Minutiae
Bilder * Texte * Gedanken

Mission Statement Minutiae

 Minutiae

kleine, scheinbar unwichtige Details des täglichen Lebens

 auch:

Als Minutiae werden Endungen und Verzweigungen der Papillarlinien eines Fingerabdrucks bezeichnet. Diese charakteristischen Punkte der Hautrillen sind für jeden Menschen und Finger einmalig und nicht veränderbar.

oder:

I think I can see the precise and distinguishing marks of national characters more in these nonsensical minutiae, than in the most important matters of state; where great men of all nations talk and talk so much alike, that I would not give ninepence to choose amongst them.

Laurence Sterne, The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman

 

Begleitstimmen und DenkpatInnen

 Außerdem will ich euch sagen, daß die Vorsehung mich, der ich ganz in die Natur eingebunden bin, im voraus dazu bestimmt hat, diese Betrachtungen zu schreiben, so wie sie fünf oder sechs Leser vorausbestimmt hat, Nutzen daraus zu ziehen, fünf, sechs andere, sie zu verschmähen und sie im übrigen der ungeheuren Masse unnützer Schriften zu überlassen.

Voltaire, Der unwissende Philosoph


Man hat sehen zu lernen, man hat denken zu lernen, man hat sprechen und schreiben zu lernen.

Friedrich Nietzsche, Götzen-Dämmerung


First Thoughts are the everyday thoughts. Everyone has those. Second Thoughts are the thoughts you think about the way you think. People who enjoy thinking are having those. Third Thoughts are thoughts that watch the world and think all by themselves. They're rare and often troublesome. 

Terry Pratchett, A Hat Full of Skies


Her original power was nothing more than was due to earnestness and intellectual clearness within a certain rangeWith small imaginative and suggestive powers, and therefore nothing approaching to genius, she could see clearly what she did see, and give a clear expression to what she had to say. In short, she could popularize while she could neither discover nor invent.

Harriet Martineau, An Autobiographic Memoir


Das kann aber einem denkenden Menschen nie begegnen, so lange es noch Dinge überhaupt für ihn auf der Welt gibt; denn an jeden Gegenstand, sei er auch noch so scheinbar geringfügig, lassen sich interessante Gedanken anknüpfen, und das ist eben das Talent der Dichter, welche ebensowenig wie wir in Arkadien leben, aber das Arkadische oder überhaupt interessante an dem Gemeinsten, das uns umgibt, heraus finden können. Wenn wir weiter nichts zu tun wissen, so treten wir ans Fenster, und machen Glossen über die Vorbeigehenden, aber gutmütige, denn wir vergessen nicht, daß wenn wir auf der Straße gehen, die Rollen getauscht sind.

Heinrich Kleist, Briefe


Mir scheint es eine Menschenpflicht, hingeworfene Gedanken aufzunehmen, fortzusetzen, zu prüfen. Die Fragen eines Gestorbenen müssen nicht mit ihm gestorben sein; dazu ist Schrift und Buchdruckerei, dazu sind wir da. 

Johann Gottfried Herder, Zerstreute Blätter


If you write, write from the heart, yet carefully, objectively. Never pose. Write little things which you think are true. Then you may sometimes find that they are beautiful as well.

 Iris Murdoch, The Black Prince


Weil Schriften, deren Wert nur in den Resultaten liegt, die sie für den Verstand enthalten, auch wenn sie hierin noch so vorzüglich wären, in demselben Maße entbehrlich werden, als der Verstand entweder gegen diese Resultate gleichgültiger wird, oder auf einem leichtern Weg dazu gelangen kann: da hingegen Schriften, die einen, von ihrem logischen Gehalt unabhängigen Effekt machen, und in denen sich ein Individuum lebend ausdrückt, nie entbehrlich werden, und ein unvertilgbares Lebensprinzip in sich enthalten, eben weil jedes Individuum einzig und mithin auch unersetzlich ist.

Schiller, Brief an Fichte, 4. August 1795

 

Daß man wertvolle eigene Meditationen möglichst bald niederschreiben soll, versteht sich von selbst: vergessen wir doch bisweilen was wir erlebt, wie viel mehr was wir gedacht haben. Gedanken aber kommen nicht, wann wir, sondern wann sie wollen. Hingegen, was wir von Außen fertig empfangen, das bloß Erlernte, was sich auch jedenfalls in Büchern wiederauffinden läßt, ist es besser nicht aufzuschreiben.

 Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipmena


Wir haben das unabweisliche, täglich zu erneuernde, grundernstliche Bestreben, das Wort mit dem Empfundenen, Geschauten, Gedachten, Erfahrenen, Imaginierten, Vernünftigen möglichst unmittelbar zusammentreffend zu erfassen. 

Johann Wolfgang Goethe, Maximen und Reflexionen

 


Perhaps in future generations a law would be passed allowing consenting adults to practice art openly; an Intellect Relations Board might be set up to encourage tolerance towards people who, through no fault of their own, were interested in ideas. Meanwhile, it was just as well to keep quiet and play the fool. 

  Edward St. Aubyn, Lost for Words

 

Aber Selbsterforschung ist meist schon der erste Schritt zur Wandlung, und ich erfuhr, daß niemand ganz der bleibt, der er war, indem er sich erkennt.

    Thomas Mann, On Myself 

 

Aber der Mensch ist nur geschaffen, um täglich ein wenig an Nahrung, Farben, Tönen, Empfindungen, Ideen zu kosten. Was über das Maß hinausgeht, ermüdet oder berauscht ihn; es ist der Stumpfsinn des Trunkenbolds, es ist die Narrheit des Estatikers. 

Gustave Flaubert, Über Feld und Strand


Sich genügen lassen. - Die erlangte Reife des Verstandes bekundet sich darin, dass man dorthin, wo seltene Blumen unter den spitzigsten Dornenhecken der Erkenntnis stehen, nicht mehr geht und sich an Garten, Wald, Wiese und Ackerfeld genügen lässt, in Anbetracht, wie das Leben für das Seltene und Außergewöhnliche zu kurz ist.  

Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

 

Let us record the atoms as they fall upon the mind in the order in which they fall, let us trace the pattern, however disconnected and incoherent in appearance, which each sight or incident scores upon theconsciousness. Let us not take it for granted that life exists more fully in what is commonly thought big than in what is commonly thought small.

Viriginia Woolf, Modern Fiction


Whether it’s a symphony or a coal mine, all work is an act of creating and comes from the same source: from an inviolate capacity to see through one’s own eyes – which means: the capacity to perform a rational identification – which means: the capacity to see, to connect und to make what had not been seen, connected and made before.

 Ayn Rand, Atlas Shrugged 


Selbst wenn wir wissen, daß ein nie zustande kommendes Werk schlecht sein wird, ein nie begonnenes ist noch schlechter! Ein zustande gekommenes Werk ist zumindest entstanden. Kein Meisterwerk vielleicht, aber es existiert, wenn auch kümmerlich wie die Pflanze im einzigen Blumentopf meiner gebrechlichen Nachbarin. Diese Pflanze ist ihre Freude, und hin und wieder auch die meinige. Was ich schreibe und als schlecht erkenne, kann dennoch die eine oder andere verwundete, traurige Seele für Augenblicke noch Schlechteres vergessen lassen. Ob es mir nun genügt oder nicht, es nützt auf irgendeine Art, und so ist das ganze Leben.  

Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares 


Ich wollte die Philosophie in einer Weise behandeln, die ganz und gar nicht philosophisch sein sollte; ich habe mich bemüht, sie in einen Zustand zu bringen, in dem sie für die Leute von Welt nicht zu trocken und für die Gelehrten nicht zu unernst ist. […] Es kann durchaus geschehen, daß ich auf der Suche nach einem Mittelweg, bei dem die Philosophie allein angemessen wäre, einen solchen gefunden habe, bei dem sie niemandem angemessen ist: Die Mittelwege lassen sich zu schwer einhalten.

Bernard le Bovier de Fontenelle, Philosophische Neuigkeiten für Leute von Welt und für Gelehrte