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Der Liebes-Reigen

frei nach Arthur Schnitzler

In der überfüllten S-Bahn am frühen Abend sitzt Bertolt, ein mittelalter, mittelschlanker und überhaupt in jeglicher Hinsicht durchschnittlicher Mann auf dem Heimweg von seinem mittelmäßig bezahlten Bürojob. Er ist früher gegangen heute, weil er am Abend ein Date hat, und er beginnt gerade, sich davor zu fürchten. Er wird wohl wieder romantisch sein müssen, das hat er ja auch ins Profil der Dating-App geschrieben: „ein unheilbarer Romantiker im besten Alter“; aber das muss man halt schreiben, wenn man nicht nur die ansprechen wollte, die sowieso nur Geld oder Sex wollen! Himmel, wie oft schon hat er romantische Blumensträuße gekauft, wieviel Sonnenuntergänge hat er abgesessen, wieviel Wünsche schon von den Augen abgelesen! Wenn man jung ist, glaubt man ja eine Weile selbst daran, aber alles nutzt ab durch Wiederholung. Irgendjemand, so erinnert er sich vage, hat einmal gesagt, dass der erste, der Herz auf Schmerz reimte, eine Genie war und der tausendste – nun ja, ein Kretin, so hieß es wohl, falls er sich richtig erinnerte, und genauso fühlt sich Bertold inzwischen, wenn er wieder einmal romantisch schauen soll. Ihm gegenüber sitzt eine Dame, ebenfalls mittleres Alter, sie trägt die obligatorische Business-Uniform und versucht heimlich die High Heels auszuziehen. Dabei blättert sie in einer Zeitschrift mit der Aufschrift „Liebe“, zwei schöne rote Lippen sieht man darauf, und Bertolt denkt: „Rote Liebe soll man küssen“ – und schämt sich dann, ach, wie altmodisch er doch ist, und wahrscheinlich würde er mit dem Spruch gleich eine #Metoo-Debatte auslösen. Nein, bitte nicht wieder eine, die auf romantisch steht; er weiß zwar auch nicht so genau, was er will, aber das ganz sicher nicht…. 

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Die Schuhe mit den blöden High Heels drücken mal wieder, sie streift sie heimlich ab und hofft, dass es keiner merkt. Albertine ist nervös; sie fürchtet sich vor dem Date heute Abend. Natürlich, sie ist eine erfolgreiche Frau, tough, wie man so sagt; in ihrem mittelständischen Werbebetrieb ist sie die unbestrittene Leitwölfin, und alle Männer kuschen vor ihr. Aber das hilft nicht direkt, wenn man nach einem Partner sucht, das weiß Albertine aus leidvoller Erfahrung. Das hat man nun davon, eine emanzipierte Frau zu sein, denkt sie. Heute Abend wird sie mal wieder die etwas angejahrte romantische Prinzessin spielen müssen, die kein Wässerchen trüben kann und verführt und umschmeichelt werden muss, wie sie das hasst! Aber wenn man nicht „romantisch“ ins Profil schreibt, kommen nur die Perversen. Sie weiß zwar auch nicht so genau, was sie eigentlich will, aber das auf jeden Fall nicht. Vielleicht ist ja diese Zeitschrift klüger, die sie eben auf dem Sitz neben sich gefunden hat. Zwei schöne rote Lippen sind darauf abgebildet, nee, die Lippenstiftfarbe würde ich mich nie trauen, denkt Albertine, viel zu aggressiv, dann bekommen sie gleich noch mehr Angst vor mir; dann doch lieber ein besänftigendes Rosé! 


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Beate sucht ihre Zeitschrift, sie muss sie wohl beim Umsteigen in der vorigen S-Bahn vergessen haben. Schade, sie hatte sie doch extra gekauft, um herauszufinden, was die Philosophen zu diesem ewigen Liebesthema zu sagen haben! Früher hatte sie ja selbst noch Illusionen, doch jetzt mit ihren gesetzten 21 Jahren und einem Gemischtwarenlager an gescheiterten Beziehungen könnte sie ein ganz anderes Lied singen; es geht: „One more stupid lovesong, and I’ll be sick“, genau! Aber irgendwie gab man die Hoffnung nicht auf, warum eigentlich? Sie tut ein Stück Süßstoff in ihren doppelten Espresso, früher hatte sie ihn ja lieber schwarz und stark, aber nun, mit ihren gesetzten 21 Jahren – und da überfällt sie auf einmal die Einsicht, dass die romantische Liebe genau das ist: ein künstlicher Zucker, der verdecken soll, worum es eigentlich geht bei diesem, nun ja, ziemlich starken und gelegentlich schwarzen und überhaupt ziemlich peinlichen Akt! Menschen vertragen einfach keine reinen Dinge, sie wollen alles immer hübsch verpackt und pappsüß und irgendwie harmlos haben. Angeekelt schmeißt sie die ganze Süßstoffpackung weg. Sie sollte sowieso nicht so viel Espresso trinken, heute Abend hat sie noch ein Date, irgendein Werbefritze, dem muss man sowieso nicht mit Philosophie kommen. Hoffentlich ist er wenigstens nicht süßlich, sondern …. Aber sie weiß nicht so genau, wie er eigentlich sein soll. 


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Bertram findet eine beinahe neue Packung Süßstoff auf dem Sitz neben sich in der S-Bahn, warum hat die wohl jemand weggeworfen? Er hat es ja nicht so mit Süßem. Manchmal denkt er, das kommt von seinem Job, er arbeitet nämlich in einer Werbeagentur, und den lieben langen Tag muss er die idiotischsten Produkte so anpreisen, dass jeder meint, nicht mehr ohne sie leben zu können. Das beste Verkaufsmittel ist immer noch die Romantik, man sollte es nicht glauben im 21. Jahrhundert! Was hat er schon alles für „romantisch“ erklärt, sogar Teebeutel können romantisch sein (das weiche, beutelhafte, aromatische), einmal hat er auch, obwohl das sehr gegen seine Prinzipien ging, das Romantische kleiner niedlicher Handfeuerwaffen betextet ("Mitten ins Herz!") In einer Schublade hat er eine kleine Sammlung von Sprüchen für besondere Herausforderungen: Klopapier – "seien Sie lieb zu Ihrem Allerwertesten, er hat es verdient"! Heute Abend hat er endlich mal wieder ein Date, vielleicht sollte er ihr das Päckchen Süßstoff schenken mit einer roten Schleife und einem Spruch dazu: "Nichts ist süßer als ein Kuss deiner Lippen, gepflegt mit Lubello, dem süßesten aller Lippenbekenntnisse!" Wohl besser nicht. Ach, wenn er doch nur wüsste, was er will, aber er weiß nur, was er nicht will. 


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Auf der S-Bahn ist eine große, sehr teure Werbeanzeige aufgedruckt, sie wirbt für Partnerschaftsvermittlung im Internet. Zu sehen sind sehr junge, sehr schöne, sehr gesunde, rundum glückliche Menschen. Es sind Frauen, bei denen jeder sofort sehen kann, dass sie sich eigentlich nur auf eine mäßig belebte Straße stellen müssten und ein Taschentuch fallen lassen, und schon würden sich Heere von Männern verschiedensten Alters um ein Lächeln von ihr prügeln. Die Männer tragen kaum Make-Up, aber einen Dreitagebart und das romantischste Lächeln der Welt, es tropft geradezu aus ihren Augen, aus ihren Mundwinkeln, aus der leicht geöffneten Hemdenbrust, und jede Frau würde ihnen besinnungslos in die starken Arme fallen. Daneben wirbt ein Restaurant für romantische Candle-Light-Dinner; ein Reiseunternehmer preist das romantische Hide-away-Weekend für Zwei an, dazu gibt es auch passende Unterwäsche, verspielt-romantisch und nicht allzu sexy. Innen in der S-Bahn hängt ein kleines Gedicht, es geht so: „Als sie einander acht Jahre kannten (und man darf sagen, sie kannten sich gut), kam ihre Liebe plötzlich abhanden, wie andern Leuten ein Stock oder Hut“. Daneben steht, aber das ist sicherlich reiner Zufall, der Werbetext einer Detektei: „Wir finden alles! Diskret, seriös, kompetent!“ Darunter liegt ein einsames Zeitschriftenheft, vorn ist ein knallroter Kussmund abgebildet. 


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Bruno steht an der S-Bahn-Station. Gerade hat er den Zug verpasst, nur noch im Vorbeifahren meint er eine Anzeige für Partnerschaftsvermittlung im Internet zu sehen. Wie albern, denkt er, so hübsche junge Menschen müssen doch kein dafür Geld bezahlen, dass ihnen ein Computer einen passenden Partner ausspuckt! Noch etwas verschwitzt setzt er sich auf die Bank, legt einen bunten Blumenstrauß neben sich und zieht ein zerlesenes Reclam-Bändchen aus der Tasche. Bruno ist Lehrer, seit langem schon, und gerade wieder hat er versucht, lehrplangemäß seinen gelangweilten Schülern Shakespeares Romeo und Julia nahezubringen, die unvergänglichste, herzrührendste, wahrste und tiefste Liebesgeschichten aller Zeiten, angeblich! Blödsinn, denkt er, während er halbherzig durch die Seiten blättert, das ist doch wirklich der allergrößte, unvergänglichste, steinerweichendste Blödsinn der Welt! Natürlich war Shakespeare ein großer Autor, und heimlich hat er sich wahrscheinlich totgelacht, als er Romeo und Julia geschrieben hat, er wusste ja schon immer, was die Leute sehen und hören wollten! Aber dass sie noch gut vierhundert Jahre später glauben würden, die hormonellen Verirrungen zweier unreifer Kinder aus verfeindeten Familien – natürlich sind sie verfeindet, wo wäre denn sonst der Reiz, wenn Romeo einfach der Cousin wäre, den man sowieso von Kind an heiraten sollte! – seien der Stoff, aus dem das Leben und die große Liebe gemacht sind! Shakespeares Sonette sollten sie lesen, dann wüssten sie, worum es bei der Liebe wirklich geht: „But if thou live rememb'red not to be, Die single, and thine image dies with thee.“ Aber nein, Romeo und Julia, seit vierhundert Jahren. Er blickt auf eine Zeitung, die neben ihm auf der Bank liegt; dort steht in den Schlagzeilen: „Barack Obamas Rezept für eine glückliche Ehe!“ Interessiert nimmt er sich die Zeitung und beginnt zu lesen. Vielleicht kann er seiner Frau heute Abend davon erzählen, sie haben nämlich den 17ten Hochzeitstag, und er hat noch nie vergessen, ihr einen Blumenstrauß mitzubringen.


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Birgit guckt noch schnell ins Internet, bevor sie anfängt, die Kartoffeln für die Bratkartoffeln zu schälen. Ihr Ehemann und sie haben heute den 17ten Hochzeitstag; aber wie immer werden sie das nicht groß feiern. Vielleicht gehen sie am Wochenende noch schick essen, aber heute ist dafür keine Zeit, Bruno hatte noch Konferenz in der Schule und die Kinder kommen auch gleich vom Fußball. Als sie „Hochzeitstag“ bei google eingibt, nur aus Neugierde, bekommt sie eine ganze Hitparade der üblichen Beziehungsbinsen: Machen Sie sich extra schön für ihn/sie! Überraschen Sie ihn/sie mit seinem Lieblingsessen! Sagen Sie ihm/ihr, dass Sie ihn liebhaben und blicken ihr/ihm tief in die Augen! Erst lacht sie, ist ja auch wirklich zu blöd, aber dann beginnt sie sich ein wenig zu ärgern. Offensichtlich ist es ja kein Liebesbeweis, dass man die letzten siebzehn Jahre mehr oder weniger jeden Tag am Herd stand und bemüht war, ein halbwegs gesundes Essen für eine mehrköpfige Familie zu kochen, in dem genug Bestandteile vorkommen, die alle mögen! Nee, nicht romantisch genug. Oder dass man sich zusammenreißt und was Nettes anzieht, auch wenn keiner guckt, einfach aus Respekt, falls doch einer guckt. Und ach, Liebesschwüre, Worte, Worte, Worte! Kann man sich auch nichts kaufen für, noch nicht mal Bratkartoffeln. Aber darunter, guck mal, da steht ja ein Artikel, der sieht wirklich interessant aus: "Barack Obamas Rezept für eine glückliche Ehe!" Und sie beginnt zu lesen.


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Kurt ist unterwegs, in amtlicher Mission. Er geht durch die stille Vorortsiedlung, aus einem Fenster dringt ihm der Geruch frischgebratener Bratkartoffeln entgegen, das erinnert ihn an seine Oma und macht ihn melancholisch. Es stimmt ihn aber auch auf seine Mission ein, er ist nämlich Bürgermeister und muss, selten genug kommt das vor, einem alten Ehepaar zur diamantenen Hochzeit gratulieren. Den Präsentkorb hat er natürlich dabei und außerdem einen interessanten Artikel, den er gerade gefunden hat. Er hat schon die unterschiedlichsten Ehepaare gesehen bei solchen Gelegenheiten; einige, die offensichtlich mehr der Hass zusammengeschweißt hat als die Liebe, viele, bei denen es die Gewohnheit war, und wenige, bei denen man, irgendwie, spürte, dass sich da wirklich zwei gefunden und aufgehoben und geschont und behalten hatten. Er ist gespannt, was sie zu dem Artikel sagen werden. Er heißt, etwas reißerisch, „Barack Obamas Rezept für eine glückliche Ehe“, und darin steht, dass der ehemalige amerikanische Präsident jedem rate, sich drei Fragen zu stellen, bevor er den Schritt fürs Leben mache: 1) Finden Sie die Person, mit der sie sich verheiraten wollen, interessant? 2) Bringt sie sie zum Lachen? Und wäre sie, 3) eine gute Mutter oder ein guter Vater? Das war schon ziemlich weise. Vielleicht hätte der kluge Ex-Präsident sich auch drei Fragen stellen sollen, bevor er Drohnen auf Leute abschoss, aber den Gedanken wischt Kurt schnell zur Seite, bevor er ihm die sentimentale Stimmung verderben kann.


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Erst hatten sie ja nicht genau verstanden, wovon der junge Mann da eigentlich gesprochen hatte; ach so, um Barack Obama war es gegangen, diesen Jungspund, der amerikanischer Präsident geworden war, als er praktisch gerade aus den Windeln war, und der viel zu früh den Friedensnobelpreis bekommen hatte, was sich hinterher auch als voreilig herausgestellt hatte. Aber er hatte ihnen ja den Artikel dagelassen, oben auf dem Präsentkorb liegt er, und Adolf hat inzwischen auch seine Brille gefunden. Jetzt liest er seiner Ada, die vom Besuch noch etwas erschöpft ist, aber sich extra schön gemacht und selbstgebackene Kekse aufgetischt hat, noch einmal vor, was der junge Präsident so meint: Man sollte nur jemand heiraten, den man interessant und witzig fände und von dessen elterlichen Qualitäten man überzeugt sei. Gemeinsam kichern sie ein wenig, und Ada sagt: Ach, was sich die jungen Leute heute so einbilden. Als hätte man eine Wahl gehabt, damals, kurz vor den Krieg. Aber wenn du mir damals so einen albernen romantischen Hochzeitsantrag gemacht hättest, mit Niederknien und roten Rosen und all dem Unsinn, nie und nimmer hätte ich dich nie genommen! Du hast es völlig vermurkst, aber was haben wir gelacht! Und Adolf sagt: Aber in einem hat er auf jeden Fall Recht. Ich habe immer gewusst, dass du eine gute Mutter werden würdest. Ich hab es einfach gewusst, und fertig. Bekomme ich dafür noch einen Keks? Gemeinsam mümmeln sie einen Keks. Draußen läuft ein Hund vorbei, er hat die Nase ganz dicht am Boden und schnüffelt aufgeregt.


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Im Internet hat sich eine Debatte über die Eheratschläge von Ex-Präsident Obama entwickelt, unter dem Hashtag #funnyorwhat? Vor allem die Frauen fühlen sich, irgendwie, provoziert und, irgendwie, empört: "Interessant" sein, was soll denn daran toll sein? Interessant war doch, irgendwie, alles heutzutage, und wahrscheinlich wolle man doch nur ihnen wieder den schwarzen Peter zuschieben, typisch Mann, irgendwie, dass die Frauen jetzt auch noch für die Unterhaltung zuständig sein sollten, neben all dem Hausputz und der Karriere und der Kinderunterbringung? Und zum Lachen bringen, hahaha; man wisse doch, was Männer für Humor halten, das sei ja nun, irgendwie, nicht besonders komisch. Am schlimmsten kommt aber die dritte Frage an: Natürlich solle man dann noch Kinderkriegen, ohne Kinder keine ordentliche Ehe, was sei denn das bitte für ein stereotypes, überholtes, spießbürgerliches Familienbild? Aber auch viele Männer melden sich zu Wort, einige mit Beiträgen, die hier nicht wiedergegeben werden können. Ob es nicht schon reiche, dass Mann sanftmütig, gesprächsbereit, sensibel und einfühlsam geworden sei? Jetzt solle er auch noch „interessant“ werden! Gäbe es dann demnächst so eine Art Fitness-Center, interessant in dreißig Doppelstunden, samt personal wittiness coach? Fänden sie jedenfalls nicht witzig, hahaha, nein, das Leben sei eine ernste Angelegenheit, als Neuer Mann sowieso! Und dann noch Kinder, natürlich, am Ende laufe es dann doch immer wieder darauf hinaus, Mann sei bindungsunfähig und -unwillig, und eigentlich berechne jede schon heimlich beim zweiten Date den zu erwartenden Kindesunterhalt! Aber nun gut, jetzt wisse man wenigstens, was man bei den Partnerschafts-Apps einzugeben habe ins Profil, um besser anzukommen: nicht nur romantisch, nein, interessant, witzig, bestes Vaterschaftsmaterial!


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Hunde. Hunde hatten es ja wenigstens einfach. Schiere Biologie. Erwin ist Verhaltensbiologe, und sein Mops Emil hat gerade die Spur einer läufigen Hündin aufgenommen; er bekommt die Nase dann gar nicht mehr vom Boden hoch und zieht so mächtig wie sonst nur, wenn er einen verlassenen Hähnchenschenkel wittert. Andererseits, denkt Emil, ist es bei uns ja gar nicht so viel anders, das bildet man sich ja auch nur ein, weil es sonst alles so peinlich ist. Natürlich muss man den anderen riechen können, hat die Natur schon klug gemacht: Nur, wenn die Immunsysteme sich gut ergänzen, wird man „magisch“ angezogen; von wegen magisch, Instinkte sind das, reine Instinkte. Und damit man schön beieinanderbleibt und den Nachwuchs nicht allzu früh vor die Tür setzt, eine Dosis Oxytocin. Ach, wenn doch alles so einfach wäre! Aber heute Abend würde er doch wieder ein Parfüm auflegen, sicherheitshalber; obwohl der Kerl wirklich scharf aufgesehen hatte auf dem Dating-Portal! Derweil hat Emil endlich das Objekt seiner Begierde gesichtet, es ist eine rattenscharfe – Yorkshire-Dame??? Was ist denn das für eine Verirrung, denkt Erwin, und dann ruft er sich zur Ordnung und sagt sich: Ein Riechhirn mit 180 Millionen Riechzellen mehr als ein Mensch irrt nicht…. Aber der Typ am anderen Ende der Leine sieht eigentlich gut aus, so ein bisschen nerdmäßig, sollte er vielleicht doch kurz auf Grindr?


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Holger zieht seine Yorkshire-Dame Bella schnell in die andere Richtung; da späht doch tatsächlich so ein blöder Mops von der anderen Straßenseite her, wie kann man nur einen Mops haben? Obwohl, der Kerl, den der Mops an der Leine hält, sieht ja eigentlich ganz gut aus; so ein bisschen akademisch unterkühlt, aber er ist sich fast sicher, dass – sollte er vielleicht kurz nachschauen auf Grindr? Aber er hat ja heute Abend schon ein Date, angeblich auch ein Akademiker. Aber was die Leute so alles angeben in ihren Profilen – Holger kennt sich da aus, er ist Informatiker und programmiert Suchalgorithmen für Dating Apps. Er kennt die großen Lieblingslügen: Jeder macht sich gern ein wenig größer. Ein wenig reicher. Ein wenig liberaler und sexuell experimentierfreudiger. Natürlich ist das Foto nie ein aktuelles, ein paar Jährchen weniger sind immer von Vorteil. Und am Ende, worauf kommt es an? Auf das Foto, nur auf das Foto. All das Geschwätz von Interessen und Hobbys und Überzeugungen, mag ja schön sein fürs Selbstbild, aber einen Unterschied macht es nicht, wenn es an die Wäsche gehen soll. Nicht, dass man das nicht schon vorher geahnt hätte, aber wenn man es so in Zahlen vor sich sah, war es schon ein wenig desillusionierend … Himmel, wenn das, was die Leute in ihre Profile schreiben, auf einmal durch einen Zaubertrick wirklich würde, in was für einer wunderbaren Welt würden wir leben! Aber jetzt müssen wir nach Hause, Bella, sagt Holger und zieht Bella in die andere Richtung; ich muss mich noch duschen und aufbrezeln für heute Abend!


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Lea hält ihre Katze auf dem Schoss und tröstet sie, armer Schatz, das Tier zittert noch ganz arg! War doch aus dem Nichts dieser blöde Köter aufgetaucht, ein Mops, ausgerechnet ein Mops! und hatte ihre Lucy auf den Apfelbaum gejagt! Wie Hund und Katze, murmelt Lea vor sich hin, kichert ein wenig und streichelt weiter sanft das Fell; es ist eine Art Mantra von ihr, wie Hund und Katze. Lea ist nämlich Paartherapeutin, und eine sehr gesuchte und auf Jahre hin ausgebuchte außerdem. Weißt du, murmelt sie ihrem Schatz ins Ohr, du müsstest jetzt sagen: Das hat mich jetzt sehr gekränkt, wie du hechelnd auf mich zugerannt bist, da habe ich mich echt bedrängt gefühlt und, irgendwie, nicht in meiner Persönlichkeit wertgeschätzt! Nein, du sollst nicht sagen: Du blöder Mops, was bildest du dir eigentlich ein, du stinkendes Hundevieh? Ich-Aussagen, bringe deine Bedürfnisse zum Ausdruck! Wir können auch gern, und Lea vergräbt ihre Nase versonnen noch ein Stück weiter in das flauschige Fell, ein kleines Rollenspiel machen, und du spielst jetzt den Hund, ja, genau, den blöden Mops, und er spielt jetzt dich, eine superliebe Kuschelkatze, und ihr werdet sehen, wie das eure Beziehung weiterbringt! Die Katze springt empört vom Schoß herunter und verschwindet. Lea seufzt resigniert; siehst du, sagt sie, so geht das bei meinen Therapie-Gesprächen auch meist aus!


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Mia stellt Lucy ein Schälchen Milch hin, und Lucy schnurrt dankbar. Sie sollte das zwar eigentlich nicht tun, schließlich ist es die Katze ihrer Nachbarin, aber die hat ewig Termine und ist furchtbar gestresst, hat wahrscheinlich irgendeinen blöden Karrierejob. Mia hat sie noch nie mit einem Mann gesehen, komisch eigentlich. Obwohl, was soll sie schon sagen, ich sehe mich ja auch ziemlich selten mit einem Mann, oder?, sagt sie zu sich selbst und zu Lucy. Mia weiß, dass die meisten Männer sich vor ihr fürchten; sie ist promovierte Philosophin und leider, leider, viel zu klug für die meisten Männer, selbst für die Akademiker, die am Ende dann doch lieber eine sanfte Krankenschwester oder eine nette Grundschullehrerin heiraten. Mia kennt alle Gründe dafür, die guten und die schlechten, aber das löst das Problem nicht. Philosophen sind halt, sagt sie zu sich selbst und zu Lucy, nicht so gut im Probleme beheben! Neulich aber hat sie eine sehr, sehr kluge Idee gehabt. Sie schreibt jetzt ein Lebenshilfebuch, anonym natürlich, es wäre ihr Tod, wenn die Kollegen davon erführen: 'Die Liebes-Diät. In nur sechs Wochen zur amourösen Unabhängigkeit!' Was würde man nicht an Zeit, Geld und Sorgen sparen, wenn man sich einfach – für unabhängig erklärte von dieser ganzen Beziehungsdramatik? Einfach mal sechs Wochen – nicht an das L-Wort denken; immer wenn es sich vordrängelt im Kopf oder im Bauch, gezielt an etwas anderes denken, es musste ja nicht gleich etwas Wichtiges sein oder gar etwas Kluges, aber allein die frei werdenden Gehirnkapazitäten! Aber ihr, sagt sie zu Lucy, wisst das sowieso schon, oder? Man soll einfach nicht über die Liebe nachdenken. Es gibt so viel Wichtigeres auf der Welt. Draußen ist der Wind aufgefrischt.


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In Verlagsprospekt steht, groß und seltsamerweise in einer romantisch verschlungenen, rosafarbenen Schrift: „Die Liebes-Diät. In nur sechs Wochen zur amourösen Unabhängigkeit! Bestellen Sie jetzt vor und erproben Sie die neue, sensationelle Diät, die Ohr Leben auf den Kopf stellen wird! Die promovierte Philosophin, Diplom-Psychologin und langjährige Paartherapeutin Hersilie Stumm zeigt Ihnen, wie Sie die Romantikerin in Ihnen ein- für allemal zum Schweigen bringen! In nur sechs Schritten lernen Sie, mit anschaulichen Illustrationen und in einfacher Sprache, ihre antrainierten amourösen Reflexe zu bemerken und zu kontrollieren. Sie werden ungeahnte Ressourcen in sich entdecken, wenn Sie sich vom Zwang zur romantischen Liebe freimachen – geistige, kreative, finanzielle! Auch geeignet für Bindungsverweigerer, Mehrfachgeschiedene und Sexsüchtige! Erhältlich als E-Book und Hörbuch“. Niemand nimmt die Prospekte mit. Als ein Windstoß sie wegweht, läuft ihnen ein Yorkshire-Terrier hinterher und schnappt nach ihnen.


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Emma bückt sich etwas angestrengt nach dem bunten Papier, das ihr gerade vor die Füße geflattert ist. 'Die Liebes-Diät', was soll das denn nun wieder sein, sechs Wochen nur Aphrodisiaka, oder was, Sellerie soll ja gut sein, Himmel, woher weiß sie das eigentlich? Die Autorin hätte doch einfach nur sie fragen können. Emma ist das, was weniger politisch korrekte Zeiten eine „alte Jungfer“ genannt hatten, also: eine alleinlebende Frau, kurz vor der Rente und natürlich Lehrerin, wie sich das gehört für eine alte Jungfer. Emma findet das schon seit längerem gar nicht so schlimm; klar, als sie jung war, war sie natürlich verliebt, das gehörte einfach dazu, und beinahe wäre es ja auch so weit gewesen, Himmel, sie kann sich schon gar nicht mehr richtig an sein Gesicht erinnern, aber an seinen Namen natürlich, es war ein schöner altmodischer Name gewesen – Anton, Anton und Emma. Manchmal malt sie sich aus, wie ihr Leben heute wäre, wenn es alles anders gekommen wäre. Aber dann sieht sie sich um in ihrer gemütlichen kleinen Wohnung. Alles ist so, wie es sein soll, keine zerknüllte Männersocke liegt auf dem sorgsam gepflegten Teppich, keine ewig aufgeschraubte Zahnpastatube im Bad, keine leeren Bierflaschen in der Küche. Nur auf dem Couchtisch liegt ein aufgeschlagener Roman, von Jane Austen, einer alten Jungfer natürlich; aber wie konnte sie über die Ehe schreiben und die Männer und die Frauen und die ewigen Missverständnisse! Mit Büchern konnte Emma sich schon immer besser unterhalten als mit Menschen. 'Liebes-Diät', ach was; man konnte sich von der Liebe entwöhnen wie von jedem eingebildeten und anerzogenen Laster, langsam, mit einem eisernen Willen und genug Selbstbewusstsein um zu wissen, dass man auch allein eine vollständige Person war. Und immerhin, sie hat ja ihre Neffen; hat ihr nicht neulich noch einer gezeigt, wie man einen Papierflieger bastelt? Und Emma beginnt, den Prospekt in scharfe Falten zu knicken.


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Was für ein professionell gefalteter Papierflieger! Anerkennend besieht Anton das bunte Gebilde, das er auf der Straße gefunden hat. In seinem früheren Leben war es wohl einmal ein Verlagsprospekt gewesen, er kann gerade noch die Worte „Lieb“ und „Diät“ entziffern. Mit Diäten kennt er sich aus, seitdem er auf der Straße lebt; aber er hatte es nicht anders gewollt. Früher hatte er noch gedacht, sein Leben würde in normalen Bahnen verlaufen, mit einem guten Job und einer guten Frau – dunkel erinnert er sich, Emma hatte sie gehießen, und sie war klug gewesen und hatte gern Bücher gelesen, während er ja eher – ach, er kann sich schon selbst nicht mehr genau erinnern, was er damals eigentlich wollte, er war halt anders. Anton spricht seit langer Zeit mit niemanden mehr, außer es muss unbedingt sein. Worüber sollte man auch sprechen, es war ja doch immer das gleiche: Geld, Geld, Geld, Sex, Sex, Sex, Macht, Macht, Macht! Das brabbelt er auch gelegentlich vor sich hin, die Worte hart aneinanderreihend und in einem sich immer mehr steigernden Tempo, bis die Worte wie Pistolenkugeln aus seinem schmalen ungepflegten Mund fliegen. Dann geben ihm die Leute Geld, damit er schnell wieder ruhig ist. Sorgfältig faltet er den Papierflieger auseinander; er kann ihn gut als Unterlage für sein spartanisches Mittagessen gebrauchen.


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Dass die Leute überall ihren Müll rumliegen lassen müssen! Angewidert nimmt Klaus das leicht angefettete Stück Papier von der Bank; komischerweise steht groß das Wort „Lieb“ gerade dort, wo der Fettfleck ist. Klaus ist eigentlich guter Stimmung; er kommt gerade von seinem Scheidungstermin, und wie schon bei den letzten vier Mal fühlt er sich geradezu physisch befreit: Die Welt liegt vor ihm, voller schöner Frauen und ungeahnter Möglichkeiten! Na gut, man wurde nicht gerade jünger, und die Unterhaltszahlungen waren inzwischen ein echtes Problem; wenigstens hatte er sich nicht dazu hinreißen lassen, auch noch eine Schar Kinder in die Welt zu setzen, die ihm jetzt auf der Tasche lägen! Aber Klaus ist sich sicher, dass seine Wirkung auf Frauen ungebrochen ist; und der Aktienmarkt würde schon das Übrige tun. Und waren es nicht gerade die großen, berühmten Männer, die sich nicht auf die eine bürgerliche Normalehe, "bis dass der Tod uns scheidet", hatten festlegen lassen? Immerhin, er war ja nicht Heinrich VIII., der zwei seiner Ehefrauen köpfen ließ und es immerhin auf sechs Ehen insgesamt gebracht hatte. Hatte er nicht gerade irgendwo gelesen, dass Gerhard Schröder auch wieder geheiratet hatte, die wievielte Ehe war das eigentlich genau? Er sollte sich schnell eine Notiz machen. Heimlich sammelt Klaus nämlich Beispiele der notorischen „Ja-Sager“ in Geschichte und Politik. Er nimmt das angefettete Papier noch einmal in die Hand und zieht einen silbernen Stift mit Monogramm aus der Tasche.


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Sollte sie oder sollte sie nicht? Eva kann sich nicht entscheiden. Trotz des Trennungsjahres und obwohl sie wirklich, wirklich froh ist, Klaus endlich los zu sein mit seinem Macho-Gehabe und seinem Heinrich-VIII-Tick, geht ihr das jetzt doch zu schnell. Natürlich hat sie sich gut verstanden mit dem Scheidungsanwalt, ein bisschen sieht er so aus wie in diesen amerikanischen Anwaltsserien, denkt sie, immer im schicken Anzug und so charmant, dass sogar die Richterinnen ihnen gleich verfallen. Aber sie will auf keinen Fall wieder etwas Festes. Es gibt ja heute so viele Möglichkeiten, das hatte sie jedenfalls gelesen; friends with benefits, klingt eigentlich ganz einleuchtend, vielleicht hätte sie sowieso bei ihren bisherigen Männern besser darauf achten sollen, ob sie eigentlich als Freunde getaugt hätten! "Lebensabschnittspartnerschaft", Gott, das klingt so furchtbar nach Behörde und Steuererklärung und Ehe für alle, nee, das will sie nun auch nicht. Oder, ganz neu: "Polyamorie"! Ist wenigstens ein schöneres Wort, auch wenn sie sich nicht sicher ist, ob sie das Ganze verstanden hat. Vielleicht sollte sie mal in eine Buchhandlung geben, es gibt doch Ratgeber für alles heutzutage! Zufällig fällt ihren Blick auf ein angefettetes, scharfkantig gefaltetes Stück Papier, über das groß gedruckte Wort „Liebe“ steht in einer Schrift, die ihr bekannt vorkommt, „Gerhard Schröder“ gekritzelt. Lachend nimmt Eva das Stück Paper in die Hand, faltet es wieder zu einem Flieger und lässt ihn fliegen.


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Der Verlag hat die Ankündigung für den neuen Ratgeber 'Die Liebes-Diät' gleich in die Eropedia eingestellt, Stichwort: „Asexualität“. Das noch neue Wiki erfreut sich steigender Beliebtheit bei den NutzernInnen, auch wenn die „Putztruppe“ kaum mit der Arbeit nachkommt. Natürlich würde die Plattform besonders viele Trolle, Perverse und Vandalen anziehen, das war den GründerInnen von Anfang an klar; aber vom Ausmaß des Missbrauchs sind sie doch etwas überrascht. Aber es gibt auch viele enthusiastische neue Autoren und Autorinnen, die gute Arbeit leisten. Der Artikel ‚romantische Liebe‘ war soeben ausgezeichnet worden wegen seiner historisch belegten, sachlich und allgemeinverständlich gehaltenen, reich illustrierten, aber auch kritisch reflektierenden Darstellungsweise. Heute ist der Artikel des Tages „Die Liebe im Rechtssystem“, ein umfassender Überblick über die Rechtsnormen der Beziehungsformen von der Frühzeit der Menschheit bis ins 21. Jahrhundert.


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Melinda hat, gegen besseres Wissen, „#MeToo“ in der neuen Eropedia angeklickt. Der Artikel ist riesenlang und hat eine noch längere, von der Putztruppe heftig zensierte Diskussionsseite. Natürlich ist sie auch schon begrapscht worden, das erste Mal damals in der Seilbahn, sie war so 15 Jahre vielleicht, und der Kerl hat ihr doch tatsächlich in der Enge an den Po gegriffen! Sie war eher, naja, so eine Mischung aus verwirrt und mitleidig gewesen; was für ein erbärmlicher Typ, und sie hatte noch nicht mal einen besonders attraktiven Hintern gehabt! Aber klar, es war ein ernstes Thema; es war nur alles so schwierig, wie immer, wenn es um Sex ging und eigentlich, wenn man ehrlich war, keiner so recht wusste, was er wollte oder sie dachte oder beide irgendwie noch gerade verantworten konnten. Es sollte inzwischen schon Apps oder gar Formulare für einvernehmlichen Sex geben, um all diese Missverständnisse zu vermeiden! Melinda ist froh, dass sie nicht mehr jung ist und in einer festen Beziehung lebt. Sie stellt sich vor, wie es damals gewesen wäre, in der Schulzeit, wenn beim Rumknutschen immer irgendwann einer das Handy gezückt hätte und, äh, könntest du hier vielleicht mal klicken? gesagt hätte. Und in jedem Auto hätte neben Fahrzeugschein und Kondompackung ein Vertragsformular gelegen, natürliche volle Amtssprache, sie war Rechtsanwaltsgehilfin und kannte sich aus mit sowas; also beispielsweise: "der/die/das Sexualpartner*in" (Name einfüllen), im folgenden genannt SP 1, vereinbart mit der/die/das Sexualpartner*in für die im folgenden benannte Zeitspanne (genaues Datum einfüllen, Form: Stunde-Tag-Monat-Jahr bis Stunde-Tag-Monat-Jahr) den einvernehmlichen Vollzug folgender sexueller Handlungen (Liste, zum Ankreuzen)"; dann Gerichtsstand (sie muss etwas kichern) etc. pp. Gibt es bestimmt auch schon einen Artikel in der Eropedia, gleich mal gucken! Der von der Redaktion ausgezeichnete Artikel zur ‚Romantischen Liebe‘ ist ihr sowieso zu lang; und wen interessiert das eigentlich noch?


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Bastian muss eine Seminararbeit schreiben, und er verflucht sich seit Tagen, dass er sich auf dieses dämliche Thema eingelassen hat, es ist das reine Dynamit, aber die Sozialkunde-Lehrerin findet er ziemlich süß, und es war ihr so wichtig, dass „ein Mann“ dieses sensible Thema übernahm! „Die Kulturgeschichte der Vergewaltigung“, ehrlich, geht’s noch? Aber nun gut, dafür gibt es ja dieses neue Wiki, Eropedia, genau, gleich mal gucken. Och nee, der gerade ausgezeichnete Artikel ist ‚Romantische Liebe‘, das kann er nun wirklich gerade nicht brauchen! So, ‚Vergewaltigung‘ – oops, ist ja auch mächtig lang! Und Bastian beginnt zu lesen. Als er seinen Blick zehn Minuten später wieder hebt, steht Verzweiflung in ihm zu lesen. Er hat gelernt, dass Vergewaltigungen die Geschichte der Menschheit begleiten, von ihren dokumentierten Anfängen an (und also ziemlich sicher auch früher). Dass das kulturell und historisch übergreifende Auftauchen von Vergewaltigungen dazu führt, dass sie einen vorderen Platz in der Liste allgemeiner kultureller Universalien einnimmt (die Liste wird im Übrigen angeführt von Mord). Vergewaltigung war über lange Zeit hinweg weder gesetzlich verboten noch moralisch geächtet; wenn man Frauen kaufen konnte, konnte Mann offensichtlich ja auch über seinen Besitz verfügen. Vergewaltigung spielte nicht direkt eine Nebenrolle in den großen Mythen, und schon der Trojanische Krieg war im Endeffekt der Kollateralschaden einer gewaltsamen Entführung einer Frau. Und natürlich waren, da waren die Zahlen statistisch eindeutig genug, die Rollen klar verteilt: Männer waren und sind die Vergewaltiger, Frauen waren und sind die Opfer. Bastian schämt sich, fremd und selbst. Er erwägt kurz die Möglichkeit, das Geschlecht zu wechseln, entscheidet sich aber dagegen. Morgen wird er zur Sozialkunde-Lehrerin gehen und um ein neues Thema bitten; romantische Liebe, denkt er, die Kulturgeschichte der romantischen Liebe, genau!


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Martin bereitet sich auf sein Examen in Familienrecht vor. Im Moment sitzt er in der Bibliothek und starrt auf den immergleichen Satz. Er steht in dem Artikel „Ehe für alle“ auf Eropedia und lautet: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen". Vor der neuen Gesetzgebung war es der gleiche Satz, aber einfach nur „zwei Personen“. Wenn nun also, so überlegt Martin, zwei Personen beliebigen Geschlechts eine Partnerschaft schließen wollen, so können sie heiraten. Also, gute Freunde beispielsweise. Oder Geschwister. Oder – naja, irgendwelche Leute, die gern Steuern sparen wollen. Denn, so hat sich Martin gerade informiert: Der „eheliche Beischlaf“ (eigener Artikel auf Eropedia, früher auch genannt: Konkumbenz) gehört zwar irgendwie zu den Ehepflichten, man kann ihn aber nicht direkt einklagen; jedenfalls ist die Rechtsprechung da ziemlich uneindeutig. Und wie sollte man sich das auch vorstellen? Da kommt also der Standesbeamte einmal im Jahr zu Besuch und sagt: Haben Sie auch schön gemeinsam Ihre ehelichen Pflichten vollzogen oder mal wieder nur Steuern gespart? Was aber macht denn nun die Ehe aus, die vom Staat doch geschützt werden soll, stand das nicht irgendwo in der Verfassung? Ach gut, dazu gibt es auch einen Artikel auf Eropedia, und Martin liest: Die Verfassung schützt tatsächlich nur die „Lebensgemeinschaft von Mann und Frau“; weil sie nämlich als notwendige Vorstufe zum Schutz der Familie gesehen wird, die erst dann gegeben ist, wenn ein Kind aus ihr hervorgeht. Macht ja auch irgendwie Sinn, denkt Martin; Kinder sind wichtig für den Staat, wegen der Renten und überhaupt. Aber Ehen? Und überhaupt: „auf Lebenszeit?“ Manchmal ist das BGB ja wirklich nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Aber was soll man sich wundern, sogar bei Eropedia ist es ja nicht anders: Der Artikel des Tages war gestern doch tatsächlich „Romantische Liebe“! Soooo 20. Jahrhundert!


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LGBT. Oder doch GLBT? Besser jedenfalls als LSBTTIQ! Lisa könnte verzweifeln. Sie ist freischaffende Architektin und plant gerade ein kommunales Zentrum für Integration (aus nachvollziehbaren Gründen haben die Auftraggeber davon abgesehen, dafür ein Akronym zu bilden). Und wie jedes Gebäude braucht auch dieses Orte – für das natürlichste aller Bedürfnisse; oder ist es gar nicht das Natürlichste? Der Gedanke schießt Lisa nur kurz durch den Kopf, sie zwingt sich schnell, wieder auf ArchiCad zu schauen; die Frage muss jetzt ein für- allemal gelöst werden! Also, wieviel verschiedene Toiletten für wie viele verschiedene Geschlechter? Als sie auf diese neue Plattform, Eropedia, schaut, trifft sie beinahe der Schlag: Sechzig verschiedene Geschlechtstypen bei facebook! Das wären dann sechzig Klos in einem Gebäude mit fünf Zimmern. Wenigstens scheinen die Buchstaben in allen größeren europäischen Sprachen die gleichen zu sein, auch wenn gelegentlich in anderer Reihenfolge. Andererseits, so überlegt Lisa, wird ein größerer Teil der Kundschaft eher aus dem arabischen Raum stammen. Eine etwas komplexere Recherche – Eropedia hat noch keinen arabischen Artikel – erbringt, dass es im Arabischen zwar eine sehr große Zahl von Bezeichnungen für Homosexuelle gibt, die meisten sind aber sehr, sehr beleidigend und kaum übersetzbar. Afrika? Sie mag schon gar nicht mehr nachsehen; gab es nicht mehrere tausend afrikanische Sprachen? Verzweifelt schlägt sie ihr Laptop zu. Soll der Auftraggeber das doch bestimmen! Das sind schließlich die Integrationsspezialisten! Früher war doch alles einfacher, denkt Lisa etwas melancholisch; auf der Schule zum Beispiel waren eh die Jungenklos ständig kaputt, und auf die Mädchenklos ist auch keine freiwillig gegangen. Da fällt ihr ein, sie hat doch gerade auf Eropedia gesehen, dass der Artikel ‚Romantische Liebe‘ ausgezeichnet wurde; vielleicht hat der ja ein paar gute Hinweise auf altmodische, strikt zweigeschlechtliche Liebesromane? Zum Arbeiten hat sie heute eh keine Lust mehr.


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Im Sommernachts-Programm des lokalen Kinos steht auch dieses Jahr wieder die Reihe „Klassische Liebesfilme“ an. Sie richtet sich eher an das ältere Publikum, die Kids gehen ja sowieso nicht mehr ins Kino. Deshalb gibt es an den Premium-Terminen für die Bestagers ‚Casablanca‘ und ‚Vom Winde verweht‘; und für die Mittelalten ‚Harry und Sally‘ und ‚Schlaflos in Seattle‘. Dazu haben die Veranstalter ganz wagemutig eine Mitternachtsvorstellung angesetzt: ‚Shades of Grey‘, mit gedämpftem Rotlicht, obwohl einige der Sponsoren da doch Bedenken hatten. Auch bei anderen Klassikern wurden ganz neue Einwände vorgetragen: ‚Out of Africa‘ – sei das nicht eine Spur rassistisch? Früher wurde auch gern ‚Sissi‘ gezeigt, alle drei Filme in einer Nacht; aber das ist heutzutage einfach nicht mehr möglich: eine magersüchtige 16jährige, die den Kaiser anhimmelt, was ist denn das für ein Frauenbild? Stattdessen haben die Veranstalter ein paar Disney-Filme mit eingeschmuggelt: Aber zu ‚Shrek‘ kommen Jung und Alt genauso gern wie zu ‚Cinderella‘ und ‚Die Schöne und das Biest‘. Und außerdem gibt es noch ‚Harry Potter und der Feuerkelch‘ – einfach, weil es Harry Potter ist.


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Natürlich hat sie den Film schon mindestens siebenmal gesehen, sie ist ja auch nicht mehr die Jüngste. Trotzdem überlegt Luise, als sie den Prospekt für das Sommernachts-Kino aus der Post holt, ob sie nicht dieses Jahr wieder zu 'Vom Winde verweht' geht und ein achtes Mal zusieht, wie sich Scarlett O’Hara selbst betrügt und dem todlangweiligen und moralisch ach so überlegenen Ashley hinterherläuft, der ja nun wirklich, das sieht man nach einer Minute, ausschließlich zu der genauso blassen und beinahe schon heiligenmäßigen Melanie gehört. Es ist schon erstaunlich, denkt sie, wie man sich über seine wahren Gefühle täuschen kann, wenn der Kopf dazwischenredet! Aber dann lacht sie, weil sie sich erinnert, dass sie früher – ungefähr die ersten drei Male vielleicht, als sie den Film gesehen hat, mit wechselnden Partner, meist eher blassen und sehr idealistischen Jungmännern – genau den gleichen Fehler gemacht hat; Rhett war ihr irgendwie unheimlich, Ashley hingegen – naja, er wirkte so harmlos. Danach kam die Phase, wo sie zwischen Rhett und Ashley hin- und hergerissen war; inzwischen hatte sie auch andere Begleiter, wenn auch, leider, leider, niemals ein echter Rhett Butler darunter war. Dieses Jahr nun würde sie – allein dorthin gehen, und Luise gesteht sich ein, dass sie das eigentlich für einen Fortschritt hält, schon deswegen sollte sie zum achten Mal hingehen! Vielleicht würde sie dieses Mal sogar den Schluss verstehen, ohne einen nervig vor sich hin zappelnden Mann an ihrer Seite; die Szene also, wo Scarlett über das zerstörte Tara schaut und feststellt, dass sie eigentlich – gar nichts anderes braucht als Tara. Ob Rhett Butler zurückkommt oder nicht, was spielt das für eine Rolle? Soll er zum braven Farmer werden und sie zur hingebungsvollen kuchenbackenden und marmeladeproduzierenden Landfrau? Ach was. Tara. Darauf kommt es an. Auf die Erde, das Land, das, was bleibt.


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Meistens hatte ihn eine Frau gezwungen, den Film anzuschauen, wenn er wie jedes Jahr im Sommernachtskino auf dem Programm stand: 'Casablanca', ich schau dir in die Augen, Kleines, und nie hatte er gewusst, wo er hinsollte mit seinen Augen in dieser Szene. Leo ist sich nicht sicher, wie oft er den Film schon gesehen hat; er kennt Rick’s Café jedenfalls wie seine Lieblingskneipe und würde sich in den nächtlichen Straßen der Filmstadt zurechtfinden, während die Suchscheinwerfer der deutschen Besatzer irrlichternd darüber hinweg streifen. Wenn er es ganz furchtbar langweilig fand, hat er sich früher damit beschäftigt, andere Enden für den Film auszudenken: Rick und Ilsa eröffnen eine neue Bar in Casablanca und werben Sam ab; es wird aber ein Reinfall, weil die Drinks nicht gut genug sind. Oder: Rick tötet Laszlo und steigt stattdessen mit Ilsa in das bereitstehende Flugzeug; sie zerstreiten sich aber schon während des Flugs darüber, wer am Fenster sitzen darf. As time goes by – passieren bekanntlich die seltsamsten Dinge. Heute ist keine Frau mehr da, die ihn zwingt, sich 'Casablanca' zum sieben oder achten Mal anzuschauen; und Leo beschließt, dass das ein hinreichender Grund ist, sich den Film das erste Mal allein anzuschauen. Er freut sich schon jetzt auf die Schlussszene, die ihm als einzige an dem ganzen Film immer eingeleuchtet hat: „Ich denke, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“. Auf die Freundschaft kommt es an, unter Männern sowieso, denkt er. Der Rest ist nur Vorspiel.


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Natürlich ist sie mit Harry Potter groß geworden, sie kann jede Station ihrer Kindheit mit einem der herbeigefieberten Erscheinungstermine der sieben Bände verbinden, vom Lesenlernen bis zum Abi-Ball, an dem sie ein ähnliches Kleid trug wie Hermine beim Ball nach dem Quidditch-Turnier. Natürlich hat sie auch alle Filme gesehen, im Kino und zuhause auf DVD. Aber vielleicht sollte sie doch noch einmal hingehen zum Sommernachtskino, jetzt, wo sie beinahe erwachsen ist und eigentlich über so etwas heraus? Lilli dreht den Kinoprospekt unentschlossen in den Fingern mit den langen künstlichen Nägeln. Ist ja komisch, der Film ist doch eigentlich gar kein Liebesfilm; und was sie sowieso immer ein wenig gestört hat an der ganzen Geschichte ist, dass Harry und Hermine nicht zusammengekommen sind. Ich meine, denkt sie, Hermine und Ron – schon ganz lustig, aber wie soll er es bloß aushalten mit einer Frau, die ihm intellektuell ungefähr hundertfach überlegen ist? Und wie lange wird sie seine kindischen Scherze und Streiche noch komisch finden? Ach, Harry und Hermine, es wäre so schön gewesen. Beinahe ohne nachzudenken nimmt sie ihr Handy zur Hand und googelt „Harry Hermine Paar“. Schon der erste Treffer ist ein Interview mit der Autorin, und Lilli traut ihren Augen kaum: Klar, sagt Frau Rowling, natürlich sind Harry und Hermine das eigentliche Paar und Hermine und Ron ein potentieller Fall für die Eheberatung; sie habe aber persönliche Gründe gehabt, genau diese Konstellation zu wählen, über die sie jetzt nicht sprechen wolle. Ok, denkt Lilli erleichtert, man kann einen Welterfolg schreiben und dabei das falsche Liebespaar in den Mittelpunkt stellen! Die Leute merken es einfach nicht; wahrscheinlich, weil sie sowieso gewohnt sind, dass immer die Falschen zusammenkommen!


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Luis schaut auf seine Star-Wars-DVD-Sammlung. Eigentlich möchte er zusammen mit seiner neuen Freundin Lilli einen Star-Wars-Filmeabend machen, sie hat sie nämlich alle noch nicht gesehen, totale Bildungslücke! Doch jetzt, wo er darüber nachdenkt, was sie denn an all den Raumschiffen und Gefechten und Männern in komischen Uniformen interessant finden sollte, fällt ihm etwas auf, was er vorher noch nie bemerkt hat: Es gibt gar keine richtige Liebesgeschichte! Ich meine, denkt er, natürlich gibt es Liebesgeschichten, aber sie sind doch irgendwie – nebensächlich und auch reichlich seltsam! Dass aus Han Solo und Leia nichts werden konnte, dafür brauchte man wirklich nicht erst ihren verkorksten Sohn zu sehen, und mit Anakin und Padme war es ja nun genauso. Vater-Sohn-Konflikte, natürlich; und echte, tiefe Freundschaft, wie zwischen Luke und Chewbacca, ganz klar, das war wichtig! Und wenn man sich unbedingt verlieben wollte, hatte sich doch noch jeder in Meister Yoda verliebt! Genauso, fällt ihm jetzt ein, wie beim ‚Herrn der Ringe‘ – wo es mit Liebesgeschichten insgesamt noch schlechter aussah, schon, dass Frodo solo war und nur Sam eine tapsige Hobbit-Liebesgeschichte abbekommen hat! Aber dafür gab es ja Gandalf. Genau, so würde er es Lilli verkaufen, sie war schließlich eine intelligente Frau und wusste, was sie wollte: Die Jedis und Zauberer dieser Welt waren die eigentlichen Traummänner! Was waren schon ein Clark Gable oder Humphrey Bogart – Luis war einen Moment stolz auf sich selbst, dass ihm diese geradezu historischen Beispiele für Traummänner einfielen – gegen Gandalf oder Yoda? Bubis!


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Der Autor des Artikels 'Romantische Liebe' kratzt sich am Kopf. Klar, die Auszeichnung war klasse gewesen, aber so hatte er sich das nicht vorgestellt! Er hatte gedacht, das sei ein schönes altmodisches Thema, das man ein- für allemal abhandeln könnte; schließlich glaubte doch sowieso keiner mehr dran außer der Werbe- und Hochzeitsindustrie! Aber ständig muss er nun die Seite aktualisieren. Jetzt war gerade wieder eine philosophische Zeitschrift erschienen, die ein ganzes Heft der "Liebe" gewidmet hatte; ein roter Kussmund strahlt ihm vom Cover entgegen und Romeo murmelt vor sich hin: Lippenstift, künstliche Farbe, angeblich kussecht, aber sonst nichts! Da hielt er es doch lieber mit Barack Obama und seinen drei Ratschlägen für eine gute Ehe, die er gestern gelesen hatte; da war weder von Lippenstift noch von romantischer Kuschelmusik, Liebesfilmen (angewidert schiebt er einen Kino-Prospekt beiseite, nein, nicht zum achten Mal 'Casablanca'!) oder Dating Apps die Rede. Aber natürlich hatte das gleich wieder eine Schlammschlacht im Internet ausgelöst, #funnyorwhat, Geschlechterkrieg 4.0 hätten sie es nennen sollen; vielleicht waren ja irgendwann wenigstens Küchengeräte smart genug, um diese ewige Kabbelei zu vermeiden! Oder dieses neue Buch, das er tückischerweise und an den Moderatoren vorbei in die Literaturliste zum Artikel 'Romantische Liebe' geschmuggelt hatte: 'Die Liebes-Diät. In nur sechs Wochen zur amourösen Unabhängigkeit'. Ach, wenn Diäten doch nur helfen würden! Romeo klappt den Laptop zu. Morgen will er noch an seine Ex-Frau Julia schreiben und sie bitten, den Artikel aus weiblicher Sicht zu lesen. Sie ist eine vernünftige Frau und vielleicht hätte ja sogar aus ihnen beiden etwas werden können, sogar Bratkartoffeln konnte sie machen, denkt Romeo melancholisch. Aber viel zu jung waren sie gewesen, und viel zu viele dumme Filme hatten sie gesehen, in denen immer die Falschen zusammenkommen. Was eigentlich wichtig wäre, denkt Romeo, während er sich die Zähne putzt, wäre eine Art – Liebeserziehung. Beziehungsunterricht. Partnerschaftstraining. Aber eine vernünftige, keine romantische! Aber auch daraus würden sie wieder nur ein Geschäft machen, wie aus allem. Geld, Liebe, Macht, nur darum ging es; und eigentlich waren die ersten beiden auch nur eine Variante des dritten. Seufzend schlägt Romeo seine Bettdecke zurück und verjagt die Katze. Vielleicht, wenn er großes Glück hätte, würde er etwas Schönes träumen. Im Traum, ganz selten, hatte man ein Gefühl von wahrer Liebe; aber man konnte es nicht festhalten.


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