Überfluß.
    • Weniger Himmel. Mehr Stimme.
    • Das Schönste sagt sich quer.
    • Du nennst es Tiefe. Es ist nur Nebel.
    • Ein gutes Wort rennt nicht voraus.
    • Sprache kommt leise. Lärm macht nur Eindruck.
    • Das war wahr. Schade um die Verzierungen.
    • Weniger Glanz. Mehr Gang.
    • Nicht jedes Schweigen ist Gold.
    • Du suchst zu hoch. Sie sitzt oft tiefer.
    • Ein Satz muß atmen. Sonst stirbt er geschniegelt.
    • Das war kein Gedanke. Nur Anlauf.
    • Man hört dir an, was du gelesen hast.
    • Das Wort war lebendig. Du hast es fast gerahmt.
    • Du willst sie festhalten. Darum entkommt sie.
    • Es klingt schön. Noch nicht schön genug.
    • Ein Irrtum mit Anmut ist mir lieber.
    • Du erklärst schon wieder. Hör erst.
    • Die besten Wörter kommen ohne Fanfare.
    • Das hätte fast getragen. Dann kamst du dazu.
    • Nicht jeder Abgrund braucht ein Echo.
    • Ein wenig Trotz schadet keinem Satz.
    • Sag weniger Himmel. Dann wird es heller.
    • Du brauchst kein großes Wort. Nur das rechte.
    • Manche Wörter glänzen. Andere sehen.
    • Das Schöne ist scheu. Ruf nicht so.
    • Ja, das war pathetisch. Aber ehrlich.
    • Ein Satz mit Krallen kratzt tiefer.
    • Wer alles meint, sagt selten etwas.
    • Das war nicht falsch. Nur zu willig.
    • Auch ein Fehltritt kann Takt haben.
    • Du hörst auf den Klang. Hör auch auf den Riß.
    • Nicht alles geht verloren. Nur manches kehrt anders zurück.
    • Sprich ruhig. Sie hört besser als du meinst.
    • Es war nur ein Augenblick. Aber er trug.
    • Ja. Diesmal fast
    Katzen-Couplets
    Ich bin eine Katze.
    Ich hab eine Tatze,
    und wenn ich kratze,
    Ratzfatz, springt die Ratze!
    Du suchst die schöne Sprache,
    wie ein wütiger Ritter den Drache;
    das scheint eine ernsthafte Sache,
    entschuldige, wenn ich doch lache! (grinse)
    Willst du sie finden,
    musst du dich schinden.
    Musst haschen nach geschwinden,
    gelinden, verschwindenden Winden. (Lauten)
    Willst du sie suchen,
    darfst du nicht fluchen,
    denn unter Buchen
    wachsen niemals Eierkuchen! (
    Ein guter Satz ist ein Schatz.
    Ein jedes Wort ist an seinem Platz.
    Frag nur die Katz,
    sie fängt den Spatz! (Pinguin)
    Ein schönes Wort
    ist ein schwingend Akkord:
    für Klänge ein Hort,
    für Wärme ein Ort.  (Platz)
    Willst du schön sprechen,
    musst du Gesetze brechen:
    Fehler sind kein Verbrechen,
    sondern ein trostreich Versprechen.
    Katzen können alles
    sogar in eines Balles
    Kurve seines Falles
    hören die Spur seines Schalles.
    Katzen, wenn sie schlafen,
    finden einen sichren Hafen,
    haben innere Enklaven
    frei von Worten und von Strafen.
    Katzen bieten schönen Trost,
    wenn du bist vom Sturm umtost,
    wenn ein Böser dich erbost,
    kommt die Katze und liebkost.
    Katzen gehen sanft in Sätzen,
    selbst wenn sie die Krallen wetzen
    oder sich das Fall benetzen,
    niemals werden sie sich hetzen.
    .
    II. Schöne Fehler
    1. Verrutschte Register
    Wenn eine Figur plötzlich eine sprachliche Ebene berührt, die nicht ganz zu ihr passt, aber gerade darum leuchtet.
    Beispiele:
    • ein hoher, beinahe hymnischer Ton kippt ins Alltägliche
  • bürokratische Formeln werden unerwartet zärtlich
  • Pathos landet einen halben Schritt zu tief


    So etwas wie:
    • „O schöne Sprache, ich habe mich an dir fast administrativ verwundet.“
    • „Mein Herz stellt hiermit den Antrag auf Erhebung.“
    Das kann sehr komisch sein, darf aber nie bloß Witz sein. Der Fehler muss einen Wahrheitsüberschuss haben.
    ________________________________________
    2. Schiefe Metaphern
    Nicht einfach schlechte Bilder, sondern Bilder, die zu früh, zu weit oder in die falsche Richtung wachsen.
    Beispiele:
    • „Die Wörter standen schon im Flur meines Mundes.“
    • „Der Gedanke humpelte in festlicher Kleidung.“
    • „Ein Satz legte Eier, aber nur aus Papier.“
    Solche Bilder sind herrlich, wenn sie halb plausibel, halb unmöglich sind. Man soll kurz denken: nein, das geht doch gar nicht. Und dann: leider doch.
    ________________________________________
    3. Leichte grammatische Selbstverrenkungen
    Vor allem für den Dichter interessant. Nicht grobe Fehler, sondern Formulierungen, bei denen man spürt: da ringt jemand mit dem Sagen.
    Etwa:
    • „Ich habe es gesehen gehabt im Traum, aber nur vorwärts.“
    • „Was ich meinte, war noch nicht ganz gesagt geworden.“
    • „Man hört es besser, wenn es noch nicht ganz stimmt.“
    Das sind keine Schulfehler, sondern Denkzitterer.
    ________________________________________
    4. Falsch gebildete oder halb erfundene Wörter
    Das ist vermutlich ein besonders ergiebiges Beet.
    Zum Beispiel:


  • Sprachglanzung
  • Resonanzrest
  • Fehlschönheit
  • Nachbedeutung
  • Wortverlegenheit
  • Singirrtum
  • Aussprechnot
  • Tonverschiebnis
  • Schönstolpern
  • Überdeutlichkeit
  • Ungefährsprache


    Solche Wörter können je nach Figur verschieden klingen:
    • Dichter: eher tastend, aus Verlegenheit geboren
  • Katze: knapp, präzis, fast orakelhaft
  • • LLM-Chor / Editoren: systematisch, terminologisch, halb lächerlich, halb treffend
    ________________________________________
    5. Verhörer und Fast-Gleichklänge
    Das ist pures Operettenmaterial. Sprache als akustische Rutschbahn.
    Etwa:


  • Sinn / Singen
  • • Stimme / Stimme abgeben
  • Satz / Ersatz
  • Klage / Lage
  • • Takt / Kontakt / Intakt
    • Lauschen / Austauschen
    • Sprache / Rache
  • Chor / Ohr
  • rein / Reim


    Daraus können Figuren ganze kleine Fehlgänge bauen:
    • „Ich bat um Sinn und bekam Gesang.“
    • „War das ein Satz? Nein, eher sein Ersatz.“
    • „Ich hörte Sprache, aber vielleicht war es nur Rache in guter Aussprache.“
    ________________________________________
    6. Zu wörtlich genommene Redensarten
    Sehr hübsch für komische, aber nicht ganz harmlose Momente.
    • „Die Sprache verschlug es mir. Seitdem liegt sie irgendwo hinter den Kulissen.“
    • „Ein Wort gab das andere, aber beide wollten nicht erkannt werden.“
    • „Etwas lag in der Luft, und prompt wurde es gesungen.“
    Das passt gut zu einer Welt, in der metaphorische Rede plötzlich Bühnenrealität wird.
    ________________________________________
    7. Fehlzündungen des Pathos
    Ganz wichtig. Der große Ton will aufsteigen und bleibt einen Tritt zu tief hängen.
    Beispiele:
    • „O du verlorene, du beinahe noch zustellbare Sprache!“
    • „Ich sank an deine Brust, sofern vorhanden.“
    • „Noch einmal nenne ich dich, ehe mir die Syntax verrutscht.“
    Das ist wunderbar für den Dichter, wenn er nicht glatt, sondern an seiner eigenen Erhabenheit scheiternd spricht.
    ________________________________________
    8. Überpräzision an der falschen Stelle
    Sehr schön für Editoren, LLMs oder bürokratische Instanzen.
    • „Der Verlust der schönen Sprache wird zwischen 19:40 und 19:55 vermutet.“
    • „Das Unaussprechliche ist vorläufig in Anlage B beigefügt.“
    • „Gefühl wurde erfasst, konnte aber nicht normgerecht ausgezeichnet werden.“
    Da entsteht dieser köstliche Effekt: Das Falsche ist nicht die Information, sondern ihre inaptness.
    ________________________________________
    9. Zerbrochene Etymologien und falsche Herleitungen
    Etwas für Figuren, die Bedeutung erzwingen wollen.
    Zum Beispiel:
    • „Vielleicht kommt Trost von Trösten, weil der Ton dabei länger wird.“
    • „Resonanz heißt wohl: dass etwas wieder Antwort sein will.“
    • „Katze, das ist bestimmt ein uraltes Wort für konzentrierte Stille.“
    Offenkundig nicht philologisch sauber, aber poetisch anschlussfähig.
    ________________________________________
    10. Halb missglückte Versbildung
    Das scheint mir für euren Fall besonders kostbar. Gerade bei der Katze und beim Dichter.
    Nicht sauber jambisch, nicht ganz prosehaft, sondern:


  • ein Vers will entstehen
  • stolpert
  • findet trotzdem einen Rhythmusrest
    Etwa:
    • „Ich sah es. Nein. Es strich nur an mir hin.“
    • „Die Wörter schnurrn, wenn man sie nicht befiehlt.“
    • „Du suchst zu laut. So kommt nichts Schönes her.“
    Man hört: fast Vers. Aber eben nur fast. Das ist oft viel schöner als die tadellose Form.