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Der Tag, an dem ich meinen freien Willen bei Ebay verkaufte

Eine philosophische Erzählung in sieben Akten

I.

Alles fing damit an, dass ich meinen Kleiderschrank ausmisten wollte. Es ist ein sehr großer Massivholzkleiderschrank, mit Schubladen und Stangen intelligent und übersichtlich gegliedert, aber irgendwann ist auch die Kapazität großer Massivholzkleiderschränke erschöpft. Nun gehöre ich gar nicht zu den Frauen, die jeder neuen Mode hysterisch hinterherhinken; eher im Gegenteil. Ich kaufe brave, haltbare, der Euphemismus der Werbeindustrie ist: „klassisch-zeitlose“ Bekleidung, mit der man nicht auffällt, aber die ich leiden mag. Da ich sie aber leiden mag, mag ich mich nicht von ihr trennen. Es gibt Pullover, die sind inzwischen eher wollene Erinnerungsspeicher denn Kleidungsstücke; den Norwegerpullover beispielsweise, den ich in meiner Jugend selbst gestrickt hatte, er war aus Schafwolle, die man auf einem Bauernhof kaufte und die ziemlich kratzig war, aber ich hatte die Raglanärmel gemeistert, und das Muster war nun wieder klassisch-zeitlos, und ich würde ihn nie, nie wieder tragen, weil er inzwischen viel zu klein war, von seinem kratzigen Charakter ganz abgesehen. Immerhin habe ich vor einiger Zeit eine Art Zwischenstufe oder Vorhölle auf dem Weg zum Altkleidercontainer angelegt, für Klamotten, die noch gut genug sind für die Gartenarbeit oder zum Renovieren (Endstation). Das eigentliche Problem ist auch nicht, dass man nichts mehr hineinbekommt in das Schrankmonster. Nein, die Simplify-your-Live-Ratgeber haben einfach Recht: Wer nicht einmal seinen Kleiderschrank nicht unter Kontrolle bekommt, wird demnächst auch die über sein Leben verlieren. Ich bin eigentlich sogar ein Kontrollfreak. Ich habe nur einige Schwächen.

An diesem Tag also hatte ich all mein Pflichtgefühl zusammengenommen (es hat eine ziemlich große Kammer in meinem Kopf und ist von dominanter Natur), mir jegliche sentimentale Regung verboten und mich mit dem Sack vor den Schrank gestellt. Und während ich zögerlich Schubladen aufzog, dieses oder jenes vorsichtig in die Hand nahm, abwägend, bedenkend – vollzog mein Gehirn eine vertraute Ausweichbewegung, die mich häufig bei der Hausarbeit oder beim Zähneputzen überfällt: Es beginnt nämlich angesichts des Unbedeutenden und der Lappalie über wichtige Prinzipienfragen nachzudenken. Man kann es auch philosophieren nennen, und da in meinem durchgetakteten Tag zwar Slots fürs Zähneputzen oder die Hausarbeit reserviert sind, hingegen keiner für außerberufliches, freies Philosophieren, ist es eigentliche eine sehr sinnvolle Form von Multitasking (doch, gibt es wirklich, aber nur mit bestimmten Tasks, beim Zähneputzen reicht es eigentlich erfahrungsgemäß für ein oder zwei Aphorismen). Mein Gehirn begann also naheliegender Weise darüber nachzudenken, ob man nicht gelegentlich auch innere Kleiderschränke ausmisten sollte, was schon fast ein Aphorismus war, aber man soll Ordnung halten in seinen inneren Kleiderschränken und ich war ja nicht beim Zähneputzen. Nun war ich mir ziemlich sicher, dass ich ein solches geistigen Ausputzen regelmäßig vornahm und schon einige jugendliche Überzeugungen und Irrtümer (beide hatten einen erstaunlichen Überschneidungsbereich) entsorgt hatte; es war im Übrigen nicht minder schmerzhaft wie die Kleiderschrankrevision und vielleicht noch stärker sentimental überlagert. Aber gab es nicht doch, irgendwo, ganz versteckt hinter der Schublade mit den Sockenwaisen, etwas in meinem Kopf und meinem Leben, was ich partout nicht brauchte, nach der goldenen Simplify-Regel: Wenn du es im letzten Jahr nicht benutzt hast, brauchst du es offensichtlich nicht? Und ich weiß nicht, aus welcher dunklen Ecke mir der Gedanke in den Kopf sprang, der auf einmal sagte: Nun, offensichtlich hast du schon seit längerem auf die Benutzung deines „freien Willens“ (ich setze diesen Begriff hier einmal in die Anführungszeichen, in die er aufgrund seiner wesenhaften Uneigentlichkeit eigentlich gehört, man möge sie sich künftig hinzudenken) verzichtet, oder? Denk doch mal gründlich nach. Wann hast du das letzte Mal – irgendetwas völlig Spontanes, Abwegiges und Unberechenbares getan, das auch mit größter Mühe nicht auf eine hinreichende Ursache zurückzuführen oder auf einen begründbaren Zweck hin ausgerichtet war?

Nun bin ich zwar ein Kontrollfreak, aber weil ich eine philosophische Kontrollfreakin bin und weiß, dass man Einseitigkeit jeglicher Art vermeiden kann und soll, kann ich spontan sein. Ziemlich sogar. Mein Tag ist nämlich gar nicht restlos durchgetaktet, er hat geplanten Raum für Spontaneität, so komisch das klingt. Es ist eine Art – beherrschbare Spontaneität, und ich genieße sie sehr, wenn sie mir gelingt. Aber sie ist, ehrlich gesagt, nicht direkt: unberechenbar, unbegründbar, frei von Ursache und Wirkung und dem großen Determinismus-aller-Dinge, wie immer wir ihn nennen mögen. Sie sagt, zum Beispiel: Ach, schau, was für ein schöner Tag, du könntest heute Mittag einen Spaziergang machen anstelle des power naps, und es reicht auch, wenn du morgen die Bettwäsche wechselst! Freier Wille hat eher wenig damit zu tun. Wie mit den meisten Dingen überhaupt, und damit kehrte mein Gehirn wieder auf seinen gewohnten Denkpfad zurück, er hieß: „Freier Wille ist eine Fiktion von Leuten, die sonst arbeitslos wären (Philosophen, Theologen, Ideologen) oder eine Schutzbehauptung von Menschen, die damit ihre Gemeinsamkeit mit den Tieren vertuschen wollen“. Genau, sagte ich mir; und ergo: egal ob es ihn gibt oder nicht, ich brauche ihn jedenfalls nicht! Bin sowieso schon arbeitslos, bleibe das als Berufsphilosophin wahrscheinlich auch auf absehbare Zeit und habe eigentlich kein Problem damit, dass ich meine Katze Bella ab und zu für wesentlich schlauer halte als mich selbst! Weg damit, weg mit diesem dummen freien Willen, der, seien wir ehrlich, eine ernsthafte Behinderung beim Denken und vor allem beim Handeln ist! (beim Fühlen hingegen scheint seltsamerweise allgemein akzeptiert zu sein, dass es keinen freien Willen gibt, sonst könnte man sich ja beispielsweise entlieben, was aber gemeinhin als Zumutung empfunden wird; sorry, Abweg, meiner inneren Rechthaberin!).

Ich freute mich sehr, als ich diesen Gedanken gefasst hatte und auch keinerlei inneren Widerspruch von den verschiedenen Instanzen meines Gehirns hörte (der Pflichtteil nickte geradezu energisch, der Lustteil war völlig fasziniert von den neu sich eröffnenden Möglichkeiten). Aber dann sah ich auf meinen immer noch spärlich gefüllten Altkleidersack mit ein paar wollenen Dingen, die mir seltsam vertraut vorkamen; es zuckte in wenig in den Fingern, aber ich überwand die Versuchung, indem ich mich auf die unabweisbar in mir aufsteigende Frage konzentrierte: Wohin damit? (mit dem freien Willen, nicht mit dem Altkleidersack) Auf den Müllplatz der falschen Ideen in der Geschichte, damit er schlummere neben dem geozentrischen Weltbild, der Überlegenheit des Mannes und dem dialektisch unvermeidlichen Endsieg des Weltgeistes? Das hatte noch nicht einmal der freie Wille verdient. In ein Recycling-Verfahren gebrauchter Konzepte, vielleicht könnte irgendein Entwicklungsland noch etwas damit anfangen? Oder man könnte noch einige wiederverwertbare Elemente extrahieren (den Willen zum Beispiel) und den Rest auf den Müllhaufen der Geschichte werfen (die Freiheit also)? Oder doch besser zum Sondermüll, die Strahlungsgefahr schien mir nicht unbeträchtlich? Doch dann hatte ich die erlösende Idee: Ich würde es genauso machen, wie es alle mit den getragenen Schuhen machten und den ungelesenen Büchern und dem ererbten falschen Orientteppich: Ich würde meinen freien Willen bei Ebay versteigern!

II.

Schnurstracks, so spontan kann ich nämlich sein, ließ ich Säcke und Kleiderschrank und alle angefangenen anderen Ideen liegen und rannte zum Computer. Ich hatte schon das ein oder andere bei Ebay verkauft, meist sehr unter Preis in den Kleinanzeigen, und meinte also mit dem Verfahren vertraut zu sein. Allein, kaum hatte ich das Fenster geöffnet, begannen die Schwierigkeiten. Welcher Kategorie war der freie Wille wohl zuzuordnen? Gewohnt systematisch ging ich die Liste durch. „Beauty und Gesundheit“, könnte man vielleicht sagen; aber dann schien es mir doch eher so zu sein, dass die meisten Leute ihren freien Willen (immer schön die Anführungszeichen mitdenken!) genau dann aus der Tasche zogen, wenn sie etwas extrem Unvernünftiges und Gefährliches machen wollten, Rauchen zum Beispiel oder Bungee-Springen oder eine extreme politische Partei wählen. „Handy und Kommunikation“ erwog ich kurz, im Wesentlichen, weil ich mir dadurch eine erhöhte Trefferrate erhoffte; aber dann würde sicherlich irgendein babybärtiger Nerd meinen schönen freien Willen ersteigern und entweder eine süchtig machende App auf seiner Basis entwickeln oder gar eine KI entwickeln, die sich dann prompt gegen die Menschheit wenden würde und sie aus freien Willen, einfach so, mit den eigenen Atomwaffen in die Luft sprengen würde (na gut, das wäre schon ziemlich logisch folgerichtig, da braucht man gar nicht so viel freien Willen, sagte meine innere Zynikerin)! Auch „Heimwerker“ brachte mich einen Moment in Versuchung: Wir basteln uns einen freien Willen, zum Hausgebrauch, mit Anleitung in nur sieben Schritten und ohne zusätzliches Werkzeug, beispielsweise Verstand! Oder gar „Spielzeug“, aber dann dachte ich daran, wie schön unser Sohn früher spielen konnte, ganz ernsthaft und natürlich und folgerichtig, und man soll nicht die wenigen Dinge zerstören, die noch uninfiziert sind von der großen Bullshit-Blase, die sich inzwischen auf jeden einzelnen Lebensbereich gestürzt hat und wie ein Krebs immer weiter wuchert, Phrase um Phrase. Aber „Sammeln und Seltenes“, war das nicht eigentlich das Beste? „Selten“ war immerhin der nächste Nachbar von „nie“, wo meines Erachtens der freie Wille eigentlich wohnte; und es würde sich sicherlich ein Exzentriker finden, der einen kleinen freien Willen, sauber eingeglast (es schwebte mir ein Bild von diesen seltsam bleichen Homunculi, die früher in Naturaliensammlungen in Gläsern aufbewahrt wurden, vor meinem inneren Auge) neben – was weiß ich, ein seltenes Fabergé-Ei oder die Blaue Mauritius oder den letzten Nacktmull, bevor sie alle von Google in einem fehlgeschlagenen Experiment über die Unsterblichkeit verbraucht wurden? – stellen würde. Aber wer würde schon suchen in „Sammeln und Seltenes“? Nein, die innere Pragmatikerin sagte: Sei vernünftig, du willst das Ding schließlich los sein, oder? Also, ab unter „Verschiedenes“! (die Pragmatikerin war sehr interessiert daran, den freien Willen los zu werden; sie hatte ihn seit jeher als eine Art Konkurrenz aufgefasst, es sei aber kein fairer Wettbewerb, so lamentierte sie immer wieder).

Aber damit nicht genug der Entscheidungen! Als nächstes drohte das Feld „Zustand“. Nun, wahrscheinlich lügen hier alle ein bisschen, flüsterte die Pragmatikerin. Warum also sollte ich nicht herzhaft hinschreiben: „Neu, praktisch unbenutzt, in Originalverpackung?“ Ich verfiel in ein kurzes Brüten. Wenn ich wirklich noch nie meinen freien Willen eingesetzt zu haben glaubte, was sagte das über mich als Person? Über mein Leben? Auf die Welt gekommen, geschrien und von da an unbeirrt ihren Weg gegangen. Ein Tag nach dem anderen genommen, nie ein Ziel gehabt, versehentlich einige erreicht. Irgendwann verstanden, dass nicht wir die Dinge formen, sondern die Dinge uns. Verstanden, dass wir nicht Entscheidungen treffen, sondern unser Bewusstsein uns Entscheidungen vorspiegelt, die unser Gehirn längst getroffen hat, mit der nötigen zeitlichen Verzögerung für langsame Einbahndenker. Verstanden, dass Menschen hilflose Wesen sind, die auf den Tod zu rennen, indem sie versuchen, ihm aus dem Weg gehen; am Ende aber steht der TOD, sehr sanftmütig, klopft einem auf die Schulter und sagt: Gell, war doch gar nicht so schlimm, wozu nun all das Gestrampel? Mein freier Wille, so könnte man vielleicht sagen, war geschont worden; so wie meine Oma immer ihre Bettwäsche schonte, die sie sich alle Jahre wieder zu Weihnachten wünschte und auch bekam. Und dann stapelte sie sie in einen Massivholzschrank, den mein Großvater noch selbst gezimmert hatte, und als sie starb und wir den Schrank öffneten, lagen da schneeweiße, bügelfrisch gefaltete Berge von Bettwäsche und rochen wie am ersten Tag. Man hätte ein wenig weinen können bei dem Anblick, aber damals war ich noch dumm und überheblich und dachte, was für ein verschenktes Leben, und wer braucht schon weiße Bettwäsche? Heute hätte ich gern welche, bügelfrisch gefaltet von meiner schon lange verstorbenen Oma. Ich würde sie auch nicht unter „Sammeln und Seltenes“ bei eBay verkaufen.

Wie war ich nun wieder auf diesen seltsamen Abweg geraten? Nun, offensichtlich über eine sehr nachvollziehbare Assoziationskette (Gebrauchsspuren-Bettwäsche-Oma) und nicht über freien Willen. Würde er, also der freie Wille, sich vielleicht in Luft auflösen, wenn man ihn jeweils auf die ihm zugrunde liegende Assoziationskette zurückführte, in der nur ein paar Glieder ein wenig übersprungen wurden, fragte mein innerer Aphorismengenerator, so nach dem Motto: „Ein freier Wille entsteht durch fehlende Glieder in der Assoziationskette“? Na gut, müssen wir noch dran arbeiten, sagte ich, und wir sind hier nicht beim Zähneputzen! Stattdessen versuchte ich, mich wieder auf das eBay-Fenster zu konzentrieren und beschloss: „Sehr gut erhalten, leichte Gebrauchsspuren“ einzutragen, das schien mir nahe genug an der Wahrheit, und bei einem völlig ungebrauchten freien Willen würden die Kaufinteressenten vielleicht auf den Verdacht kommen, dass er gar nicht funktionierte.

Und schon stieg die nächste Hürde auf: die Verkaufsmodalitäten. Sollte ich ihn auf „sofort kaufen“ setzen und auf kurz entschlossene Spontankäufer setzen; dann aber zu welchem fixen Preis? Oder sollte ich auf das freie Spiel der Kräfte setzen, die unsichtbare Hand des Marktes, den freien Willen der Bieter und einen Startpreis samt einer Laufzeit angeben? Ach, Entscheidungen. Ach, wenn man doch einen freien Willen hätte, sagte die innere Spötterin verschmitzt. Lustig, sagte ich. Echt witzig. Also, spielen wir das mal durch. So ein freier Wille ist ja schon etwas ziemlich Wertvolles, also wenn man an ihn glaubt natürlich nur, aber die Leute glauben ja an alles, was Geld kostet. Sie glauben prinzipiell auch, dass etwas, das mehr kostet, automatisch mehr wert ist. Aber wäre es nicht sozial ungerecht, wenn sich nur die Reichen einen freien Willen leisten können? Schließlich können die auch das meiste andere für Geld kaufen, Reichtum ist überhaupt ein guter Ersatz für einen freien Willen und wird deshalb auch häufig mit ihm verwechselt! Andererseits: Wäre das nicht jetzt eine wirklich gute Gelegenheit endlich einmal experimentell herauszufinden, was den Leuten ein freier Wille so wert ist? In Geld, nicht in billigen Worten und bullshit-Phrasen? Du willst ja nicht reich werden damit, sagte mein soziales Gewissen (das auch ziemlich geschont ist, aber ich bin noch nicht so weit, es zu verkaufen). Stimmt, sagte ich. Ein Euro ist es! Und, weil gute Entscheidungen reifen wollen und der Gedanke, einen freien Willen käuflich zu erwerben, vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig ist, setzen wir die Laufzeit auf drei Tage. In sieben Tagen hat Gott die Welt geschaffen, da wird man ja wohl in drei Tagen zu einer Entscheidung über den freien Willen kommen können!

Natürlich war mir zu diesem Zeitpunkt schon klar geworden, dass dies eine etwas ungewöhnliche Anzeige sein würde. Wie sollte ich zum Beispiel ein Foto einstellen? Ach, wenn wir noch in den guten alten Zeiten gelebt hätten, wo die Gebildeten schon zum Frühstück in der neuesten Ikonographia lasen und selbstverständlich wussten, wie man eine Allegorie des freien Willens entwerfen würde: ein kleiner Genius mit Flügeln vielleicht, für die Freiheit, und einem Würfel, für das Unberechenbare, das Geworfene, das Nicht-Berechenbare? Man würde ihn doch wieder für Amor halten, wie man das meiste für Amor hält, es sind aber nur die Hormone. Oder eine Fortuna-Variante, aber Fortuna ist blind, wie Justitia, und das Glücksrad, auf dem sie steht, wird von einem Wirbelsturm hinweggefegt, während ein Schmetterling am Bildrand fröhlich die unschuldigen Flügel schlägt? Nein, offenbar hatte ich mich in eine Sackgasse manövriert. Es würde eine Anzeige ohne Foto sein; schließlich ging es mir um ernsthafte Kaufinteressenten, die die Größe und Besonderheit, um nicht zu sagen: die Einmaligkeit dieses Angebots zu schätzen wüssten! Bilder, ach wer brauchte denn Bilder, wenn es um Gedanken ging, Ideen, Konzepte, Theorien, ganze Systeme! Schließlich hatte auch Platon keine Comics geschrieben (aus der Assoziations-Rumpelkammer sprang mich eine Vision an, ein Cartoon, gezeichnet von Uderzo, mit einem Sokrates, der Asterix verdächtig ähnlich sah, und einem Obelix-artigen tumben Gesprächspartner, aber ich scheuchte sie schnell wieder weg)!

Also kein Bild. Aber eine Beschreibung musste ja wohl sein. Ich erwog kurz, schwergewichtige philosophische Zitate aufzufahren; das war schließlich mein Job, und ich arbeitete sowieso gerade an einer wissenschaftlichen Abhandlung zum Thema Kausalität und Freiheit in Schillers Spieltheorie, die wieder einmal niemand lesen würde. Als Master-Googlerin würde es mir ein Leichtes sein, schnell ein paar Sätze bei den üblichen Verdächtigen aufzutreiben! Aber das erschien mir dann doch zu leichtherzig; schließlich ging es nicht um irgendeinen freien Willen, sondern um meinen ganz persönlichen, ein – wie soll ich sagen: Wesen durchaus mit Entwicklungspotential, wenn auch etwas vernachlässigt in der Ausbildung? Die Formel „Umständehalber abzugeben“ sprang mir in die Finger und von dort ohne meinen Willen auf die Tastatur, aber hörte sich das nicht an, als ginge es um eine nicht ganz stubenreine Katze, die man endlich loswerden wollte? „Nur ernsthafte Zuschriften erwünscht“, ja klar, aber eine Partnerschaftsanzeige schien mir letztlich auch kein geeignetes Vorbild. Vielleicht sollte ich eher zu den Mitteln zeitloser Propaganda oder, besser noch: Missionierung greifen? Einstiegen mit einer Fangfrage, für die Naiven: „Glauben Sie, dass Sie einen freien Willen haben?“ Genau, das war gut, das war genau der richtige Ton! „Beweisen Sie es sich und allen Zweiflern und Kleingläubigen!“ Ich war jetzt in Fahrt geraten und die Sätze sprudelten nur so: „Kaufen Sie einen original-zertifizierten“ – ich überlegte kurz, ob ich ein Öko-Label erfinden sollte, aber man soll nicht übertreiben, vor allem, wenn man übertreibt –, also: „Kaufen Sie wenig benutzten, aber selbstbewussten und energischen Freien Willen“ – sollte ich wirklich die Bedeutungsgroßschreibung benutzen, die nach den Hausarbeiten meiner Studenten auch die sich frei dünkenden Qualitäts-Medien zu erobern drohte? Ja, Ich Sollte! – „mit hohem Entwicklungspotential! Befreien Sie Sich Selbst!“ Das sollte reichen. Oder? Na gut: „Umständehalber abzugeben. Nur ernsthafte Zuschriften erwünscht!“ Zufrieden lehnte ich mich zurück. Er würde in gute Hände kommen, dessen war ich mir in diesem Moment ganz sicher.

Aber ich hatte mich zu früh zurückgelehnt. „Versand“ stand da im nächsten Feld, und ich merkte, dass ich die Sache immer noch nicht ganz zu Ende gedacht hatte. Ich würde irgendetwas verschicken müssen, etwas, was man in die Hand nehmen könnte, etwas, das man vorzeigen könnte mit den Worten: „Guck mal, hab ich für zwei Euro bei eBay ersteigert, eins, zwei, drei meins!“ Wie verschickte man immaterielle Güter, und warum hatte darüber noch niemand nachgedacht? Andererseits, vielleicht ja doch. Die Idee mit der Kirche war ja gar nicht so schlecht gewesen, und war es nicht die Kirche, die mit solchen immateriellen Gütern seit jeher gehandelt hatte, Ablassbriefe hier und Klingelbeutel dort? Die heilige Kommunion, was war sie anders als die Mit-Teilung der Sakramente, übersetzt in Materie, in Dinge, die man real inkorporieren konnte und die deshalb tiefer gingen als jeder noch so substantielle Gedanke? Oblaten, dachte ich, und dann schämte ich mich ein wenig, ich hatte eine pseudo-christliche Erziehung, das sitzt tief. Die innere Spötterin kicherte hysterisch und rief: Willens-Oblaten! Freier Wille in Keksform! Das wird die cookie-generation mit Freuden schlucken! Na gut, vielleicht doch lieber Pillen. Pillen konnten ja für alles Mögliche gut sein, und notfalls sollte man halt seinen Arzt oder Apotheker oder Lieblings-Lebenshilfe-Pseudo-Philosophen fragen! Lifestyle-Pillen, konzentrierte Willenskraft, Tests an unabhängigen Versuchsgruppen haben gezeigt, dass bei regelmäßiger Einnahme des Präparats die Überzeugung, einen freien Willen zu haben, messbar ansteigt! Aber es würde nur eine Pille sein. Eine Super-Pille. Schließlich war der freie Wille unteilbar! Und natürlich, und jetzt erst überkam mich die wahre Erleuchtung, würde sie unsichtbar sein. Ihre volle Wirkung würde sich nur dem wahrhaft Gläubigen erschließen! War es nicht wissenschaftlich erwiesen, dass Placebos wirkten und die Einbildung genauso krankmachen konnte wie Krankheiten heilen? Und hatte nicht, seit Anbeginn aller Philosophie, noch nie jemand den freien Willen beweisen können? Hieß das nicht, dass er – eben unbeweisbar war, dass darin seine ganze Kraft lag?

Der freie Wille würde also in einer sehr kleinen, aber feinen Schachtel verschickt werden. Vielleicht würde ich einen kleinen fortune cookie beilegen, mit einem Spruch drin, aber das wäre natürlich nur eine symbolische Nettigkeit, um mehr Punkte bei der Bewertung zu bekommen. Das würde auch die Versandkosten erfreulich geringhalten. Kurz erwog ich, daraus ein Geschäftsmodell zu entwickeln, aber den Gedanken erstickte mein soziales Gewissen dann doch vorgeburtlich: Ich hatte einen freien Willen, er war mein eigener,  er war unteilbar (allerdings war sein Geschlecht nicht ganz klar, fiel mir in diesem Moment ein, war es nicht vielleicht eine freie Wille?) und er war deshalb nur einmal verkäuflich. Zahlungen über alle gängigen Zahlungsmethoden, gern auch Kreditkarte oder Paypal, erleichtert drückte ich auf Return, und mein freier Wille ging online.

Ich stand vom Computer auf und beschloss mir einen Kaffee zu holen, vielleicht sogar mit einem kleinen Schokoladenstückchen dazu, hatte ich mir das nicht verdient? Das ist ja wohl kein Akt des freien Willens, sagte ich mir, während ich in die Küche ging; nein, es gibt eine völlig rationale Begründung, es ist nämlich die Befriedigung eines biologisch nachweisbaren Bedürfnisses, das Gehirn braucht Zucker beim Denken, ich hatte viel nachdenken müssen, und deshalb schrie mein Organismus jetzt nach Zucker, und ich war nur folgsam. Andererseits könnte ich auch jederzeit beschließen, das Schokoladenstückchen wegzulassen. Oder ein größeres zu nehmen. Oder den Kaffee wegzulassen, flüsterte eine dämonische Stimme in mir, was ist dann? Hast du dafür nicht deinen freien Willen benutzt? Solltest du ihn nicht doch lieber behalten? Nein, hätte und würde ich nicht, antwortete eine vernünftige Stimme. Schließlich wäre das wie bei all diesen dämlichen Experimenten zum freien Willen, wo man meint, freier Wille sei schon sich irgendwie irrational zu verhalten und das Vernünftige nicht zu tun! Nein, allein durch den Vorsatz, jetzt einen Akt des freien Willens zu begehen, wird der freie Wille schon ausgeschlossen! Denn dieser Vorsatz ist ja nur eine Demonstration unseres ewigen menschlichen Grundbedürfnisses Recht haben zu müssen, von dem ich gelegentlich vermute, dass es in den meisten Menschen stärker ist als der Sexualtrieb! Alle Rechthaber handeln aus Instinkt, nicht aus freier Wahl!

III.

Aber, nahm die dämonische Stimme Anlauf – bevor wir uns jedoch weiter in den Untiefen der philosophischen Debatte verstricken konnten, begegnete mir unsere Katze. Sie heißt Bella, sie ist eine sehr schöne Langhaarkatze und der pure triebgesteuerte Wille auf Samtpfoten. Bella, sagte ich zu ihr in dem speziellen etwas debilen Katzentonfall, den Leute meist annehmen, wenn sie mit vermeintlichen willen- und schutzlosen Wesen sprechen, Bella, sagte ich säuselnd, gell, du hast keinen freien Willen, oder? Und du vermisst ihn auch gar nicht, oder? Bella warf sich auf den Rücken und streckte die vier Pfoten in die Höhe. Das tut sie häufig, und es ist auch nicht schwer zu verstehen, es heißt: Kraul mir den Bauch, jetzt sofort, über deinen freien Willen darfst du später weiterphilosophieren! Ich beugte mich nieder und kraulte Bella den Bauch, sie machte „gnu“ (das ist ihr Lieblingsgeräusch) und ich genoss, wie immer, dass man im Umgang mit Katzen so gut wie nie eine Entscheidung treffen muss. Sie entscheiden. Aus schierem – Instinkt, von außen kann es aber aussehen wie freier Wille. Ist es aber nicht. Schließlich ist freier Wille bekanntermaßen etwas, das nur Menschen zukommt, der Krone der –

In diesem Moment pingte mein Handy. Auf mein eBay-Angebot war eine Rückfrage gekommen, kaum zwei Minuten, nachdem es online gegangen war! Momo75 fragte, ob ich nicht doch ein Foto einstellen könnte, sie habe etwas Probleme, sich den freien Willen vorzustellen, und man würde ja doch gern sehen, wofür man sein Geld ausgeben soll! Geboten hatte sie noch nicht, das Mindestgebot stand immer noch bei 1 Euro. Ich beschloss, die Anfrage zu ignorieren, im Wesentlichen aus Faulheit, und mir stattdessen lieber endlich den Kaffee zu holen (mit wieviel Schokoladenstückchen? Gar keinem, eins, zwei, drei, meins?) Doch schon pingte es wieder. Dass man gegenüber diesen elektronischen Geräten keinen freien Willen hat, ist allgemein bekannt und in den letzten Jahrzehnten in einem gigantischen Feldversuch bewiesen; warum sollte ich gerade eine Ausnahme sein? Jemand mit dem Benutzernamen „DFTTWTF“ – was sollte das um Himmelswillen denn sein? – hatte in sehr mangelhafter Rechtschreibung geschrieben: „das ist doch wieder nur so eine verarsche von diesen scheiß-intelektuelen! Weist du wohin du dir deinen freien willen stecken kannst?“ Er hatte nichts geboten, wir waren immer noch bei 1 Euro. Während ich noch überlegte, wie ich darauf nun reagieren sollte, hatte DFTTWTF schon weitergeschrieben: „und poste wenigstens ein foto schnepfe!“ Ein Foto. Die Welt, wie wir sie kennen, könnte untergehen, und alle würden dastehen und fotografieren.

Aber nun gut, ich hatte damit angefangen, also sollte ich die Sache wohl auch zu Ende führen. Wenn sie ein Foto wollten, sollten sie ein Foto bekommen! Natürlich konnte ich kein Bild von der unsichtbaren Pille machen; aber auch unsichtbare Pillen wollten schließlich verpackt werden. Und eigentlich war es doch ganz simpel: Ich würde meinen freien Willen einfach – in eine schwarze Schachtel packen; schließlich beruhte die ganze Idee der Willensfreiheit doch darauf, dass in uns, dort, wo wir nicht hinsehen können, ganz innen, wo es ganz dunkel wird, noch weit jenseits der Sockenwaisenkammer irgendein kleiner Dämon oder Genius sitzt (je nachdem, ob es eine gute oder eine schlechte Entscheidung werden soll) und einfach so sagt, was der freie Wille jetzt tut. Eine black box auf zwei Beinen mit Haaren, was sind Menschen schon anderes? Ich hatte sogar noch eine ganz schöne, glänzende kleine Kiste, sie steht auf meinem Nachttisch, und man konnte sich ganz leicht vorstellen, dass innen auf den Samtpolstern der freie Wille ruht, gut geschützt und erholt für neue Taten. Aber das Innere würde ich natürlich nicht zeigen. Ich würde die hübsche rote Schleife drumwickeln, die dabei war und die ich natürlich aufgehoben hatte (sagte ich schon, dass ich willenlos an Dingen hänge?), und dann ein schönes Foto von ihr machen!

Eine Viertelstunde später saß ich, endlich mit Kaffee und einem (einem! Einzigen!) kleinem Schokoladenstück versorgt, wieder vor meinem Computer und das Bild ging online; es sah sehr würdig aus, fand ich, ein wenig wie ein kleiner feiner Sarg. Sekunden später pingte eine neue Anfrage. Mollimaus4711 wollte wissen, ob so ein freier Wille auch beim Abnehmen helfen würde, sie habe schon so viele Diäten probiert, aber sie würde immer wieder schwach ☹ Könnte ich vielleicht garantieren, dass sie mit meinem freien Willen mindestens drei Kilo in der Woche abnehmen würde? Melancholisch schaute ich auf mein Schokoladenstückchen. Dann gab ich mir einen Schubs, warf es in den Mund und schrieb zurück: „mollimaus, ich fürchte, das wird nicht funktionieren. Es ist ein Freier (ich verwendete Bedeutungsgroßschreibung, kursivierte das Wort und setzte es fett) Wille, und wenn er beschließt, dass er mehr Schokolade will, hast du keine Chance gegen ihn. Versuch es mal mit Vernunft! 😊“ Als hätte er zugehört, meldete sich DFTTWTF wieder zu Wort: „ist das ein sarg oder was? totale verahrsche! es lebe die revohlution!“ Ich wusste nicht, was ich darauf sagen sollte. Die Katze hatte inzwischen das Arbeitszimmer betreten und gähnte, ich sagte: „Genau, Bella, das lassen wir jetzt einfach mal laufen. Heute Abend schau ich wieder, dann hat hoffentlich endlich jemand was geboten!“ Die Katze schaute skeptisch und ging wieder, sie hatte wohl dringende Geschäfte zu erledigen.

Na gut, zwei Stunden später, es war kaum später Nachmittag, saß ich wieder vor meiner Anzeige. Inzwischen war eine ganze Reihe von Anfragen aufgelaufen. mollimaus bedankte sich für mein Verständnis und bot mir eine facebook-Freundschaft an. DFTTWTF hatte irgendwas geschrieben, ich beschloss ihn zu ignorieren. Drei Personen fragten, ob ich noch ein weiteres Foto einstellen könnte? Sie hätten einfach Schwierigkeiten sich zu entscheiden. Jemand mit dem Benutzernamen madmen62 hatte geschrieben: „Würde gern mit dem Rauchen aufhören. Hilft dein freier Wille dabei, und wieviel brauche ich täglich davon?“ Ich überlegte kurz, ob ich ihm das Gleiche schreiben sollte wie mollimaus, entschied mich aber dagegen. „Wenn du heutzutage der Statistik, den ewigen Preiserhöhungen, den Horrorbildern und dem sozialen Stigma zum Trotz immer noch rauchst, hast du schon den stärksten vorstellbaren freien Willen der Welt“, schrieb ich stattdessen; „spar dein Geld lieber für Zigaretten!“ Irgendwie funktionierte das nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber immerhin war der Preis inzwischen auf 1,49 Euro gestiegen, ein erstes Gebot! Na gut, reichte kaum für eine Viertel Zigarettenpackung oder eine halbe Tafel mittelguter Schweizer Schokolade. Aber es war ja erst der erste Tag!

Erfolgreich unterdrückte ich die Impulse noch schnell einmal nachzuschauen (ich hatte das Handy auf stumm geschaltet) bis kurz vor dem Schlafengehen. Als ich vor Mitternacht mein Angebot wieder aufrief, stand es auf 1,67 Euro (mehrere einzelne Gebote). Madmen62 hatte sich nicht bedankt, mollimaus fragte noch einmal nach wegen der facebook-Freundschaft, es sei ihr echt total wichtig! Ich blockierte sie im Adressbuch. Fünf Anfragen baten um weitere Fotos. Ich hatte die Kamera schon bereitgelegt und machte ein spektakuläres Nachtfoto von der blackbox aus einer anderen Perspektive. DFTTWTF hatte stündlich neue Anfragen geschickt, die letzte lautete: „und iss sowieso alles gehirnwäsche der intelektuel-lieberale komplex wil die weltherrschaft“ – ich überlegte kurz, ob ich den Troll nicht auch sperren sollte, fand ihn aber eigentlich ganz lustig. Und Troll, gab es da nicht irgend so eine Abkürzung? Musste ich meinen Sohn mal fragen. Und dann war da noch eine Anfrage, sie war gerade eben erst gekommen, der Absender nannte sich „schopenhauer_reborn“ und das machte mich natürlich extrem neugierig. schopenhauer_reborn hatte geschrieben: „Freiheit des Willens bedeutet nicht Philosophieprofessorenwortkram, sondern daß einem gegebenen Menschen, in einer gegebenen Lage, zwei verschiedene Handlungen möglich seien. Daß aber dies zu behaupten vollkommen absurd sei, ist eine so sicher und klar bewiesene Wahrheit, wie irgendeine über das Gebiet der reinen Mathematik hinausgehende es sein kann“. Beinahe hätte ich mich an meinem Rotwein verschluckt (ohne Schokolade, übrigens, quod demonstrandum erat!). Philosophieprofessorenwortkram? Wer dachte sich denn solche Wörter aus? Behände fragte ich Google (eigentlich besteht mein Tag zu relativ großen Teilen daraus, Google solche Dinge zu fragen), und natürlich war es: Schopenhauer, aus „Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde“! Schopenhauer reborn, indeed! Ich war beeindruckt. Das hatte eine Antwort verdient. Aber inzwischen war es kurz nach Mitternacht, der Wein ging zur Neige, die Katze wollte ins Bett und ich googelte schnell ein passendes Antwortzitat aus meiner philosophischen Hausbibliothek zusammen: „Bequemer ist es aber, sich kurzweg daran zu halten, daß die Freiheit als eine Tatsache des Bewußtseins gegeben sei und an sie geglaubt werden müsse“. Hegel, mein philosophischer Lieblingsfeind, aber das hatte er hübsch auf den Punkt gebracht. Und weil es mir so gut gefiel, schrieb ich es gleich auch an DFTTWTF, mit dem Vermerk: „Grüße vom intelektuel-lieberalen komplex!“ Dann ging ich schlafen.

IV.

Nein, ich träumte in dieser Nacht nicht von meinem eBay-Angebot, jedenfalls erinnerte ich mich am nächsten Morgen nicht mehr daran. Ich widerstand auch der Versuchung, noch vor dem Frühstück den Stand der Angebote zu überprüfen, aber bevor ich mit der Arbeit begann, riskierte ich einen Blick. Nun gut, 2,04 Euro, aber eigentlich interessierte mich das gar nicht so sehr. Gespannt ging ich die Liste der neuen Anfragen durch, natürlich waren die alten Bekannten dabei, und da, tatsächlich auch mitten in der Nacht, 3.05 Uhr, schopenhauer_reborn! 12 Anfragen wegen weiterer Fotos, ich hatte ja mit Bella auf 13 gewettet, aber sie hatte nur geblinzelt. Ich war schon gerüstet, der Fotoapparat lag samt black box griffbereit, und ich machte ein Foto, bei dem der Deckel der Schachtel ein ganz winziges Stück geöffnet war; seltsamerweise kam ich mir dabei vor, als würde ich etwas anrüchig-Verbotenes tun, eine Art – intellektuellen Striptease, oder, wie DFTTWTF wahrscheinlich sagen würde: mindfuck? Egal. Er hatte natürlich auch gemailt, ungefähr stündlich, aber das sparte ich mir für später. Erst einmal mussten schließlich die ernsthaften Anfragen bearbeitet werden; hier die zum Beispiel, von „oma_erna“: „Sehr geehrte Frau Verkäuferin, ich würde gern meinem Enkel zum Abitur ein ganz besonderes Geschenk machen. Leider weiß er immer noch nicht, was er nach der Schule machen will, er sagt immer nur, er habe keine Idee oder keine Ahnung, manchmal sagt er auch: irgendwas mit Medien! Da dachte ich, ich schenke ihm einen schönen neuen freien Willen, damit er endlich einmal weiß, was er will! Aber ich kenne mich nicht so gut aus mit dem Internet, bin ja eine alte Frau. Können Sie mir versichern, dass Ihr freier Wille ganz sicher eine anständige Angelegenheit ist und etwas, auf das man sich wirklich verlassen kann?“ Ach, die Arme, dachte ich, und beinahe ohne nachzudenken, tippte ich: „Liebe Oma Erna, zwar ist mein freier Wille wirklich recht neu und schön und familienfreundlich, aber für junge Menschen, die noch gar nicht wissen, was sie wollen, vielleicht etwas zu gefährlich. Ihr Enkel sollte erst einmal ein wenig üben. Es gibt auch im Internet ganz nützliche Programme; lassen Sie ihn doch einmal einen Wahl-O-Maten ausfüllen? Irgendwo wird immer gerade gewählt, und schließlich beruht unsere Demokratie auf der Annahme eines freien Willens des mündigen, unbeeinflussten, gut informierten Wählers, der nach seinem wohlverstandenen Interesse entscheidet!“ Ich hielt kurz inne, konnte mich dann aber doch nicht beherrschen und fügte hinzu: „Und sagen Sie ihm, dass ‚etwas mit Medien‘ total uncool ist; wenn er wirklich etwas Cooles machen will, soll er programmieren lernen!“ Demnächst wird uns die Künstliche Intelligenz das Problem mit dem freien Willen sowieso ganz abnehmen, rief die Zynikerin in meinem Kopf, aber das schrieb ich natürlich nicht an Oma Erna.

Dann gönnte ich mir endlich einen kurzen Blick auf schopenhauer_reborn. Er hatte, wie nicht anders zu erwarten, mit einem Schopenhauer-Zitat geantwortet: „Sie wissen natürlich, dass gerade Hegel-Zitate mich aufs äußerste provozieren? Bequemlichkeit – ich hätte Besseres von Ihnen erwartet! Gerade von Hegel scheint mir doch zu gelten, was Schopenhauer so unvergleichlich über das Verhältnis von Willen und Charakter sagt: „Jeder Mensch ist demnach das, was er ist, durch seinen Willen, und sein Charakter ist ursprünglich; da Wollen die Basis seines Wesens ist. Durch die hinzugekommene Erkenntniß erfährt er, im Laufe der Erfahrung, was er ist, d.h. er lernt seinen Charakter kennen. Er erkennt sich also in Folge und Gemäßheit der Beschaffenheit seines Willens; statt daß er, nach der alten Ansicht, will in Folge und Gemäßheit seines Erkennens. Nach dieser dürfte er nur überlegen, wie er am liebsten seyn möchte, und er wäre es: das ist ihre Willensfreiheit. Sie besteht also eigentlich darin, daß der Mensch sein eigenes Werk ist, am Lichte der Erkenntniß. Ich hingegen sage: er ist sein eigenes Werk vor aller Erkenntniß, und diese kommt bloß hinzu, es zu beleuchten.“ Starker Tobak, murmelte ich; aber mein Charakter gebot mir, jetzt endlich an die Arbeit zu gehen, Kausalität und Notwendigkeit bei Schiller wartete schon. Draußen schien die Herbstsonne, und ein später Schmetterling taumelte an den letzten Rosen entlang.

In der Mittagspause stand das Gebot unverändert auf 2,04 Euro, es gab einige neue Anfragen, ich war immer noch stolz auf das neue Foto, und das Zitat von schopenhauer_reborn nagte an mir. War es wirklich so, dass das Wollen vor dem Denken kam? War das Denken nur eine „Beleuchtung“, ein Licht, womöglich ein gedämpftes, in dem alle Schwächen und Makel gnädig verschwanden, sobald man es nur ein wenig dimmte? Unser Bewusstsein, unser Selbstbewusstsein gar, das Sahnestückchen auf der Krone der Schöpfung – ich kicherte ein wenig über das verworrene Bild und sagte zu Bella, die auf einen Happen vorbeigekommen war: „Hast du auch ein Sahnestückchen auf deinem entzückenden Katzenkopf?“ Bella gnute, frei übersetzt hieß das wohl: Das letzte Mal, als du mir ein Milchprodukt gegeben hast, hatten wir ein ziemlich übelriechendes hygienisches Problem anschließend, Sahnestückchen sind für keinen gut, sondern nur für Menschen, die sich einbilden, einen freien Willen zu haben und darauf demonstrativ verzichten zu können, essen tun sie es dann aber trotzdem! – wo war ich? Also, kurz gesagt: Erst kommt das Wollen, und dann kommt die Moral? Ach, sagte ich seufzend, diesmal zu mir selbst, die Weltgeschichte spricht durchaus dafür. Aber so leicht wollte ich dann doch nicht aufgeben. Ich verschob also – war das nun freier Wille oder doch nur Rechthabenwollen? – meine gewöhnliche Nachmittagsarbeit und machte mich auf die Suche nach philosophischen Kampfgenossen, die für den freien Willen kompetenter streiten würden als ich. Fündig wurde ich, es war schon gegen fünf Uhr, bei Aristoteles, immerhin; und so kopierte ich flink eine Textpassage für schopenhauer_reborn: „Da den eigentlichen Inhalt des Wollens der Zweck bildet, das was man beschließt und im Vorsatz erfaßt aber die Mittel zum Zweck betrifft, so ergibt sich, daß die daraus entspringenden Handlungen einem Vorsatz entsprechen und mithin frei gewollt sind. Gerade solche Handlungen nun bilden das Gebiet der Sittlichkeit. Das Sittliche steht demnach ebenso wie das Unsittliche in unserer Macht. Denn wo das Handeln bei uns steht, steht bei uns auch das Unterlassen, und umgekehrt, wo das Unterlassen, da steht auch das Handeln bei uns“. Da, dachte ich, da wird dein Schopenhauer dran zu knabbern haben! Und weil ich mich gerade so sittlich erhoben fühlte, nahm ich mir gleich vor, noch mindestens eine der Anfragen zu beantworten und DFTTWTF ein nettes Wort zu sagen, auf dass er sich daran verschlucken konnte.

Dabei fiel mein Auge, entweder geleitet von meinem Wollen oder meinem Denken, auf eine Nachricht von einem „saulus_paulus“: „Liebe Verkäuferin, bekanntlich war schon Luther der Meinung, es könne keinen freien Willen geben, weder für Menschen noch für Engel (noch für Katzen, fügte ich in Gedanken hinzu), da dieser nur Gott allein zukomme. Denn wie könne Gott allwissend und allmächtig sein, aber nicht wissen, welche Sünden jeder Einzelne, in jedem Augenblick seines sündhaften Daseins, in sündhafter Verwirrung begehen würde? Und was würde aus seiner Gnade werden, wenn jedes sündhafte Wesen sie sich dadurch erwerben könnte, dass es aus freiem Willen von sündhaften Handeln Abstand nehme? Aber bestand der Sündenfall nicht daraus, dass Eva (natürlich, Eva, dachte ich!) aus freiem Willen den Apfel vom Sündenbaum brach und Adam zur Sünde verführte? Ist die Erbsünde nicht eigentlich der sündhafte Wahn des Menschen, Gott erkennen zu wollen, Gott, der doch so weit über unserem sündhaften Tun und Leiden in diesem Sündenbabel“ – ich brach die Lektüre ab, mir war ganz schwindelig von all dem „Sündigen“, ich stellte mir vor, wie saulus_paulus (oder war er nicht eigentlich paulus_saulus, und was würde Schopenhauer dazu sagen?) es aussprach mit einem sehr langgezogenen Üüüüü und gespitztem Mund. „Lieber saulus_paulus“, tippte ich stattdessen, „mein freier Wille ist nicht käuflich für Ketzer, die ihn verleugnen!“ Ich dachte ein wenig nach, dann ergänzte ich: „Sollten Sie allerdings daran interessiert sein, doch einen Happen vom Baum der Erkenntnis versuchen zu wollen (versuchen, genau!), suchen Sie sich eine Eva!“ Und da ich gerade so schön in Schwung war, schaute ich noch auf die letzte Nachricht von DFTTWTF, sie endete mit: „… die prohletarier irem autentischn freien willen zu entfremden und sie zu mario-netten des intelektuel-lieberalen komplexes zu machen und durch konsuhm zu versklaven!!!“ Die Katze stupste mich ans Bein, sie verlangte ihr Abendessen, und ich hatte endlich eine Erleuchtung: „Don’t feed the troll“, das war es, das waren zumindestens die ersten vier Buchstaben, allerdings wohl eher in der Variante: „Do feed the troll“, und folgsam warf ich meinem persönlichen Troll ein Häppchen hin: „es gibt keine authentischen bedürfnisse im unauthentischen leben!“ Dann ging ich die Katze füttern.

V.

In dieser Nacht träumte ich von meiner eBay-Anzeige. Es begann wie einer meiner Standard-Träume, ich war also wieder einmal dabei, einen Zug zu verpassen, den ich natürlich unbedingt kriegen musste, warum war wie immer etwas unklar, als plötzlich der Troll um die Ecke bog. Er war von kleiner Gestalt, ging gebückt und trug schmutzige, zerrissene, übelriechende Kleider. Am meisten aber erschreckte mich seine riesengroße Nase, sie hatte noch dazu eine Warze ganz genau in der Mitte und sein übergroßer, schief verzogener Mund; die Mischung aus Symmetrie und Asymmetrie in einem einzelnen Gesicht machte mich ganz krank. Erstaunlicherweise hatte er aber sehr kleine und feine Füße und bewegte sich beinahe tänzerisch; und die Beleidigungen und Anschuldigungen, die dem schiefen Mund in einem beständigen Strom entflossen, bildeten im gleichen Moment kleine bunte Seifenblasen, die unschuldig aufstiegen. Aber er stand mir im Weg, wie er dort tänzelte auf seinen kleinen Füssen und unanständige Dinge in die Luft blies; sollte ich die Luftblasen einfach zerstechen? Zaghaft pikste ich eine mit dem kleinen Finger an, sie löste sich mit einem schwachen Seufzen in Nichts auf, aber mein Finger fühlte sich seltsam an, als ich ihn genauer ansah, sah ich, dass er blutüberströmt war, und der Troll wand sich in Schmerzen. Ich ergriff die Flucht, musste ich halt einen anderen Weg suchen, aber es wurde immer später und später, ich sah eine Uhr an einem Gebäude, es war natürlich nicht der ersehnte Bahnhof, auf ihr tickte ein großer Zeiger immer weiter, gerade stand er auf 2.04 Uhr. Mir fiel plötzlich auf, dass ich mein Gepäck ja vergessen hatte; ich rannte zurück zu der Straße, wo der Troll immer noch stand und stöhnte, aber schon neue Seifenblasen produzierte hatte, noch größer schienen sie mir nun und ein wenig bedrohlich. Ich packte schnell meine blackbox, sie fühlte sich schwer an, und auf ihrer roten Schleife waren einige Bluttropfen mehr zu ahnen als zu sehen. In ihr rumorte es, als sei dort etwas Lebendiges eingesperrt, aber ich durfte sie nicht aufmachen, ich war mir ganz sicher, dass ich dann nie mehr zum Bahnhof gekommen wäre, was dringender und dringender wurde, die Zeiger waren schon wieder weitergesprungen: 3.88! Ich rannte los, doch nun stand auf einmal ein Mann mitten auf der Straße; er hatte die Hände zum Himmel gehoben, als flehe er um etwas, bitterlich, dringend, aber bevor ich ihm meine Hilfe anbieten konnte, hatte ihn schon ein Blitz getroffen, er kam aus heiterem Himmel und trennte ihn in zwei Hälften, aber beide sprangen fröhlich und wie befreit auseinander und gingen ihre getrennten Wege. Von weitem sah ich nun endlich den Bahnhof, ich lief auf ihn zu, aber ich hatte natürlich noch keine Fahrkarte (das gehört zum Standardrepertoire dieses Traums), und alle Fahrkartenschalter waren geschlossen. Doch nein, da, ganz in der Ecke, dort war noch einer! Am Schalter saß ein älterer Mann, er hatte einen weißen Backenbart und eine schlohweiße Haarkrone über der hohen Stirn, und er sah düster auf mich herab und sagte mit tiefer Stimme: „Philosophieprofessorenwortkram!“ Hinter mir kicherte der Troll, er war aus dem Nichts aufgetaucht, drängelte sich leichtfüßigst und schwerststinkend an mir vorbei und erhielt problemlos eine Fahrkarte von dem diabolischen weißhaarigen Herrn ausgehändigt. Mit einem geschickten Griff seiner klauenartigen Hände entriss er mir meine blackbox, die rote Schleife löste sich und heraus fiel – natürlich wachte ich in diesem Moment auf, die Katze war aufs Bett gesprungen und hatte begonnen sich zu putzen. Es war auch Zeit zum Aufstehen, den Zug hätte ich sowieso wieder einmal verpasst (im wahren, „autentischen“ Leben, wie DTFFWTF gesagt hätte, verpasse ich übrigens niemals den Zug. Noch nicht einmal freiwillig könnte ich einen Zug verpassen, meine innere Pünktlichkeit liegt jenseits meines Willens).

Ich hatte mir heute einen freien Tag gegönnt; immerhin, eine Lebenswende stand an, die Brotarbeit würde warten können! Die Frist würde heute Nacht ablaufen, und die Leute sollten endlich bieten, nicht immer nur reden, reden, reden. Ich begann mir auszumalen, was ich tun würde, sobald ich meinen freien Willen endlich los war: Ich würde nicht mehr nachdenken müssen, nichts entscheiden, keine Wahl treffen, einfach nur – nun ja, sein, mich beeinflussen lassen von allem, was mir in die Quere kam (ich sah mich um nach der Katze, und tatsächlich, da war sie, es war schon ein wenig dämonisch), das friedliche Leben einer Vollzeit-Determinierten führen. Soll die Welt ihren Gang gehen, ich werfe mich ihr nicht mehr in den Weg! Umarmen würde ich mein Schicksal, bejubeln meine Unfreiheit, mich hingeben meiner völligen, ziellosen, endlosen Willenlosigkeit, Schwachheit, Manipulierbarkeit! Ach – aber nun gut, der heutige Tag war noch zu überstehen, und ich machte mich auf dem Weg zum Computer. Zuerst machte ich ein letztes Foto meiner blackbox; es war eine Nahaufnahme, die Schleife hatte ich noch weiter gelöst, und innen hatte ich einen kleinen Spiegel platziert; es war ein hübscher Effekt mit dem Blitz. Zur Sicherheit hatte ich außerdem Bella dazu überredet, sich hinter die Schachtel zu setzen; mit Katzenfotos verkauft sich einfach alles besser. Dann nahm ich mich der ersten Anfrage an; der Preis stand inzwischen auf 3,88 Euro, das kam mir seltsam bekannt vor. Der Absender, nein, die Absenderin war lillifee_2012, und während des Lesens stieg das Bild einer kleinen Prinzessin mit rosa Haarschleife vor mir auf: „hallo, ich bin die lillifee, und meine eltern sind totaal blöd!! Immer wollen sie, das ich meinen freien willen durchsetze, nie verbieten sie mir was!!! Meine bff hat viel tollere eltern, die sagen ihr immer, was sie machen soll! Ich will keinen blöden freien willen! Aber deine schachtel finde ich total toll, das mit der schleife ist obercool, und eigentlich will ich nur die schachtel für meine haargummis. Emoji, emoji, emoji mit Krönchen, lillifee!“ Lillifee hatte auch geboten, der Preis stand jetzt auf 3,90. „Arme Lillifee“, schrieb ich, „emoji, emoji, emoji, du hast es echt nicht leicht! Aber, weißt du was? Das mit dem freien willen ist auch nur so eine erwachsenenerfindung, um sich das leben leicht zu machen. Deine eltern sind einfach zu faul um dich ordentlich zu erziehen. erziehen heißt nämlich: entscheidungen treffen (verstehst du später, einfach merken!) Und weißt du, womit du sie echt total ärgern kannst? Sag das nächste mal einfach, wenn du mal wieder freien willen zeigen sollst, dein freier wille hätte dir gerade gesagt, dass du jetzt freiwillig nicht deinen freien willen einsetzen willst! Ist kompliziert, ich weiß, kannst du ja vor dem spiegel üben: „rein freiwillig werde ich jetzt meinen freien willen nicht benutzen!“ und schreib mal, wie es funktioniert hat! P.s. die schwarze schachtel gibt es bei amazon, nimm die mit dem samt innen, die ist viel schöner!“

Ich streichelte versonnen meine kleine blackbox, früher hatte ich tatsächlich auch immer schöne Kästchen gehabt, wo man schöne Sachen reintut, das machen nämlich alle kleinen Mädchen, wahrscheinlich ist das, bevor mit der Pubertät der freie Wille über sie kommt. Dann öffnete ich noch eine Anfrage, sie trug den vielversprechenden Absender „free_will@libet“: „Wir führen eine Studie zum freien Willen bei Internet-Verkäufen durch. Wir haben schon eine Reihe sehr willensstarker Persönlichkeiten für eine neue Versuchsreihe in der Tradition des Libet-Experiments engagiert und sind jetzt noch daran interessiert, eine möglichst willensschwache Kontrollgruppe zusammenzustellen. Das Experiment erfordert keinen großen Zeitaufwand und kann digital durchgeführt werden. Die Sicherheit Ihrer persönlichen Daten wird natürlich garantiert. Zur Motivation bekommen Sie nach Abschluss des Experiments einen amazon-Gutschein. Wenn Sie interessiert sind, öffnen Sie bitte die angehängte Datei!“ Die angehängte Datei öffnen! Für wie blöd haltet ihr mich eigentlich? Aber interessant, dachte ich. Wahrscheinlich besteht das Experiment schon darin, ob ich die Datei öffne. Weil ich geschmeichelt bin, auserwählt zu sein? Weil ich auf alles scharf bin, was Gutschein heißt und dann sofort meinen Verstand an der Kasse abgebe? Oder aus natürlich rein wissenschaftlicher Neugier? Ach, der Mensch ist ein undurchschaubares Wesen, und die Motive seiner Handlungen spielen Fangen im Kopf und verstecken sich und wechseln die Gestalt, hast du nicht gesehen, eben noch trugen sie ein ehrbares Gewand, und jetzt sind sie nackt, roh, lüstern. Aber sie sind auf jeden Fall immer schneller als unsere Gedanken, die ihnen mühsam hinterherhinken und versuchen, sie in einem Moment zu erwischen, wo sie präsentabel sind und nicht peinlich. Ein Mäntelchen, das ist der freie Wille, weil wir uns nicht nackt sehen mögen. (War das schon wieder ein Aphorismus?) Aber nein, keine Experimente. Ich löschte die Anfrage.

Inzwischen waren die ersten Reaktionen auf mein Katzenfoto mit blackbox eingetrudelt, sie strotzten vor Ausrufungszeichen, Smileys und entzückten Oh- und Ah-Lauten. Der Preis war auf erstaunliche 11,11 Euro angestiegen, mehrere Interessenten fragten an, ob die Katze auch mit verkauft würde? Ich lief schnell zu Bella auf den Dachboden (dort wohnt sie nämlich, mitten auf dem Billardtisch), drückte sie ein wenig (das mag sie nicht) und versicherte ihr, sie würde immer unsere Katze bleiben, und nie, nie, niemals würde ich sie bei eBay verkaufen, auch wenn die hygienischen Probleme wieder aufträten! Bella gnute müde und etwas unbeteiligt, es war die falsche Uhrzeit für sie. Ich ging runter und löschte das Katzenfoto wieder, auch wenn es die Gebote sicherlich noch weiter in die Höhe getrieben hätte. Natürlich hatte schopenhauer_reborn geantwortet, kurz nach Mitternacht, das war seine Zeit; aber ich riss mich zusammen und schauten zuerst nach DFTTWTF; sein letzter Post endete mit den Worten: …“mit katzenfotos die gehirne waschen, da sind sublimenale botschaften drin gecodet, willenlos und däbil schnurend, so hätte der intelektuel-lieberahle komplex uns gern!“ Immerhin hatte er nicht angekündigt, alle Katzen zu vergiften. Sollte ich ihn füttern? Im Traum war ich doch ziemlich böse zu ihm gewesen. Na gut. Ich suchte ein besonders liebreizendes Bild von Bella aus meiner persönlichen Katzenfoto-Sammlung heraus und mailte es ihm, mit der Unterschrift: „durchschaut! die Katzen beherrschen längst die Welt, es sind aber eigentlich Aliens, die in Katzenform unsere Zivilisation unterwandert haben und uns nun durch Impfinfizierung unterworfen haben. Sie ernähren sich von unserem freien Willen, den sie ähnlich wie die Dementoren bei Harry Potter direkt aus unserer Seele saugen. Sie waren auch vor uns auf dem Mond und haben Kennedy erschossen, weil er ihnen gefährlich wurde (Lee Harvey Oswald war einer von ihnen, nicht weitersagen!). Ihr Erkennungszeichen ist ein Freimaurer-Symbol, das unter ihrem dichten Bauchfell versteckt ist. Beware of Cats!“ (sollte ich vielleicht ein kurzes Fake-Foto mit Bella…? nein, nein, nein). Dann ging ich Mittagessen, um mich danach gestärkt schopenhauer_reborn zu widmen.

VI.

Am späten Abend setzte ich mich erschöpft wieder vor meine eBay-Anzeige. Es war einer dieser Tage gewesen. Bella hatte ein kleines hygienisches Problem gehabt, das dringend beseitigt werden musste; wahrscheinlich hatten wir zu viel von Sahnestückchen gesprochen. Im Dorf-Supermarkt, wo ich nur Milch einkaufen wollte, war eingebrochen worden, es herrschte Ausnahmezustand und ich musste zu einem anderen Supermarkt im Nachbardorf. Auf dem Weg dorthin fuhr ich zu dicht am wie immer überquellenden Altglascontainer vorbei, und mein Vorderreifen ließ von einem Moment auf den anderen seine gesamte Luft ab; ich musste den ganzen Weg zurück schieben. Als ich mich am späten Nachmittag wieder meiner Anzeige widmen wollte, war das Internet ausgefallen. War das jetzt die Katzen-Weltverschwörung? Hatte DFTTWTF doch recht? Während der Mittagspause hatte ich nämlich, ich gestehe, kurz „Katzen+Weltverschwörung“ gegoogelt und eine beängstigende Anzahl von Treffern erhalten! Wie immer fühlte ich mich hilflos so ganz offline. Fragen drängten in mir empor, die nur Google oder Wikipedia beantworten konnten. Und was ging mit meiner Anzeige vor sich? Waren inzwischen, schließlich endeten wir uns dem Ende der Bieterphase, neue Gebote eingegangen, die endlich dem wahren Preis meines freien Willens wenigstens annäherungsweise entsprachen? Und was hatte schopenhauer_reborn geschrieben in der letzten Nacht, warum hatte ich nur nicht schon heute Morgen danach gesehen? Aber nun, endlich, eine Stunde vor Mitternacht war mein Computer wieder online, ich ignorierte alle Anfragen und Kommentare und stürzte mich auf schopenhauer_reborn. Mit keinem Wort war er auf mein schönes Aristoteles-Zitat eingegangen, und irgendwie hatte ich beim Lesen seiner neuen Mail das Gefühl, dass das auch nicht Schopenhauer-O-Ton sein konnte; da stand nämlich: „Sollte nicht jene so verwegene, so verhängnisvolle Philosophen-Erfindung, welche damals zuerst für Europa gemacht wurde, die vom ‚freien Willen‘, von der absoluten Spontaneität des Menschen im Guten und im Bösen, nicht vor allem gemacht sein, um sich ein Recht zu der Vorstellung zu schaffen, daß das Interesse der Götter am Menschen, an der menschlichen Tugend sich nie erschöpfen könne? Auf dieser Erden-Bühne sollte es niemals an wirklich Neuem, an wirklich unerhörten Spannungen, Verwicklungen, Katastrophen gebrechen: eine vollkommen deterministisch gedachte Welt würde für Götter erratbar und folglich in Kürze auch ermüdend gewesen sein - Grund genug für diese Freunde der Götter, die Philosophen, ihren Göttern eine solche deterministische Welt nicht zuzumuten!“ Roch das nicht – schnell googelte ich ein wenig –-, jawohl, es roch geradezu zarathustramäßig nach Nietzsche! Nun gut, Nietzsche, ich muss zugeben, ich habe einen kleinen soft spot in meinem Philosophinnen-Herz für diesen bärtigen Zausel, der die Frauen hasste und die Berufsphilosophen, der Gott für tot erklären und sich einem geschundenen Pferd um den Hals werfen konnte, der das Meer liebte und das Gebirge, vor allem: der tanzen konnte (welcher Philosoph konnte jemals tanzen? Kann man sich Kant beim Menuett vorstellen, Hegel beim Dreischritt eines Walzers?) und schreiben! Und die Idee, sie war seiner wahrhaft würdig: der freie Wille als Spektakel für die Götter, eine human-interest-Serie, die soeben in die tausendste Staffel ging, die menschliche Tugend wurde zum hunderttausendsten Mal auf die Probe gestellt, und, wer hätte das gedacht! – sie scheiterte, zum Millionsten Male, und die Götter schlugen sich auf die Schenkel und zeigten mit den Fingern auf den riesigen Flachbildschirm (denn, wie DFTTWTF weiß, die Erde ist natürlich eine Scheibe!) und erstarben in homerischem Gelächter. Derweil schrieben die Berufs-Philosophen an ihren Drehbüchern, aber keiner wollte sie verfilmen; Nietzsche hatte immerhin einmal eine Anfrage bekommen von Netflix, sie wollten aus Zarathustra ein Musical machen, und Nietzsche hatte ihnen vor die Füße gekotzt (virtuell, natürlich).

Während ich noch dieser Vorstellung nachhing und vor meinem Auge ein Nietzsche entfernt ähnelnder Zarathustra im neckischen Kleidchen mit einer Zierpeitsche in der Hand eine Show-Treppe hinuntertänzelte, näherte sich der Zeiger der Uhr – der Mitternacht. In wenigen Minuten würde meine Auktion auslaufen! Der Preis hatte sich tagsüber in kleinen Schritten bewegt, er war sozusagen gegenläufig die Show-Treppe hinaufgeklettert und stand jetzt bei 18,99. Fieberhaft schrieb ich an schopenhauer_reborn ein Nietzsche-Zitat, das ich soeben ergoogelt hatte: „An einer Theorie ist es wahrhaftig nicht ihr geringster Reiz, daß sie widerlegbar ist: gerade damit zieht sie feinere Köpfe an. Es scheint, daß die hundertfach widerlegte Theorie vom ‚freien Willen‘ ihre Fortdauer nur diesem Reize verdankt -: immer wieder kommt jemand und führt sich stark genug, sie zu widerlegen“; in Sekunden hatte ich meine Antwort: „Daher kommt, daß jeder Roheste, seinem Gefühl folgend, die völlige Freiheit in den einzelnen Handlungen aufs heftigste vertheidigt, während die großen Denker aller Zeiten, ja sogar die tiefsinnigeren Glaubenslehren, sie geleugnet haben“. Ich schluckte ein wenig, das war ja schon fast philosophisches Troll-Niveau! Und wie auf Kommando meldete sich nun DFTTWTF aus dem nächtlichen Nichts; er schrieb „Cats forever!“ und erhöhte das Gebot auf stattliche 25,99. Im Sekundentakt liefen jetzt die Gebote ein, schopenhauer_reborn und DFTTWTF hatten bald alle anderen Bewerber aus dem Feld geschlagen, und während die Zahlen kletterten, zuckte es mir in den Fingern: Sollte ich das grausame Spiel im letzten Moment abbrechen? Würde ich ihn nicht doch vermissen, meinen so gut geschonten und gehüteten freien Willen? War es nicht irgendwie – frevlerisch, ketzerisch, obszön, das ganze Unternehmen, konnte man denn einfach so ein Preisschild auf etwas kleben, dass doch eigentlich immateriell war, unveräußerlich? Würden mir andere folgen, die dann demnächst ihr Gewissen, ihre unsterbliche Seele, ihre Menschenwürde verkaufen würden? Aber während zwei Seelen in meiner Brust stritten, oder waren es gar noch mehr? – egal, genau in diesem Moment: war mein freier Wille verkauft. Für 42 Euro (wirklich), an – DFTTWTF. What the fuck, murmelte ich in einem Moment der Erleuchtung, jetzt hat ein Troll deinen freien Willen gekauft! Erschrocken sprang Bella von meinem Schoß herunter, ich musste unwillkürlich zusammengezuckt sein; sie sah mich böse an und begann sich energisch den Schwanz zu putzen.

Während ich mich noch schämte, kam eine E-Mail von schopenhauer_reborn: „Es hat nicht sein sollen. Darf ich zum Abschied, mit Leibniz, sagen: ‚Gott wirkt dabei nur in verborgener Weise, indem er dem Menschen das Sein, das Leben, die Vernunft gewährt, ohne sich sehen zu lassen. Hier treibt der freie Wille sein Spiel und Gott erfreut sich, so zu sagen, an diesen kleinen Göttern, deren Erschaffung er für gut befunden, so wie wir uns an den Tätigkeiten der Kinder erfreuen, die wir unter der Hand bald befördern, bald hemmen, wie es uns gefällt‘. Ich hätte Ihnen Ihren freien Willen übrigens gern zurückerstattet“. Ich war gerührt und erstaunt; wenn Leibniz fast das gleiche sagte wie Nietzsche, dann musste wohl etwas daran sein, und ich würde später darüber gründlicher nachdenken. Vorerst aber war ich erschöpft. Wie ausgelaugt fühlte ich mich, war das nun der schreckliche Tag oder fühlte ich schon den Verlust? Ich war zu schwach um aufzustehen. Um den Rechner auszustellen. Um die Katze zurechtzuweisen, die ihre Krallen mal wieder am Sofa schärfte.

Während ich immer tiefer in meine post-merkantile Depression versank, poppte auf einmal eine neue Nachricht von DFTTWTF auf. Nee, dachte ich, das ist jetzt echt zu viel. Aber ich raffte mich auf, vielleicht hatte er ja eine Frage zum Versand oder zur Zahlung, und wir sollten die Sache jetzt hinter uns bringen. DFTTWTF schrieb: „nee, lass stecken, ich brauch deinen blöden lieberalen gebrauchten pseudo-scheiß-willen echt nicht! war nur ein eksperiment. ich überweis die kohle, und du kaufst deiner blöden katze futter, die guckt schon ganz mager, ey!“ Ich traute meinen Augen nicht. Ohne nachzudenken, nahm ich meine blackbox in die Hand, zog an der roten Schleife, öffnete den Deckel und holte die Murmel heraus. Es war eine große tiefblaue Glasmurmel mit schillernden gelb-grünen Farbstreifen, ich hatte sie noch aus meiner Kindheit, und sie erinnerte mich an unsere Erde, wie man sie aus dem All sieht, aus der Ferne, ohne Menschen. Ich war mir nicht sicher, ob ich sie mitgeschickt hätte; sie war eine meiner schönsten Gedanken und damit muss man sparsam umgehen. Schnell machte ich ein Foto von ihr, wie sie da glitzernd und schimmernd lag auf ihrem dunklen Samtpolster in der blackbox, und schickte es an DFTTWTF: „du bist echt eine vollpflaume, aber danke, ey!“ Dann ging ich mit Bella schlafen.

VII.

Ich schlief traumlos. Am nächsten Morgen stand ich auf, kündigte meinen eBay-Account und löschte meinen Aufsatz über Kausalität und Notwendigkeit in Schillers Spieltheorie. Dann setzte ich eine neue Homepage auf. Ich nannte sie, aber das war nur vorläufig: „Probleme mit dem Freien Willen? Fragen Sie jemand, der sich garantiert nicht damit auskennt!“ Als Logo verwendete ich meine schöne blaue Murmel, fotografiert in der geöffneten blackbox; die rote Schleife hatte ich Bella umgebunden, die sich nur schwach gewehrt hatte, und die ich wieder hinter der Schachtel platziert hatte; es war ein wunderschönes Arrangement. Interessenten versprach ich umgehende Antworten auf all ihre Fragen, natürlich unter Zusicherung völliger Anonymität; ich überlegte, ob ich eine Seite mit unseren philosophischen Zitaten aus der Korrespondenz mit schopenhauer_reborn dazustellen sollte, aber erfahrungsgemäß wirkt Philosophie eher abschreckend auf die meisten Menschen. Dann ging ich einen Kaffee trinken (zwei Stück Schokolade).

Heute habe ich eine florierende Lebenshilfe-Beratung im Internet, ich nenne sie aber nicht so; sie heißt: „Spiele mit Grenzen“. Viele Menschen kommen mit ähnlichen Fragen wie oma_erna, lillifee, saulus_paulus, madmen62 oder mollimaus (deren Freundschaftsangebot auf facebook ich natürlich angenommen habe, wir haben inzwischen viele gemeinsame Freunde, sie hat mir eine Menge Follower für meine Seite verschafft und wir tauschen Schokoladen-Tips aus). Ich verspreche ihnen nicht, dass ihr Leben besser wird oder dass ich die Lösung für alle Probleme habe. Ich höre ihnen einfach zu und sie erzählen mir ihre Geschichten, und mit jeder ihrer Geschichten werde ich eine bessere Philosophin (Philosophie ist wie birdwatching: Man muss lange auf der Lauer sitzen, man muss seine Beobachtungskräfte schulen und seine Werkzeuge pflegen, man darf sich nicht langweilen und man muss sich selbst ganz vergessen; und dann wird man sie sehen, die scheuen, flüchtigen, schimmernd-lebendigen Gedanken, aber bevor man sie in einen Begriff gepackt hat, sind sie schon wieder aufgeflogen. Nee, zu lang für einen Aphorismus, aber als Vergleich nicht schlecht). Viele von den Leuten, die meine Homepage besuchen, empfinden übrigens ihre Freiheit als die größte Last in ihrem Leben; ein Pauschalversprechen, das so groß ist, dass es niemals eingelöst werden kann; eine angebliche Vergünstigung, die in Wirklichkeit eine Quelle endloser Frustrationen ist und die Sicht verstellt auf das, was man nicht geschenkt bekommt und was man deshalb umso lieber hat, weil man es sich selbst erarbeitet hat.

Mit DFTTWTF tausche ich gelegentlich kleine, mäßig beleidigende Posts, und wir diskutieren die Katzen-Weltherrschafts-Verschwörungstheorie sehr ernsthaft. Jeder sollte einen halbzivilisierten Troll haben, finde ich, der seine Blasen gelegentlich zerpiekst, vor allem jeder, der sich beruflich im „intelektuel-lieberalen komplex“ angesiedelt hat und dort sein Bekehrungswerk betreibt. Meinen freien Willen habe ich wieder eingemottet, hinter dem Norwegerpullover im Massivholz-Kleiderschrank, der immer noch überquillt; vielleicht kann man ihn ja noch einmal gebrauchen, wer weiß das schon? Vielleicht finden ihn auch meine (sehr theoretischen) Enkel eines Tages, wenn sie nach meinem Tod den Schrank ausmisten, und sie werden sagen: Schau mal, was ist das denn? Sieht ja noch ganz neu aus! Wollen wir das bei Ebay verkaufen?

Zuhause